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Auszubildende in Freising:Keine Zeit für Lockdown

Die Auszubildende Siddika Keskin muss im Echinger Frisörsalon Markéta derzeit hinter verschlossenen Türen an Puppenköpfen üben.

(Foto: Marco Einfeldt)

Viele Lehrlinge im Landkreis müssen derzeit ohne Kunden auskommen und sich dennoch auf Prüfungen vorbereiten.

Von Clara Wollmann, Freising

Ob mit einem Vier-Gänge-Menü, einer Föhnfrisur oder täglichem Zimmerservice - um zu lernen, wie man einen Kunden glücklich und zufrieden macht, braucht man auch Kunden. Doch Betriebe im Landkreis, die in Zeiten der Pandemie und des Locķdowns derzeit gar keine oder nur wenige Gäste empfangen, können ihre Lehrlinge nicht lange warten lassen. Der Ausbildungsplan schreibt nämlich genau Inhalte vor, die gut geübt werden müssen, um erfolgreich die Zwischen- und Abschlussprüfung zu bestehen.

Im Echinger Friseursalon Coiffeur Markéta herrscht zwar kein Kundenbetrieb, geschnitten, gefärbt und geföhnt wird trotzdem, wenn auch nur an Puppenköpfen. Damit bis zur bald anstehenden Zwischenprüfung alle Handgriffe sitzen, treffen sich die Auszubildenden mit einer Mitarbeiterin hinter verschlossenen Türen, wie Salonbesitzerin Markéta Simon erzählt. Doch damit eine Dauerwelle gelingt, braucht es viel Übung und Echthaar. Auch sollen die Lehrlinge erst den Langhaarschnitt und dann der Kurzhaarschnitt üben, damit nicht zu viele Puppenköpfe rollen - denn die sind teuer.

Geschnitten, gefärbt und geföhnt wird trotzdem, wenn auch nur an Puppenköpfen

Die zwei Kochauszubildenden im Hotel Landgasthof Hofmeier in Hetzenhausen haben ebenfalls nicht viel Beschäftigung. Im ersten Lehrjahr sei das nicht so dramatisch, erklärt die Chefin Anneliese Hofmeier, denn da finde viel Unterricht an der Berufsschule statt. Im Betrieb arbeiten sie zwar für das To-go-Angebot mit, doch alles nach Lehrplan wird ihnen dabei nicht vermittelt werden können.

Auch die Ausbildung zu Hotelfachfrau und -mann erweist sich als anders, wenn nicht täglich Gäste ein und aus gehen. Im Mövenpick-Hotel München-Airport in Hallbergmoos läuft die Küche auf einem Minimum, das Restaurant hat zurzeit geschlossen.

Daher werden die Lehrlinge vor allem im Housekeeping eingeplant, das heißt, sie kümmern sich um Ordnung und Sauberkeit in dem Hotel. Elisa Steller aus der Personalabteilung bedauert das. Eigentlich sehe das dritte Lehrjahr spannende Einblicke im Planungsbereich und der Verwaltung vor, doch momentan sei das einfach nicht möglich. Auch Planungen für das neue Ausbildungsjahr fallen aktuell schwer, man wisse nicht einmal wie die kommenden Wochen aussehen. Im vergangenen Herbst wurden keine neuen Lehrlinge eingestellt.

Die Unternehmen sind bei der Ausschreibung neuer Lehrstellen etwas zögerlicher geworden

Dass Unternehmen zögerlicher sind, neue Ausbildungsstellen auszuschreiben, spürt auch die Arbeitsagentur in Freising bereits. Doch um von einer allgemeinen Entwicklung zu sprechen, sei es zu früh, heißt es dort. Die Bewerbungsphase für neue Ausbildungsplätze ist gerade erst angelaufen, wenn auch etwas verzögert, weil auch Prüfungen Corona-bedingt später stattfinden. Unter den Bewerbern ist das Interesse aber ähnlich wie in den früheren Jahren.

Für Markéta Simon in ihrem Echinger Frisörsalon ist es keine Frage, dass sie im Herbst auch wieder einen neuen Ausbildungsplatz vergeben wird. "Sobald wir wieder öffnen dürfen, werden die Kunden den Salon einrennen. Alle brauchen einen neuen Haarschnitt", weiß sie schon jetzt und sieht das Positive in der derzeit besonderen Situation. Ihre Lehrlinge müssten dann ins kalte Wasser springen und mitanpacken. Ihre Schonfrist für Anfänger am Puppenkopf sei dann einfach vorbei.

© SZ vom 22.01.2021/ilos
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