Caritas-Buchcafé Wenn der Job dem Tag wieder Sinn gibt

Ralph Schulz kümmert sich im Caritas-Buchcafé Etappe um die Bücher, bäckt Kuchen und macht seit neuestem auch Pralinen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Das Caritas-Buchcafé Etappe feiert sein zehnjähriges Bestehen. Was anfangs als Angebot für junge Menschen gedacht war, steht heute allen offen, die auf dem Ersten Arbeitsmarkt nicht Fuß fassen. 30 Plätze gibt es derzeit.

Von Gudrun Regelein, Freising

Vor zehn Jahren wurde das Buchcafé Etappe der Caritas ins Leben gerufen. Damals als Arbeitsmöglichkeit für junge Menschen gedacht, bietet es heute allen, die auf dem Ersten Arbeitsmarkt keine Chance mehr haben, eine Beschäftigung. Einer von ihnen ist Ralph Schulz. Von Beginn an ist er zwar nicht dabei. "Aber ich bin in der Etappe der Dienstälteste", sagt Schulz stolz. Er arbeitet 15 Stunden die Woche im Zuverdienst in dem BIQ-Betrieb der Caritas. BIQ, das steht für Beschäftigung, Integration und Qualifizierung. Der Job sei für ihn sehr wichtig, sagt der schmale Mann mit dem langen, zu einem Zopf zusammengebundenen Haaren. "Die Etappe ist mein Rückhalt."

Der 47-Jährige kommt aus dem Erzgebirge, er ist gelernter Koch, Diätkoch und Patissier. Nach Freising kam er durch einen Zufall: Irgendwann hatte er keine Lust mehr auf das Kochen und kündigte. Das für ihn zuständige Arbeitsamt vermittelte ihm dann eine Stelle als Staplerfahrer im Landkreis Freising. Seinem damaligen Chef sei sein komischer Gang aufgefallen, der habe ihn dann auch zum Arzt geschickt, erzählt Schulz. Die Diagnose lautete Multiple Sklerose. "Als Koch zu arbeiten, schaffte ich nicht mehr. Als Staplerfahrer konnte ich mir mein Geld aber auch nicht mehr verdienen, das wurde mir verboten." Damals sei er in ein Loch gefallen, sagt er. "Ich hatte das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden." Das Jobcenter vermittelte ihm dann einen Ein-Euro-Job bei einer sozialen Einrichtung. Als der Vertrag auslief, hieß es, in einer Woche gehe es bei der Caritas weiter. "Ich wollte eigentlich gar nicht dahin", sagt er offen.

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Zwei Jahre arbeitete er dann zunächst beim Beschäftigungsbetrieb Rentabel, dann kam er in die Etappe. Und ist hier glücklich. Er kümmert sich um die gespendeten Bücher, bäckt Kuchen und Torten und macht seit neuestem auch Pralinen. Daneben ist er im Service tätig und kümmert sich um den Internet-Bücherverkauf. "Ich bin zufrieden, so wie es läuft", sagt er. Für ihn sei die Etappe wichtig, sie gebe ihm Tagesstruktur. Gleichzeitig könne er seine Arbeit frei gestalten: "Wenn es schlecht mit dem Laufen geht, dann mache ich halt langsamer", sagt er. Bei der Frage nach dem Ersten Arbeitsmarkt schüttelt er nur zweifelnd den Kopf. "Wenn, dann nur gering beschäftigt", sagt er schließlich.

Eine sinnvolle Beschäftigung im geschützten Rahmen

Eine sinnvolle Beschäftigung in einem geschützten Rahmen zu bieten, sei das Ziel der BIQ-Betriebe, sagt Fachdienstleiterin Andrea Lachner. Gedacht sind diese Arbeitsmöglichkeiten für Menschen, die zumindest im Moment auf dem Ersten Arbeitsmarkt nicht Fuß fassen können. Die Gründe seien vielfältig, können beispielsweise eine Krankheit oder psychische Probleme sein. Oder es sind Menschen, die wegen ihres Alters oder eines Drogen- oder Alkoholproblems den Job verloren haben. "Die sind dankbar, dass ihr Tag wieder sinnvoll ausgefüllt ist", berichtet Lachner. Eingesetzt werden sie im Zuverdienst wie Ralph Schulz, andere arbeiten als Ein-Euro-Jobber, daneben gibt es einige Asylbewerber im Verfahren oder Menschen, die hier ihre "Arbeit statt Strafe" ableisten. Alle werden, wenn notwendig, auch sozialpädagogisch begleitet. Zwischen 25 bis 30 Teilnehmer gibt es in der Etappe, die aber nicht immer alle da sind.

Etwas Sinnvolles tun zu können und sich wertgeschätzt zu fühlen, sei für alle eine wichtige Erfahrung. Daneben biete das Buchcafé aber auch eine Begegnungsstätte. "Wir sind eigentlich eine große Familie", sagt Lachner. Ein bisschen stolz sei sie schon darauf, wie sich die Etappe in den vergangenen zehn Jahren entwickelt habe. "Da hat sich richtig viel getan." Nicht nur optisch sei das Buchcafé mit seinem großen Garten sehr schön geworden. Die Küche habe sich weiterentwickelt, nun arbeite man auf das Biozertifikat hin. An diesem Donnerstag aber wird erst einmal gefeiert, das zehnjährige Bestehen der Etappe und 23 Jahre Beschäftigung im Fachdienst BIQ. Ralph Schulz wird an diesem Tag natürlich dabeisein.

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