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Bibliotheken:Wo man findet, was man nicht sucht

Inwieweit Bibliotheken Orte des digitalen Wandels und der Demokratie sind, haben Arne Ackermann und Minister Florian Herrmann (rechts) diskutiert.

(Foto: Marco Einfeldt)

Der Direktor der Münchner Stadtbibliothek erstaunt bei einem Vortrag in Freising seine Zuhörer mit der These, dass das Buch als Leitmedium nicht in Gefahr sei. Büchereien nennt er wichtige "Orte der Begegnung".

"Ich glaube, ich bin Realist, wenn ich sage: Ich sehe die Zukunft des Buches nicht gefährdet." So oder so ähnlich wiederholte der Direktor der Münchner Stadtbibliothek Arne Ackermann seine Botschaft am Montagabend immer wieder. Mit der Digitalisierung verändere sich zwar viel, auch für Bibliotheken. Aber: "Das Buch ist immer noch das Leitmedium", betonte er. Florian Herrmann (CSU), Staatsminister und Leiter der Staatskanzlei, hatte Ackermann als Referenten zum Politischen Salon eingeladen, der diese Woche zum zehnten Mal stattfand. Das Thema: "Gemeinschaft findet Stadt - Öffentliche Bibliotheken als Orte des digitalen Wandels und der Demokratie".

Orte der Demokratie seien öffentliche Bibliotheken auf jeden Fall, so Ackermann. Sie stellten sicher, dass sich jeder aus frei zugänglichen Quellen kostenlos informieren könne - wie es das Grundgesetz vorschreibe. Ziele von Bibliotheken seien Lese- und Wissensförderung und Medienbildung. "Bibliotheken sind Orte, wo man Dinge findet, die man nicht gesucht hat", fasste er zusammen. Es gehöre aber auch dazu, für die bundesweit 120 Millionen Besucher pro Jahr "Orte der Begegnung" zu schaffen und so die Gemeinschaft zu stärken.

"Die Sehnsucht nach Orten ist so stark wie nie"

Das gelte auch - oder gerade - in Zeiten der Digitalisierung. "Die Sehnsucht nach Orten ist so stark wie nie", so der Bibliotheksdirektor. Die Münchner Stadtbibliothek bietet ihre Bücher in Teilen sehr wohl als E-Book an, das erklärte Ackermann im Anschluss an den Vortrag. Von rund zwölf Millionen Entleihungen entfalle eine Million auf digitale Medien. Das sei aber nicht unbedingt etwas Neues: "Digitale Medien bieten wir schon seit 2006/2007 an."

Die Besucher schienen Ackermanns Ansatz nicht ganz nachvollziehen zu können, dass die Digitalisierung eine so geringe Rolle für Bibliotheken spielt. Digitale Medien gefährdeten mit all ihren Vorteilen doch das Konzept von Büchersammlungen an einem Ort, meinte ein Besucher: Schließlich könne man jederzeit und von überall aus auf die Bücher zugreifen, die Bibliothek spare Platz und Geld. Ein anderer Besucher wies auf die Chancen des technischen Fortschritts hin: Digitalriesen wie Google wollten schließlich ebenfalls Wissen öffentlich und kostenlos zur Verfügung stellen, womöglich könne man da sogar zusammenarbeiten.

Bibliotheken sollten Kindern Kritikfähigkeit vermitteln

Man müsse sich durchaus an die Bedürfnisse der Menschen anpassen, erwiderte Ackermann: So müssten Bibliotheken Kindern Kritikfähigkeit vermitteln und älteren Menschen zeigen, welche digitalen Angebote es überhaupt gebe. Dann aber nähmen Bibliotheken auch in 30 Jahren noch eine wichtige Rolle ein.

Eine Besucherin wollte noch wissen, wie sich Büchereien auf dem Land in Zukunft verändern müssen. "In jedem Fall ist es wichtig, sich in den politischen Diskurs einzumischen", so Ackermann. Es lohne sich, eine "gute Aufenthaltsqualität" zu schaffen und sich etwa beim Kauf von E-Books mit anderen Büchereien zusammenzutun.