IHK Zahl der Unternehmensgründungen im Landkreis sinkt

Unternehmensgründer Tobias Gutmann bei der Arbeit in seiner Werkstatt in Allershausen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Im Landkreis Freising ist die Zahl der Unternehmensgründungen erneut zurückgegangen. Das liegt auch an den niedrigen Arbeitslosenzahlen. Einer, der den Schritt dennoch macht, ist Tobias Gutmann.

Von Petra Schnirch, Freising/Allershausen

Die Zahl der Unternehmensgründungen im Landkreis ist erneut zurückgegangen. 1278 Personen meldeten 2018 ein neues Gewerbe an, wie die Industrie- und Handelskammer (IHK) mitteilt. Das ist ein Minus von 5,3 Prozent. Otto Heinz, IHK-Vizepräsident und Vorsitzender des Regionalausschusses Erding-Freising führt dies darauf zurück, dass in der Region nahezu Vollbeschäftigung herrscht. "Damit sinkt erfahrungsgemäß das Interesse an einer unternehmerischen Selbständigkeit." Einer, der diesen Schritt trotzdem gewagt hat, ist Tobias Gutmann aus Allershausen.

Vor einem Jahr, im Juli 2018, hat der 32-jährige Physiker sein Unternehmen "Tobias Gutmann Prototyping" angemeldet - und er verfügte bereits über einschlägige Erfahrung. Schon während des Studiums gründete er mit zwei Kommilitonen sein erstes Start-up. Sie bauten eine Maschine, die für 3D-Drucker Filamente herstellte, also die Kunststoffe, die in Drahtform auf Rollen konfektioniert sind. Nach einem Jahr war damit Schluss, weil die Konkurrenz aus Asien die Preise drückte. Nach drei Jahren als angestellter Hardware-Entwickler bei einem anderen jungen Unternehmen und seinem Studienabschluss an der LMU München entschloss sich Gutmann, sich erneut selbständig zu machen. Zu seinem Kundenkreis gehören Start-ups, denen er es ermöglicht, Produkt-Ideen mit Hilfe von Prototypen zu testen. Gutmann bietet aber auch klassische Entwicklungen in den Bereichen Elektronik, Mechanik und Software für etablierte Unternehmen an. "Das ist ein sehr breites Spektrum", sagt er. Ebenso breit sind seine Interessen.

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Gutmann steht auch selbst gerne an der Werkbank

Das Büro und die Werkstatt befinden sich in einem kleinen Anbau neben dem Wohnhaus in Allershausen mit Computer, 3D-Drucker und CNC-Fräse. Denn Gutmann steht auch selbst gern an der Werkbank. Er baue gerne Dinge, erzählt er.

Vor kurzem hat er für einen Kunden einen Fahrradcomputer entwickelt. In der Firma, für die er vor seiner Selbständigkeit tätig war, hat er einen prämierten Handschuh mitentworfen, mit dem Barcodes gescannt und verarbeitet werden können. Auch eigene Ideen versucht er umzusetzen - beispielsweise ein Gerät, das an Bäumen angebracht Strom erzeugen soll, da diese schwingen. Noch sei es aber nicht ausgereift, schildert Gutmann. Mit Kollegen arbeitet er gerade an einem Laser, mit dem sich Metalle bearbeiten lassen. Der bisher übliche Ätzvorgang, etwa bei Platinen, mit Chemikalien soll dadurch ersetzt werden. Das Projekt wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Das größte Problem: Auf sich aufmerksam machen

Mit den ersten Monaten seines Start-ups ist Tobias Gutmann zufrieden. Derzeit ist er auf der Suche nach größeren Räumen. Wo sieht er sich selbst in fünf Jahren? Langfristig würde er gern ein Produkt entwickeln und selbst auf den Markt bringen, was genau dies sein könnte, weiß er noch nicht. An Ideen mangelt es ihm aber nicht. Größtes Problem sei, auf sich aufmerksam zu machen, sagt Gutmann. "Es geht nichts über Netzwerken." Denn: "Die Kunden müssen einen finden." Gerade ist der 32-Jährige dabei, einen eigenen Youtube-Kanal aufzubauen.

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