Weltmusik:Neue Saiten für das klassische Streichquartett

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Weltmusik: Ein unerhörter Klangkosmos: Genregrenzen gibt es nicht für Evelyn Huber und das Sirius Quartet.

Ein unerhörter Klangkosmos: Genregrenzen gibt es nicht für Evelyn Huber und das Sirius Quartet.

(Foto: Evelyn Huber)

Harfenistin Evelyn Huber mit Gregor Hübners New Yorker "Sirius Quartet" im Lustspielhaus.

Von Oliver Hochkeppel

Schon Ende 2019 erschien ihr Album "Para Un Mejor Mundo", endlich geht jetzt die gemeinsame Geschichte der Harfenistin Evelyn Huber und des Geigers Gregor Hübner und seines New Yorker Sirius Quartet weiter. Huber, die Pionierin aus der ersten Generation der Harfenistinnen, die ihr Instrument aus dem Korsett der Klassik befreiten und ihm neue Klangfarben, Ausdrucksformen und Einsatzformen bescherten, Trägerin des Bayerischen Kulturpreises und mit Quadro Nuevo zweimalige Echo-Gewinnerin, wollte eigentlich bei Hübner nur ein paar Kompositionsstunden nehmen und ihren Horizont erweitern, um über den erlernten klassischen Tonsatz hinauszugehen. Hübner, der seit über 20 Jahren zwischen New York und München ebenso wie zwischen Klassik, Jazz und Weltmusik pendelnde Professor an der Münchner Musikhochschule, sah freilich schnell das Potenzial für eine viel tiefgreifendere Zusammenarbeit. Leitet er doch mit dem - 2007 in der legendären New Yorker Knitting Factory aus der Taufe gehobenen - Sirius Quartet mit Fung Chern Hwei an der zweiten Geige, Ron Lawrence an der Viola und Jeremy Harman am Cello ein formal klassisches Ensemble, das inzwischen zu den Stars der zeitgenössischen Musik gehört, weil es wie Huber die Genregrenzen niedergerissen und sich der Improvisation wie Stilformen aller Art geöffnet hat.

Das Ergebnis dieser Kooperation ist dementsprechend ebenso einzigartig wie virtuos und vielfältig. Anklänge an mittelalterliche und asiatische Musik, serielle Muster wie bei Philip Glass, melancholischer Folk oder auch eine rauschhaft wogende Verbeugung vor der orientalischen Musik (bei Hubers während eines aufwühlenden Ägypten-Aufenthalts mit Quadro Nuevo entstandenen "Nilade") vereinen lyrischen Impressionismus mit rockiger Wucht. Ein unerhörter Klangkosmos, der am meisten Spaß macht, wenn man ihn an den so unterschiedlichen Saiteninstrumenten live entstehen sieht. So viel Spaß, dass das Lustspielhaus als Plattform vielleicht sogar passender ist als ein Klassiktempel.

Evelyn Huber & Sirius Quartet, Do., 5. Mai, 20 Uhr, Lustspielhaus, Occamstr. 8, Tel. 34 49 74

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