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Corona im Landkreis Freising:Pandemie behindert Ausbildungsbetrieb bei Feuerwehr und THW

Sowohl Feuerwehrübungen als auch die Ausbildung von Nachwuchs fallen bei manchen Freiwilligen Feuerwehren derzeit aus (Archivbild).

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Corona-Maßnahmen wirbeln den Übungsbetrieb sowie die Ausbildung von neuen Leuten bei den Feuerwehren tüchtig durcheinander. Kommandanten berichten, es sei schwierig, Mitglieder bei der Stange zu halten. Das THW vertröstet Bewerber auf 2021.

Von Nadja Tausche, Freising

Für die meisten Menschen sind die Hygienemaßnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie bisweilen lästig, aber zu verkraften. Was aber, wenn Kontaktbeschränkungen, Mindestabstand und Ähnliches die Abläufe in Organisationen behindern - etwa bei der Feuerwehr, die im Ernstfall Leben retten muss? Fortbildungen und Übungen fallen im Landkreis derzeit zum Teil aus, und manche der Freiwilligen Feuerwehren verzichten darauf, Nachwuchs auszubilden. Man sei zwar weiter normal einsatzfähig, betont etwa Sebastian Biendl, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Au in der Hallertau. "Aber es ist schwer, nicht zu üben."

Ob sie Übungen durchführt, ist laut dem Kreisfeuerwehrverband Freising jeder Feuerwehr selbst überlassen. "Bei uns geht momentan gar nichts", sagt Biendl. Denn seiner Meinung nach stellen Übungen ein zusätzliches Risiko dar: Sollte es zu einem Coronafall kommen, könnten sich andere anstecken, zumindest aber würden wohl alle, die bei der Übung anwesend waren, in Quarantäne geschickt. Nach dem zahlenmäßig ruhigen Sommer hatte die Feuerwehr Au im September wieder mit Übungen in kleinen Gruppen begonnen. Nach einem Monat habe man sie aufgrund der steigenden Infektionszahlen wieder eingestellt: Die Gesundheit gehe vor, sagt Biendl.

Der Freisinger Kreisbrandrat Manfred Danner.

(Foto: Marco Einfeldt)

Anders ist das bei der Freiwilligen Feuerwehr Moosburg. Hier finden alle zwei Wochen Übungen statt, mit Abstand und weniger Teilnehmern als üblich. "Wir können wegen Corona nicht alles einschlafen lassen", sagt Zweiter Kommandant Franz Jantschy: Man müsse schauen, dass man bei der Stange bleibe, "und wir können nicht zu einem Feuer hinfahren und sagen, wir haben keine Leute." Bei einem Einsatz müssen die Feuerwehrleute nach Angaben des Kreisfeuerwehrverbands FFP2-Masken tragen, wenn ein persönlicher Kontakt mit anderen nicht auszuschließen ist. In Freising heißt das, man trage die Masken während des gesamten Einsatzes, berichtet Kommandant Oliver Sturde. Außerdem dürfen weniger Leute als sonst in einem Fahrzeug sitzen, "und nach dem Einsatz werden alle Oberflächen gereinigt."

In Moosburg fällt die Grundausbildung komplett aus

Bei der Ausbildung von neuen Leuten wirbeln die Coronamaßnahmen bei der Feuerwehr vieles durcheinander. In Moosburg findet derzeit gar keine Grundausbildung statt, obwohl Jantschy zufolge genügend Interessenten da wären. Diese würden zwar bei den Übungen mit einbezogen, erzählt er - mit Einsätzen müssten sie allerdings warten, bis wieder Lehrgänge stattfinden. In Freising dagegen plant man, die Grundausbildung anzubieten. Starten solle sie Anfang des kommenden Jahres, schon jetzt träfen sich die Interessierten alle zwei Wochen, berichtet Sturde: "Um die Leute bei der Stange zu halten." Dafür habe man Themen aus dem Lehrgang nach vorne gezogen, den Umgang mit bestimmten Geräten oder Rollschläuchen etwa lernen die angehenden Feuerwehrleute mit Abstand und Masken schon jetzt. Zusätzlich prüfe man, ob Teile des theoretischen Stoffes online vermittelt werden können. "Wir versuchen, trotz Pandemie so viel Ausbildung wie möglich anzubieten", so Sturde.

Auch beim Technischen Hilfswerk Freising (THW) können heuer nicht alle ausgebildet werden, die dort anfangen wollen. Man müsse die Gruppen wegen der Corona-Vorgaben auf neun Teilnehmer beschränken, eine zweite Gruppe zu bilden, sei vom Aufwand her nicht machbar, sagt Pressebeauftragter Peter Binner. "Den Rest müssen wir auf nächstes Jahr vertrösten." Besonders ärgerlich sei das, weil nicht jedes Jahr so viele der dringend benötigten Nachwuchskräfte beim THW anfangen wollten wie heuer. Und es kann durchaus zum Problem werden, glaubt Binner. Er fürchtet, dass manche der Interessenten abspringen: Schon wenn man sie in normalen Zeiten darauf hinweise, dass die Ausbildung erst im Oktober beginne, sei das für manchen eine zu lange Wartezeit. Ärgerlich war die Situation laut Biendl auch in Au, wo der Lockdown im Frühjahr mit dem Ende der Grundausbildung zusammenfiel: "Die standen kurz vor der Prüfung, wollten mitfahren." Beenden konnten sie ihre Ausbildung aber erst im September.

Was im Landkreis derzeit zum Teil stattfindet, sind Fortbildungen für fertig ausgebildete Feuerwehrleute. Durchgeführt werden sie am Feuerwehrausbildungszentrum in Zolling. "Wir können es uns nicht leisten, den Ausbildungsbetrieb einzustellen", sagt Kreisbrandrat Manfred Danner. Im Zentrum kann man also nach wie vor in Containern üben, in denen Brände simuliert werden, auch die Ausbildungen zum Maschinisten - also Fahrzeugführer - oder zum Thema Atemschutz finden statt. Reduzierte Gruppengrößen und Masken sind Pflicht, bei Reanimationsübungen arbeite derzeit statt zwei Feuerwehrleuten nur einer an der Puppe, berichtet Danner.

Auf Online-Schulungen auszuweichen macht nur bedingt Sinn

Den Lehrgang zur Absturzsicherung biete man momentan nicht an: Dabei klettern die Teilnehmer auf einen Kran, es gebe viel Körperkontakt. Danner zufolge habe man vom Frühsommer an den Ausbildungsbetrieb bewusst vorangetrieben, weil man eine zweite Coronawelle schon befürchtet hatte: "Wir haben im Sommer massiv Atemschutzträger ausgebildet." Fortbildungen online anzubieten, ist aus Sicht der Feuerwehren nur bedingt eine Option. "Es gibt Sachen, die muss man einfach händisch machen", findet Binner. In Au hat man in den Sommermonaten durchaus Online-Schulungen gebucht, so Biendl: Das sei besser als nichts, in der Praxis vertiefen müsse man die Inhalte aber trotzdem.

Was mit dem Lockdown weggebrochen ist und immer noch fehlt, ist der soziale Aspekt bei der Feuerwehr. "Ein Verein lebt von der Kameradschaft", sagt Jantschy. Man treffe seine Freunde, beim Zusammensitzen könne man sich nach einem harten Einsatz austauschen. Nach Ansicht von Kreisbrandrat Danner könnte das für die Feuerwehr zum größten Problem werden, das die Coronakrise verursacht. Sollte das soziale Miteinander noch länger zu kurz kommen, befürchtet er, dass Leute wegbrechen: "Dann verbringt man seinen Abend halt doch lieber auf der Couch."

© SZ/nta
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