Landkreis Ebersberg:"Es bricht viel zu viel weg"

Landkreis Ebersberg: Die Poinger Jugendpflegerin Martina Venus bietet eine Jugendsprechstunde an - vorerst nur telefonisch.

Die Poinger Jugendpflegerin Martina Venus bietet eine Jugendsprechstunde an - vorerst nur telefonisch.

(Foto: Screenshot: Youtube)

Die kommunale Kinder- und Jugendarbeit im Landkreis Ebersberg sieht sich auch im zweiten Lockdown vor neue Herausforderungen gestellt - und setzt auf kreative Konzepte.

Von Tobias Schweitzer, Ebersberg

Ein abwechslungsreiches Ferienprogramm, die traditionellen Ebersberger Kindertheatertage oder bunte Feiern. All das stünde in Zeiten ohne Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen in diesen Wochen im Terminkalender der örtlichen Kinder- und Jugendpfleger im Landkreis Ebersberg. Nun müssen neue Wege gefunden werden, um den Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen nicht abbrechen zu lassen.

In Vaterstetten setzt man auf digitale Angebote. Hier wurde ein digitaler Jugendraum ins Leben gerufen, in dem sich die Jugendlichen freitags von 16 Uhr an in lockerer Atmosphäre treffen und austauschen können. Auch die dort geplante Faschingsparty wurde ins Netz verlegt, Tüten mit Konfetti, Luftschlangen und Bastelanleitungen konnten vorher am Jugendraum abgeholt werden. In Poing startet man an diesem Freitag mit der länger geplanten Jugendsprechstunde Meeting Poin(g)t. Diese kann zwar vorerst nur telefonisch stattfinden, dennoch sei es wichtig, bereits während des Lockdowns einen Beitrag zur Jugendbeteiligung zu leisten, betont Jugendpflegerin Martina Venus aus Poing.

Ähnlich ambitioniert zeigt sich der Kreisjugendring Ebersberg. Als die dort Verantwortlichen merkten, dass die geplanten Workshopwochenenden zum Thema "Rap und Poetry gegen Rassismus und Diskriminierung" nicht in Präsenz stattfinden können, entschieden sie sich für eine digitale Alternative. "Wir wollen einfach Angebote schaffen, es bricht viel zu viel weg", berichtet Leonhard Marz vom Kreisjugendring. Gemeinsam mit 27 Kooperationspartnern versuchen sie derzeit ein möglichst diverses Publikum zur Teilnahme zu motivieren.

Doch auch wenn sich die zuständigen Akteure bei der Entwicklung kreativer Ausweichmöglichkeiten alle Mühe geben, fehlt ein stimmiges Gesamtkonzept. "Für uns gibt es von der Politik keinen Fahrplan", beklagt die Jugendpflegerin Martha Golombek aus Vaterstetten. Dass die Freizeitgestaltung von Kindern und Jugendlichen ein ernst zu nehmendes Thema sei, werde in den Medien mittlerweile zwar vermehrt registriert, dennoch fehlten praktische Konzepte für kommunale Jugendarbeit in Zeiten der Pandemie.

Kerstin Meyer, zuständig für die Koordinierung der kommunalen Jugendarbeit im Landkreis Ebersberg, teilt diese Einschätzung: "Bei sich ständig verändernden Verordnungen und Bestimmungen, Inzidenzzahlen und Regelungen ist die Gestaltung der Jugendarbeit ein schwieriges und dynamisches Unterfangen."

Auch das Thema Homeschooling macht sich in der Arbeit der Jugendpfleger momentan bemerkbar. Erwin Mehl aus Aßling hat durch die parallele Betreuung von Jugendpflege und Jugendsozialarbeit die Möglichkeit, Kontakt zu all jenen zu halten, die bereits vor der digitalen Umstellung Probleme beim Lernen hatten. Als besonders dramatisch schätzt er die Lage der Klassenstufen eins bis vier ein, die Älteren würden sich besser mit der neuen Situation arrangieren.

In Markt Schwaben hat man auf die Schwierigkeiten, die das Homeschooling für viele Kinder und Jugendliche darstellt, mit der Öffnung des Jugendzentrums reagiert. Seit vergangener Woche gibt es die Möglichkeit auf die dortigen Räumlichkeiten auszuweichen, sollte einem das Arbeiten in den heimischen vier Wänden zu viel werden. Insgesamt stehen dort fünf Räume mit Internetanschluss und Druckmöglichkeiten zur Verfügung, die nach Anmeldung nachmittags zwischen 13 und 16 Uhr genutzt werden können.

Perspektivisch planen die meisten Gemeinden mit einer schrittweisen Rückkehr zur Normalität und der Durchführung kleinerer Projekte, sobald sich die Lockerungsmaßnahmen in den Schulen bewährt und verstetigt haben. Dann soll es aber nicht nur um Bespaßung, sondern auch um die gemeinsame Aufarbeitung der vergangenen Monate gehen, so Erwin Mehl.

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