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Ebersberg:Waldmuseum: Neue Technik soll Brandschäden stabilisieren und konservieren

Die Renovierungen nach dem Feuer am Waldmuseum Ebersberg laufen. Wer bisher keinen Blick auf die verkohlte Fassade erhaschen konnte, hat bald die Gelegenheit.

Von Franziska Langhammer, Ebersberg

Die letzten warmen Tage sind gerade vorbeigezogen, eine kühle Brise liegt in der Luft, und Hannes Müller denkt an den Schnee. Der Leiter des Museums Wald und Umwelt in Ebersberg steht an diesem Donnerstagvormittag vor einem beeindruckenden Alpenpanorama, das sich milchig-blau am Horizont erstreckt. Er erzählt von Genehmigungen, die erteilt, und Aufträgen, die vergeben werden müssen, um ein neues Dach zu errichten - am besten noch vor dem Wintereinbruch. "Ziemlich knapp", räumt Müller ein, "aber das ist der Plan."

Ein ehrgeiziges Ziel, wenn man bedenkt, was da in Angriff genommen wird. Neun Monate ist es her, dass ein Feuer Teile des Waldmuseums niederbrannte. Vor allem das Dach und die Außenfassade des Jagerhäusls, also des historischen Teils des Museums, sind in Mitleidenschaft gezogen worden. Der Schaden durch das Feuer liegt im hohen sechsstelligen Bereich, wie das Polizeipräsidium Oberbayern Nord auf Nachfrage wissen lässt. Man gehe von Brandstiftung aus, allerdings konnte bisher kein Täter ermittelt werden.

Momentan schützt ein Notdach die Innenräume vor Regen, um das Museum herum ist ein meterhohes Gerüst aufgestellt. Besuchern ist der Blick auf das verbrannte Holz des Balkons und die von Kohle schuppige Fassade des ersten Stocks des Jagerhäusls durch Plastikplanen verwehrt - noch. Denn wie es aussieht, sollen die vom Ruß geschwärzten Holzwände und Balken nicht abgerissen und ersetzt, sondern genau in diesem Zustand erhalten werden. Möglich ist dies durch eine Technik, die sich Verkieselung nennt.

Hannes Müller führt in den ersten Stock des Jagerhäusls, um den das Feuer besonders gewütet hat. Die Tür zum Balkon funktioniert auf wundersame Weise noch und lässt sich problemlos öffnen. Ihre Außenklinke ist unter der Hitze geschmolzen und ragt wie ein dürres Ästchen aus dem verkohlten Gebälk; die Außenwand mutet in ihrer buckligen Konturierung ein bisschen wie schwarzes Krokodilsleder an. Müller fährt mit dem Finger vorsichtig über das verkohlte Holz. "Jetzt gibt das Holz nach und zerbröselt", sagt er. Bei der Verkieselung werden die Hohlräume im Holz mit Silicium-Atomen gefüllt und wirken so stabilisierend. "Das fühlt sich dann von außen an wie Plastik", erklärt Müller. Als er zum ersten Mal von dieser Methode gehört habe, sei er begeistert gewesen.

Momentan rieseln von der Fassade immer wieder feine Partikel herunter. Diese werden durch die Verkieselung gebunden, die Erosion wird gestoppt. Das ist auch eine Frage der Gesundheit: Die Rußpartikel nämlich, so Müller, können krebserregend sein. Auf die Idee der Verkieselung kam der beauftragte Restaurator Reiner Neubauer, der bei einer Sitzung des Technischen Ausschusses des Stadtrates Ebersberg von einer Weltneuheit sprach. Das Verfahren gibt es zwar schon länger, wurde jedoch anscheinend in einem solchen Ausmaß noch nie angewandt.

Die Entscheidung für diese neue Technik hat zwei Gründe, erklärt Hannes Müller. Wegen des Denkmalschutzes müsste man für einen Wiederaufbau Holz verwenden, das aus der gleichen Zeit stammt wie das Jagerhäusl, das 1740 errichtet worden ist - an sich schon ein schwieriges Unterfangen. Der gesamte historische Teil müsste abgebaut und wieder aufgebaut werden. "Ein relativ großer Aufwand", so Müller. Doch auch aus einem anderen Blickwinkel kommt ihm die Idee mit der Verkieselung zupass: "Wir wollen aus museumspädagogischer Sicht dokumentieren, was passiert ist." Das sei auch ein Trend in der Architektur, so Müller: "Narben" zu konservieren, die Geschichte der Gebäude zu erzählen. "Wenn wir das nicht schaffen, brauchen wir ein neues Konzept."

Eine weitere Möglichkeit, das sogenannte Abbeilen, habe man schon aus Sicht des Denkmalschutzes gar nicht weiter in Erwägung gezogen, erzählt der Museumsleiter. Dabei hätte man versucht, das noch intakte Holz unter der Rußschicht herauszuarbeiten - was für die Optik wohl unvorteilhaft wäre. Zudem ist die Verkieselung die am wenigsten aufwendige und die kostengünstigste Lösung, mit der auch der Denkmalschutz einverstanden ist.

Währenddessen läuft der Betrieb im unversehrten Teil des Museums schon wieder. Derzeit ist eine Fotoschau über Lichtverschmutzung im Kellerbereich des Vordergebäudes zu sehen; die bereits zweite Ausstellung seit dem großen Feuer. Und auch im Innenbereich des Jagerhäusls gehen die Arbeiten voran: Am Donnerstag war die erste Abnahme für die Renovierungsarbeiten im Dachgeschoss angesetzt. "Das ist für mich auch ganz neu", sagt Hannes Müller.

Bevor es die Treppe in das zweite Geschoss hoch geht, erzählt Müller, was ihm die Feuerwehrleute nach dem Brand berichteten: An dieser Stelle habe der Wasserdampf vom Löschwasser die Luft so erhitzt, dass die Helfer in den zweiten Stock kriechen mussten. Die Treppe ins Dachgeschoss und der Dachboden wurden in mühsamer Kleinarbeit von den Rußpartikeln befreit: Mittels CO₂ wurden die Oberflächen vereist, spröde gemacht und durch Druck nun die Schichten langsam abgetragen, so Müller. "Das war eine Riesensauerei", erzählt er. "Die Handwerker sahen danach aus wie Schornsteinfeger."

Von hier aus, im Obergeschoss des Jagerhäusls, lässt sich das Ausmaß des Brandes erschreckend gut betrachten. Das Dach ist abgetragen, die Balken ragen frei in die Luft. Wenn alles nach Wunsch läuft, sollen die gesamten Renovierungsarbeiten bis August 2021 fertiggestellt sein, sagt der Museumsleiter; danach soll das Museumsgebäude wieder komplett eröffnet werden. Zuerst einmal aber muss das Dach gedeckt, dann das Gerüst abgebaut werden. "Ich habe die Hoffnung, dass die Handwerker das in dieser Zeit schaffen", so Müller, spätestens "bis zum Schnee".

© SZ vom 25.09.2020/koei

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