Bundestagswahl in Ebersberg:Vom Knubbel zum Knochen und wieder zurück

Wahlkreis, Wahklreisreform, 1980

Wenig zufrieden waren die Parteien mit der Wahlkreisreform 1978, wie der SZ-Artikel vom 1. Juli des Jahres zeigt. Nach der nächsten Reform vertrat der Erdinger Max Lehmer ab 2005 auch die Ebersberger im Bundestag.

(Foto: sz)

Der Wahlkreis Ebersberg hat sich in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder verändert und hatte zwischenzeitlich einen spöttischen Beinamen.

Von Wieland Bögel, Ebersberg

Von einer "traurigen Lösung" berichtete die Ebersberger SZ im Juli 1978. Hintergrund war die anstehende Neuordnung der Wahlkreise in Bayern, diese sollten um einen auf dann 45 erhöht werden. In der Folge wurde der seit 1949 bestehende Wahlkreis Ebersberg mit Rosenheim aufgelöst.

Grund war die Einwohnerentwicklung aber auch die Gebietsreform. Bereits 1976 hatte es dadurch zumindest vom Namen her eine Neuerung gegeben: Aus dem Wahlkreis Rosenheim-Aibling-Ebersberg war der Wahlkreis Rosenheim-Ebersberg geworden. Allerdings waren die Aiblinger weiterhin dabei, ihr Landkreis war aber durch die Reform im Landkreis Rosenheim aufgegangen, genau wie etwa der Landkreis Wasserburg. Dadurch war der Landkreis Rosenheim um ein gutes Stück gewachsen, der Zuzug tat ein Übriges, so dass Stadt und Landkreis Rosenheim so viele Einwohner hatten, dass sie von 1980 an einen eigenen Bundestagswahlkreis bildeten.

Der Landkreis Ebersberg wurde mit den etwa gleich großen Landkreisen Mühldorf und Altötting zu einem Wahlkreis zusammengelegt. Aufgrund seiner länglichen Form mit Rundungen an den Enden erhielt der neue Zuschnitt den spöttischen Beinamen "Knochen". Aber es gab auch ernsthaftere Kritik: Während die Verbindung Rosenheim-Ebersberg, die es trotz ihrer rundlicheren Form nie zu einem Beinamen wie etwa Knödel oder Knubbel gebracht hat, irgendwie historisch gewachsen und wenigstens geografisch logisch gewesen sei, sei der Knochen nichts dergleichen und auch den Wählern nicht vermittelbar. Ebenso wenig, so beklagten es unisono Vertreter sämtlicher im Knochen wahlkämpfender Parteien, sei es sehr schwierig, für dieses merkwürdige Gebilde übergreifende Themen zu finden.

Dafür, dass so oft betont wurde, wie unsinnig der Wahlkreis sei, hielt er sich erstaunlich lange. Erst kurz vor der Bundestagswahl 2005 wurde der Knochen aufgelöst. Ebersberg wurde mit dem einwohnermäßig etwa gleich großen Erding zu einem Wahlkreis zusammengefasst, aus dem Knochen wurde wieder ein Knubbel. Grund war erneut die Demografie: Bayern erhielt wegen des Bevölkerungswachstums einen weiteren Wahlkreis. Für die Erdinger brachte diese Zusammenlegung übrigens den Vorteil, dass der gesamte Landkreis nun seitdem im selben Wahlkreis liegt. Bis 2005 hatte der südwestliche Teil zusammen mit dem Landkreis München, der übrige mit Freising und Pfaffenhofen abgestimmt.

© SZ vom 28.08.2021/koei
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