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Atomkraftwerk:Isar 2 wird zum milliardenschweren Risiko für die Stadtwerke

Kernkraftwerk Isar 1, 2010

Wer zahlt wie viel für die Abwicklung der Atomkraft? Diesen Donnerstag tagt erstmals eine Kommission, die sich mit wichtigen Fragen dazu befasst.

(Foto: Johannes Simon)
  • Die Abwicklung des Atomkraftwerks Isar 2 wird zum Risiko für die Münchner Stadtwerke - und damit auch für den Haushalt der Stadt.
  • Vielleicht müssen die Stadtwerke die Stilllegung sowie die Entsorgung des Strahlenmülls ganz allein finanzieren.
  • Entschieden wird die Sache in Berlin - wieviel Geld einmal nachgeschossen werden muss, ist völlig unklar.

Von Dominik Hutter

Der bange Blick geht nach Berlin, dort entscheidet sich in den nächsten Monaten, ob das Atomkraftwerk Isar 2 zum milliardenschweren Risikofaktor für die Stadtwerke und damit auch für die Stadt München wird. Nach aktueller Rechtslage gilt für das kommunale Unternehmen, das 25 Prozent an dem Meiler hält, eine "gesamtschuldnerische Haftung".

Was bedeutet: Kann der Mehrheitsgesellschafter Eon seinen Beitrag nicht mehr aufbringen, müssen die Stadtwerke die Stilllegung des Atomkraftwerks sowie die Entsorgung des Strahlenmülls ganz allein finanzieren.

Für die Verluste der Stadtwerke wiederum müsste die Kommune geradestehen. "Die Auswirkungen wären gigantisch, für uns wie für die Stadt München", warnt Stadtwerke-Chef Florian Bieberbach. Er hofft nun auf die Bundesregierung, die in Sachen Atomausstieg eine Expertenkommission eingesetzt hat.

Zwar kann sich Bieberbach "eine Insolvenz von Eon momentan nicht vorstellen". Dennoch könne niemand garantieren, "dass keiner der großen Vier in den nächsten 80 Jahren pleite geht". Mit solchen Zeiträumen müsse man aber rechnen, wenn es um die Abwicklung der Atom-Ära geht.

Den Atomkonzernen ging es schon einmal besser

Auch die Bundesregierung sieht ein gewisses Ausfallrisiko - nicht umsonst tagt an diesem Donnerstag erstmals eine hochkarätig besetzte Kommission, die sich explizit mit diesem Problem befasst. Den großen Atomkonzernen, das ist kein Geheimnis, ging es schon einmal besser. "Natürlich beschäftigen auch wir uns mit diesem Fall", erklärt Bieberbach, der vielsagend von "Restrisiko" spricht.

Das Thema wird auch im Rathaus besprochen - jedem ist klar, dass die Komplett-Abwicklung des 1988 in Betrieb genommenen Druckwasserreaktors die Stadtwerke überfordern würde. Finanziell wie technisch. Die Stadtwerke treten lediglich als Anteilshaber auf, für den Betrieb des Meilers ist allein Eon zuständig. "Wir haben kein Personal vor Ort", so Bieberbach.

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