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Freizeit:Ärger im Wildpark Poing wegen beschränkten Zugangs

Sommerhitze - Tiere im Wildpark Poing

Ein Besuch bei Bären, Hirschen, Ziegen und Co. ist für die Familien im Münchner Umland nicht nur im Sommer eine beliebte Freizeitaktivität. Doch jetzt gibt es Ärger um den Einlass beim Wildpark Poing.

(Foto: Lino Mirgeler/dpa)

Jahreskarteninhaber für den Wildpark Poing durften einen Monat lang nur unter der Woche kommen, nicht aber an den Wochenenden. Das brachte dem Parkeigentümer Kritik ein - zu Unrecht, wie er sagt.

Von Johanna Feckl, Poing

Viele E-Mails sind in den Wochen vor den Sommerferien im Postfach des Wildparks in Poing eingegangen. Viele Beschwerdemails. Der Grund: Nach einer Corona-bedingten Zwangsschließung von neun Wochen konnten die Besitzer und Besitzerinnen einer Jahreskarte für den Wildpark seit der Wiedereröffnung im Mai nur noch von Montag bis Freitag besuchen - anstatt an sieben Tagen die Woche. Das sorgte offenbar für viel Frust.

Bei Parkeigentümer Josef Festl wiederum stießen die zahlreichen Beschwerden auf Unverständnis. "Ich finde das unglaublich!", sagt er auf Nachfrage. Er sei den Behörden und deren Vorgaben verpflichtet, die nur eine beschränkte Besucherzahl erlauben, um das Ansteckungsrisiko mit dem Coronavirus zu minimieren - und den Zutritt der Jahreskartenbesitzer zu limitieren sei ganz in diesem Sinne. "Es geht nichts, was nicht kalkulierbar ist", so Festl. "Da kann ich kein Chaos riskieren!"

Das Problem liegt laut Festl in der Limitierung der Besucher, die täglich in den Wildpark dürfen: Es sei ein enormer logistischer und organisatorischer Aufwand, diese Regelung umzusetzen. Tagestickets können seit der Wiedereröffnung nur noch online erworben werden. Wenn das Kontingent für einen Tag ausgeschöpft ist, dann gibt es eben keine Tickets mehr zu kaufen. So weit, so gut. Was ist aber, wenn dann noch zusätzlich 20 Jahreskartenbesitzer am Eingang zum Wildpark stehen? "Da bräuchten wir ja eine Art Zeitplan, in den sich alle vorab eintragen können", so Festl. Allein dafür müsste er zwei Leute im Büro beschäftigen - schwer denkbar in einer Zeit, in der der Wildpark durch die Zwangsschließung und die beschränkten Besucherzahlen ohnehin bestimmt nicht sein bestes Umsatzjahr einfahren wird.

Viele Besucher zeigten aber auch Verständnis für seinen Entschluss, den Zugang mit einer Dauerkarte zunächst zu beschränken, sagt Festl. Zumal diese Regelung seit den Sommerferien nicht mehr gilt; nun ist wieder ein Besuch von Montag bis Sonntag möglich. Ob das aber auch im Herbst noch so sein wird, steht noch nicht fest. "Ich weiß nicht, was Corona macht", so Festl, "ich bin kein Hellseher." Im Moment jedenfalls ist auch für Jahreskartenbesitzer ein unbeschränkter Zugang möglich. Wie viele von diesen Dauertickets für den Wildpark Poing existieren, darüber gibt Festl keine Auskunft. Nur so viel: Die Besitzer kommen nicht nur aus der Region Ebersberg, sondern auch aus Erding, München und den anderen umliegenden Landkreisen. Der Preis für die Jahreskarten lag bei 55 Euro für Erwachsene und 35 Euro für Kinder.

Zu der Montag-bis-Freitag-Regelung, die vor den Ferien galt, hatte Festl sich entschlossen, weil unter der Woche der Besucherandrang ohnehin nicht groß sei oder zumindest nicht in der Art und Weise, dass es ein Corona-bedingtes Risiko darstellen würde. Jetzt aber, in den Sommerferien, würden Familien mit Jahreskarten nicht mehr hauptsächlich an den Wochenenden in den Park strömen, so Josef Festl. Die Rückkehr zur alten Regelung sei also bedenkenlos.

Andere Regelungen wie die im Wildpark Poing gibt es zum Beispiel beim Tierpark Hellabrunn in München. Dort wurden für Besitzer und Besitzerinnen von Jahreskarten und anderen Dauerkarten ein Kontingent an sogenannten Null-Euro-Tickets eingeführt. So können auch Dauerkartenbesitzer online ein Ticket erwerben, ohne für den Besuch zusätzlich bezahlen zu müssen. Dass Tickets nur noch online herausgegeben werden, dient der besseren Lenkung der Besucherströme, genau wie im Poinger Wildpark.

Wegen der Corona-Pandemie durften zu Beginn der Lockerungen am Tag nur noch 2185 Besucher und Besucherinnen den Tierpark in München besuchen, seit Mitte Juni sind es 4400. Doch auch dieses System ist nicht ohne Tücken und Beschwerden: Bei Einführung waren die Null-Euro-Tickets lange im Voraus ausgebucht, teilweise bis zu vier Wochen. Nicht so die regulären und damit kostenpflichtigen Tagestickets. Unfair, wie viele Dauerkartenbesitzer monierten.

Der Tierpark verteidigte sein Vorgehen mit wirtschaftlichen Gründen. "Nach achtwöchiger Schließung sind wir dringend auf unsere Haupteinnahmequelle angewiesen, um die täglich anfallenden Betriebskosten zu decken", sagte Pressereferentin Lena Pirzer Mitte Mai gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Zu dieser Zeit gab es nach ihrer Auskunft mehr als 70 000 Hellabrunn-Dauerkarten. Würde man das täglich verfügbare Kartenkontingent an deren Inhaber vergeben, dann "hätte das im Sinne unserer Umsatzsituation fatale wirtschaftliche Folgen".

Zurück nach Poing in den Wildpark. "Wir haben im Moment einfach eine besondere Situation", sagt Parkeigentümer Festl. "Wir haben uns bemüht, für alle Besucher das Beste daraus zu machen." In diesem Sinne hat er nun alle bestehenden Jahreskarten um drei Monate verlängert - ein freiwilliges Angebot, wie er betont. Und ein Versuch, die Wochenenden, an denen keine Wildpark-Besuche mit Dauerkarten möglich waren, auszugleichen. Ein ähnliches Entgegenkommen bietet der Tierpark Hellabrunn an: Jahreskarten, die bis zum Stichtag 25. Juni noch gültig waren, können um 55 Tage, also knapp zwei Monate, verlängert werden - die Anzahl der Tage, die der Tierpark geschlossen war.

Doch trotz aller Versuche des Entgegenkommens: Festl erreichten zahlreiche Beschwerden. Für ihn stehen die Vorwürfe aber in keinem Verhältnis zu der Situation, die er bewältigen muss: die Einbußen bei den Einnahmen kompensieren und zugleich alle Regelungen umsetzen. "Wie die andere Seite ausschaut, das interessiert solche Leute immer recht wenig." Er hat sich dazu entschlossen, sein Ticketangebot anzupassen. "Solange Corona ein Thema ist, gibt es sicherlich keine neuen Jahreskarten mehr."

© SZ vom 10.08.2020/koei
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