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Mehr als Rumtata:Bayerische Volksmusik de luxe

Balkanpop, Tango und Südstaatenblues gehören zum 8. Dellnhauser Volksmusikfest wie das Schuhplatteln, die Trachtentänze und der Ochse am Spieß: In Au präsentierten sich auf vier Bühnen unterschiedliche Gruppen.

Hin und wieder ein kühlender Regenguss - die gemütliche und teilweise auch ausgelassene Stimmung auf dem Dellnhauser Volksmusikfest am Wochenende in Au hat dies nicht getrübt. Die Gäste flüchteten kurz unter die Markisen entlang der Hauptstraße, wo bereits Musiker wie der Giadersdorfer Dreiklang saßen und sangen. Hier im Trockenen konnte man sich etwa nach dem Volkstanzkurs erholen, zu dem die Dellnhauser Musikanten aufgespielt hatten. Zu den resoluten Kommandos von Katharina Mayer hatten sich zahlreiche Paare, natürlich in Tracht, auf der Tanzfläche gedreht.

An jeder Ecke der Ortschaft mit ihrem ehrwürdigen Schloss, dem Marktplatz an der Kirche und dem idyllischen Biergarten erklang am Wochenende Volksmusik in unterschiedlichen Variationen. Auf den vier großen Bühnen wechselten sich zwei Tage lang 70 Gruppen ab und zeigten, dass Volksmusik viel mehr ist als ein einfaches Rumtata, wie Heike Fleischmann vom Organisationsteam um den Musiker Michael Eberwein deutlich machte.

Es spielen die Holledauer Hopfamusi, die Auer Geigenmusi und Django 3000

Bereits zum achten Mal holte Eberwein, Chef der Dellnhauser Musikanten, bekannte Gruppen wie die Holledauer Hopfamusi, die Auer Geigenmusi, die Kapelle Josef Menzl, die Familienmusik Servi oder die Geschwister Laschinger zu diesem über die Landkreisgrenzen hinaus beliebten Ereignis nach Au, aber auch Musiker, die zum ersten Mal dabei waren. Volksmusik vereine unterschiedliche Richtungen, die Resonanz auf den Internetaufruf für das Festival sei sehr groß gewesen, so Fleischmann. Bei der Auswahl wurde auf Vielfalt und natürlich auf Können geachtet. Aber auch der Nachwuchs nutzte die Gelegenheit, die Passanten zu erfreuen. Eine kleine Gruppe Querflötenspielerinnen und ein junger Akkordeonspieler machten zwischen den Ständen des Kunsthandwerkermarktes auf der Hauptstraße Musik.

Wie weit in Au das Thema Volksmusik gefasst wird, verdeutlichten auch die großen Konzerte an den Abenden vor dem eigentlichen Fest: Am Dienstag kamen zum Treffpunkt Volksmusik des Bayerischen Rundfunks 800 Gäste in die Hopfenlandhalle. Am Abend darauf wagte man ein Experiment, wie Heike Fleischmann sagte, und lud Django 3000 ein. Auch dies sei ein voller Erfolg gewesen, denn etwa 800 meist jüngere Besucher waren von der Mischung aus Balkanpop und bayerischer Volksmusik begeistert. "Wir möchten mit unserem Programm auch junge Besucher anziehen", so Fleischmann, dafür sei der Auftritt genau das Richtige gewesen. Rasch ausverkauft mit über 800 Besuchern war das Konzert des Shooting-Stars am Volksmusikhimmel, des Herbert Pixner Projekts aus Südtirol.

Mit einem Mix aus Tango, Flamenco und Volksmusik heizte der Shooting-Star, das Herbert Pixner Projekt, den Zuhörern ein

Die virtuosen Musiker brachten mit ihrer Mischung aus Tango, Flamenco und Volksmusik die Hopfenlandhalle zum Toben. Ebenfalls eine Art Volksmusik, nämlich Südstaatenblues aus New Orleans, spielte Christian Willisohn auf der Bühne hinter dem Schloss. "Jeder soll bei unserem Musikfest etwas für sich finden", betonte Fleischmann. Natürlich wird auf dem Dellnhauser Musikfest in bayerischer Mundart gesungen, und man könnte meine, dass man sich keine Sorgen um deren Erhalt machen muss. Das sehen die Mitglieder des "Fördervereins der Bairischen Sprache" anders. An ihrem Stand warnten sie vor dem Verlust der bairischen Muttersprache, dem man sich entgegen stemmen wolle. Auf dem Dellnhauser Musikfest war die Freude am Dialekt jedoch überall zu spüren.

Nicht nur musikalisch gab es zahlreiche Höhepunkte und Entdeckungen, auch für Anregungen für ein passendes Outfit war gesorgt: In einer Modeschau präsentierte Barbara Gruber vom gleichnamigen Modehaus zeitlose Trachtenmode. Außer zum Sehen und Hören bot das Musikfest auch kulinarische Höhepunkte - der aromatisch Geruch des gebratenen Ochsen am Spieß verführte zum Probieren und Genießen.

© SZ vom 10.07.2017/zim
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