Poinger Unverpackt-Laden:"Wir testen seit Monaten Produkte"

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Poinger Unverpackt-Laden: Es liegt noch einiges an Arbeit vor Marktleiterin Annika Krätschmer und der ersten Vorstandsvorsitzenden Maria Lindner sowie dem gesamten Team, bevor im Juni der Poinger Unverpackt-Laden öffnen kann.

Es liegt noch einiges an Arbeit vor Marktleiterin Annika Krätschmer und der ersten Vorstandsvorsitzenden Maria Lindner sowie dem gesamten Team, bevor im Juni der Poinger Unverpackt-Laden öffnen kann.

(Foto: Privat/oh)

Wo früher ein Sonnenstudio war, soll in Poing demnächst der zweite Unverpackt-Laden im Landkreis Ebersberg öffnen. Maria Lindner und Annika Krätschmer sprechen vorab über den Umbau, ihr Sortiment und wie sie es auswählen.

Interview von Johanna Feckl, Poing

Die Pläne um den Poinger Unverpackt-Laden schreiten voran: Gut ein Jahr nach Gründung der Initiative gibt es nicht mehr nur das Kernteam aus elf Frauen und Männern, sondern um die 45 weitere Unterstützerinnen und Unterstützer, die sich aktiv an der Umsetzung des Projekts beteiligen. Wann öffnet der Laden für Kunden? Wie entscheidet das Team darüber, welche Produkte in ihr Sortiment wandern? Maria Lindner und Marktleiterin Annika Krätschmer, beide 30, geben Antworten.

SZ: Lange war der Laden-Standort ein Geheimnis - können Sie es mittlerweile lüften?

Maria Lindner: Ja. Der Laden wird in die Räume des ehemaligen Sonnenstudios am Marktplatz einziehen - also mitten im Ort. Es ist ein richtig toller Standort: Banken, Arztpraxen, Apotheke, Drogerie, Supermarkt, Bus- und S-Bahnhof, Parkplätze - alles ist in unmittelbarer Nähe.

Annika Krätschmer: Damit bekommt Poing einen neuen zentralen Treffpunkt, denn unser Laden wird auch ein Café beherbergen.

Gab es Kriterien für die Standort-Wahl?

Krätschmer: Tatsächlich war es so, dass wir zu dem Zeitpunkt noch gar nicht richtig gesucht hatten. Die Location kam zu uns.

Lindner: Wir haben uns bei der Gemeinde mit dem Projekt vorgestellt. Dabei kamen wir auf den Standort zu sprechen - und da hieß es: Moment mal, wir wissen da vielleicht etwas, denn die Betreiber vom Sonnenstudio suchen einen Nachmieter.

Krätschmer: Wenig später hatten wir die mündliche Zusage. Das war im vergangenen Herbst. Das Sonnenstudio ist mittlerweile geschlossen, nun wird dort alles zurückgebaut und dann können wir schon bald mit dem Umbau beginnen.

Was muss alles gemacht werden?

Lindner: Der Laden misst 114 Quadratmeter, davon sind 85 Verkaufs- und Caféfläche mit zusätzlichem Außenbereich, der Rest beinhaltet Lager, Küche und Sanitärbereich. Wenn der Rückbau abgeschlossen ist, dann sind nur noch Boden, Heizkörper und eine Toilette vorhanden. Da wartet also eine Menge Arbeit auf uns.

Krätschmer: Das Schöne ist, dass wir bei der Planung ganz tolle Unterstützung von der Architektin Birgit Mayer hatten, und das ehrenamtlich. Es ist wie Schicksal: Jedes Mal, wenn wir spezielle Hilfe benötigen, kommt jemand Passendes um die Ecke und bietet uns genau diese an.

Trotz des noch bevorstehenden Umbauprojekts: Gibt es schon einen Eröffnungstermin?

Lindner: Anfang Juni soll es so weit sein und wir freuen uns schon sehr drauf.

Im vergangenen Jahr gab es eine Umfrage zum Sortiment. Steht mittlerweile fest, welches Angebot in den Regalen stehen wird?

Krätschmer: Die Struktur des Ladens beinhaltet vier Bereiche: Lebensmittel, Alltagshelfer, Hygiene und das Café. Bei Molkereiprodukten gibt es ein tierisches und ein veganes Angebot. Für die Lieferung von Obst und Gemüse arbeiten wir unter anderem mit der Solidarischen Landwirtschaft in Neufarn zusammen, die derzeit genau wie wir im Entstehen ist.

Gibt es bei den anderen Bereichen Besonderheiten?

Krätschmer: In der Hygiene-Abteilung möchten wir Wasch- und Reinigungsmittel im Baukastenprinzip anbieten. Für Allergiker ist das eine tolle Sache oder wer zu Hause sehr kalkiges oder hartes Wasser hat. Beim Selbst-Zusammenstellen lässt sich das optimal berücksichtigen.

Lindner: Wir möchten auch Ratgeber-Bücher im Sortiment aufnehmen, um unserer Kundschaft den plastikreduzierenden Lebensstil näher zu bringen.

Krätschmer: Und unverpackte Kosmetik wird es geben. Hier ist es bislang äußerst schwierig, Produkte zu finden.

Wie wird entschieden, welche Produkte am Ende im Laden stehen?

Krätschmer: Generell ist der Markt für unverpackte Produkte wie eine Frühlingswiese: Ständig sprießen neue Firmen mit neuen Produkten hervor.

Lindner: Davon bieten wir eine gut sortierte Auswahl an. In der Drogerie gibt es sicherlich ein größeres Sortiment. Aber welches von den 20 Deos gut ist, weiß man erst hinterher. Bei uns ist das anders. Wir testen schon seit Monaten Produkte und manchmal kommen wir zum Urteil: Ne, das ist nichts - und dann werden wir es auch nicht anbieten.

Krätschmer: Das gilt übrigens auch für unser Café: Tobias Fuchs, der das Café leiten wird, versorgt uns regelmäßig mit Kostproben - und die Kuchen backt er alle selbst.

Um den Unverpackt-Laden zu finanzieren, haben Sie eine Genossenschaft gegründet. Wie viele Mitglieder zählt sie denn?

Lindner: Aktuell sind wir bei ungefähr 110 Mitgliedern.

Ist das genug?

Lindner: Damit sind wir sehr zufrieden. Trotzdem ist klar: Wir benötigen weitere Unterstützung. Wir können stetig wachsen und je mehr Mitglieder wir jetzt schon haben, desto größer kann unser Angebot zur Eröffnung ausfallen. Mitglieder erhalten spezielle Angebote.

Krätschmer: Wir sind auch jederzeit offen für Sach- und Geldspenden. Außerdem kann man bei uns auch ganz normal einkaufen, selbst wenn man keine Genossenschaftsanteile gekauft hat.

Lindner: Im Moment arbeiten wir auch ein Sponsoring-Konzept für Firmen aus. Wir können uns gut vorstellen, dass einige lokale und regionale Betriebe unsere Idee unterstützen möchten und im Gegenzug erwähnen wir sie dann auf unseren Social-Media-Accounts oder präsentieren das Firmenlogo in unserem Laden.

Vor gut zwei Jahren hat in Zorneding der erste Unverpackt-Laden im Landkreis eröffnet - stehen Sie in Kontakt zueinander?

Krätschmer: Wir haben in der Anfangsphase zusammengearbeitet und einige gute Tipps bekommen.

Lindner: Generell tauschen wir uns mit Unverpackt-Läden in ganz Oberbayern aus.

Krätschmer: Wir werden nicht nur ein weiterer Unverpackt-Laden sein, sondern wir wollen die Sache stärken: Plastik so gut es geht reduzieren. Ein Einzelner schafft da wenig, aber in der Gemeinschaft gelingt Großes.

Wie viel Plastik und Müll wird der Laden verursachen? Ganz ohne geht es ja wohl nicht.

Krätschmer: Richtig, wir können die Ware ja nicht mit der losen Hand holen. Aber wir bestellen in großen Verpackungen, das sind recycelte Papiersäcke oder trenn- und recyclebare Bestandteile. Außerdem arbeiten wir mit einem Unverpackt-Großhändler zusammen, der ein Pfandsystem für Behältnisse ausgearbeitet hat. Und wenn es beim 70 Kilo-Sack Haferflocken Mengenrabatt gibt, wir aber nicht so viel benötigen, dann wird eben mit einem anderen Unverpackt-Laden geteilt.

Gibt es schon einen Namen für den Laden?

Lindner: Wir haben über 100 Vorschläge zugesendet bekommen. Verraten werden wir ihn aber erst bei unserem nächsten Info-Abend. So viel vorab: Der Name ist perfekt für uns.

Online-Infoabend am 15. März von 19.30 bis 21 Uhr. Den Zugangslink gibt es per Newsletter oder am Tag der Veranstaltung auf der Webseite poing-unverpackt.de.

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