Bürger stellen Pläne vor Zorneding könnte zwei Windräder bekommen

Das Windrad im Brucker Moos (hier aus Sicht von Aßling) ist nun fast zwei Jahre alt und noch weit weg vom Verfall.

(Foto: Christian Endt)

Ein Arbeitskreis will die Energiewende im Ort vorantreiben. Ein möglicher Platz für die Anlagen ist bereits gefunden.

Von Viktoria Spinrad, Zorneding

Am kommenden Sonntag feiert das einzige Windrad im Landkreis Ebersberg seinen zweiten Geburtstag. Viel war um das Projekt im Brucker Moos gestritten worden, mittlerweile sind die anfänglichen Proteste wie vom Winde verweht. Während die Rotorenblätter gemächlich ihre Runden drehen und sich die Kritik auf den geplanten Windpark im Ebersberger Forst verlagert hat, laufen in Zorneding Planungen für ein eigenes Projekt an.

Denn wenn es nach Wolfgang Poschenrieder geht, soll das Windrad in Bruck nicht das einzige im Landkreis Ebersberg bleiben. Im Zornedinger Süden gebe es einzelne Streifen, die mit der Abstandsregelung der Staatsregierung vereinbar seien, erklärte er beim Treffen des Zornedinger Energie-Forums diese Woche. Die Arbeitsgruppe hat sich auf die Fahne geschrieben, die Energiewende im Ort voranzutreiben. "Doch im Forst geht nichts voran", monierte Mitglied Hans-Werner Franke. Derzeit steht hier ein Gutachten aus, das im Laufe des kommenden Jahres erwartet wird.

Verfahren, Anzahl, Träger - während im Zornedinger Arbeitskreis noch viele Details offen sind, ist man sich bei drei Dingen einig. Erstens: Zorneding soll künftig Windkraft produzieren. Zweitens: Das oder die Windräder sollten - wie in Bruck - mit einem genossenschaftlichen Modell realisiert werden. Dabei könnte entweder die Vaterstettener und Zornedinger 3E-Genossenschaft Gelder sammeln. Oder man könnte eine eigene Genossenschaft aufmachen.

Drittens: Der Anschub für die beiden angedachten Windräder soll von den Bürgern kommen. "Am liebsten wäre mir ein Bürgerbegehren", erklärte Poschenrieder. Damit dieses vom Gemeinderat zugelassen würde, bräuchte er die Unterschrift jedes zehnten Zornedingers. In einem anschließenden Bürgerentscheid - zum Beispiel mit einem zusätzlichen Abstimmungszettel bei der Kommunalwahl 2020 - müssten dann 20 Prozent ihr "ja" geben.

Die Geburtshelfer des Windrats in Bruck

Wie man die Windkraft-Revolution von unten plant, davon können Werner Stinauer und Hans Zäuner ein Lied singen. Die beiden sind sozusagen die Geburtshelfer des zwei Jahre alten Genossenschafts-Windrads in Bruck. Ein Projekt, bei dem sie sich zunächst lautem emotionalem Widerstand ausgesetzt sahen. Artenschutz, Lärm, Landschaftsverschandelung, Grundstücksentwertung - die Bedenken-Liste war lang. Zwischen dem fertigen Plan und der Inbetriebnahme vergingen statt der geplanten sechs Monate fünf Jahre.

Dennoch geben sie sich die beiden nun zuversichtlich. "Solange man die Menschen mitbestimmen lässt, wäre es in Zorneding durchaus machbar", sagt Stinauer. Geht es nach den Männern, sprechen die Zahlen für sich: Ihr Windrad bringe drei bis vier Prozent Rendite. Weil die neuen Anlagen inzwischen noch mehr Energie produzieren, wären das noch mehr versorgte Haushalte - und noch ein paar Prozent mehr Rendite.

Grundlage für die beiden südlich der Umfahrung angedachten Windräder sind Karten des Landkreises, die günstige Standorte für Windkraftanlagen sichtbar machen. Also Orte, an denen eine "Verspargelung" der Landschaft möglichst verhindert würde. Darunter fallen auch mehrere Bereiche im ländlichen Süden Zornedings.

Im Januar möchten die Initiatoren ihre Idee Vertretern der Gemeinde vorstellen. Dafür wird der Arbeitskreis Energiewende Zorneding 2030 einberufen. Mit von der Partie sein werden die acht Gemeinderäte des Bauausschusses sowie der Bürgermeister. Als nächsten Schritt sollen Bürger im April in einer Informationsveranstaltung über das Projekt diskutieren können.

Poschenrieder weiß, dass bei solchen Debatten nicht nur Fakten, sondern auch Emotionen eine Rolle spielen. "Viele Leute wollen die Dinger einfach nicht sehen." Trotzdem ist er zuversichtlich, möchte unter den Zornedingern einen Grundkonsens erwirken. Er sagt: "Wenn die Ängste einmal überwunden sind, bleiben wenige, die noch dagegen sind." Er hat sich keine einfache Aufgabe ausgesucht.

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