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Premiere:Komödienstadel erstmals zu Gast in Ebersberg

Das Aushängeschild des Bayerischen Fernsehens kommt in den Alten Speicher. Es wirken viele bekannte Gesichter vom Nockherberg-Singspiel mit.

Von Karin Pill

Freitagabend in Ebersberg. In der mäßig besuchten Fußgängerzone fällt sofort auf: Viele Männer und Frauen haben sich fein herausgeputzt, tragen Dirndl und Lederhosen. Auch die großen Lastwagen mit der Aufschrift "BR" sind nicht zu übersehen. Grund für diese besondere Stimmung ist, dass der "Komödienstadel" für das Bayerische Fernsehen im Alten Speicher aufgezeichnet wird. Der Komödienstadel, Inbegriff bayerischen Volkstheaters - das erste Mal zu Gast in Ebersberg!

Es gibt wohl kaum jemanden in Bayern, der noch nie vom Komödienstadel gehört hat. Bereits seit 1959 bringt das Bayerische Fernsehen professionelles Volkstheater von der großen Bühne in die heimischen Wohnzimmer. Am Wochenende kann man sich im Alten Speicher ein Bild davon machen, wie so eine Fernsehaufzeichnung eigentlich vonstatten geht. "Nix geht mehr" heißt das neueste Stück des Komödienstadels, das dort Premiere feiert.

Die Schauspieler stehen dabei unter besonderer Anspannung, denn für eine Aufzeichnung darf freilich "nix" schiefgehen. Doch darin sind diese Mitwirkenden geübt, zum ersten Mal in der Komödienstadel-Geschichte stellen lauter Darstellerinnen und Darsteller der Nockherberg-Singspiele das Ensemble. Die Zuschauer erleben also viele bekannte Gesichter, darunter das Horst Seehofer-Double Christoph Zrenner, Uli Bauer, bekannt als Christian Ude, Florian Fischer, das Double von Hubert Aiwanger, Sina Reiß alias Katharina Schulze, Wowo Habdank, der Anton Hofreiter mimte, Nikola Norgauer, die bereits als Andrea Nahles und Natascha Kohnen zu sehen war, sowie Franziska Janetzko, die 2010 neben Luise Kinseher und Helmut Schleich als Jurymitglied fungierte.

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Lauter Profis auf der Ebersberger Bühne! Welch Ironie, dass sie ausgerechnet die Geschichte einer Laientheatergruppe spielen, deren Premiere komplett schief geht. "Nix geht mehr" - nach der Komödie "No Way Out" von Ex-Valtorta-Mitglied Alexander Liegl und Regisseurin Gabi Rothmüller - ist ein Stück im Stück, wie es schräger kaum sein kann: Die ambitionierte "Mandeldorfer Theatergruppe" will ein Wildererstück auf die Bühne bringen, dessen bisherige Inszenierungen von mysteriösen Todesfällen überschattet waren - manche sagen sogar, es läge ein Fluch auf dem Stück. Und auch in Mandeldorf geschehen seltsame Dinge auf und hinter der Bühne: Darsteller verschwinden, man findet einen abgeschnittenen Finger und blutverschmierte Kleidung, Requisiten werden plötzlich zu tödlichen Waffen. Doch die quirligen, chaotischen und leidenschaftlichen Mandeldorfer lassen sich nicht entmutigen und versuchen, das Beste aus dem Schlamassel zu machen, bis auch sie die Bedrohung nicht mehr ignorieren können - und einfach nix mehr geht...

Die Nockherberg-Doubles verkörpern dabei jeweils eine Doppelrolle: die der Mandeldorfer und deren Figuren aus dem Theaterstück. Was sich ein wenig kompliziert anhört, wird von den Profis jedoch so überzeugend gespielt, dass jegliche Verwirrung sogleich verfliegt. Wie man es vom Komödienstadel gewohnt ist, erleben die Zuschauer in Ebersberg außerdem ein Bühnenbild mit viel Liebe zum Detail: Die Szenerie zeigt ein uriges Wirtshaus - Hirschgeweihe an den Wänden und prasselndes Feuer im Kamin inklusive.

Doch die heimelige Stimmung, die im Wirtshaus herrscht, kann im Parkett Corona-bedingt freilich nicht ganz aufkommen. Nur 60 statt normalerweise 400 Zuschauer dürfen der Komödienstadl-Premiere beiwohnen, sie sitzen großflächig verteilt im Saal, jeweils maximal zwei Hausstände an einem Tisch. Und auch das Produktionsteam ist nicht unberührt von Corona-Maßnahmen: Wie Produzent Julian Weber erzählt, wurden die Schauspieler regelmäßig auf Covid-19 getestet und befanden sich in "Teilquarantäne" mit stark eingeschränkten privaten Kontakten. Überdies tragen alle Crewmitglieder hinter der Bühne eine FFP2-Maske, "sodass unsere Schauspieler bestmöglich geschützt sind", so Weber.

Dass der Alte Speicher nicht ganz so voll ist wie üblich, bietet die Gelegenheit, die Profis rund um die Bühne genau zu beobachten. Hier wuselt es von Fachleuten: Fünf Kameras filmen das Geschehen, Visagistinnen, Tonmeister und Koordinatoren stehen während der gesamten Aufzeichnung am Rand und überwachen alles ganz genau. Zu Beginn der Aufführung betritt außerdem Regisseur Thomas Stammberger die Bühne. Auch für ihn ist es ein großer Moment, probten er und sein Team doch vier Wochen lang, bis zur Uraufführung in Ebersberg alle Szenen saßen. Er bittet die Zuschauer um Geduld, falls eine Szene einmal - etwa wegen technischer Probleme - wiederholt werden müsse. Während des Stücks ist Stammberger dann immer mal wieder aus dem Off zu hören: Er sitzt in einem der großen Lastwagen und beobachtet das Geschehen über mehrere Bildschirme. Tatsächlich gibt es das ein oder andere Tonproblem, doch davon lassen sich die Zuschauer in Ebersberg nicht die Freude nehmen. Sie genießen sichtlich, dass endlich einmal wieder live derbe bayerische Witze zu hören sind.

Für das Veranstaltungsteam des Alten Speichers ist diese Premiere des Komödienstadels freilich ebenfalls einigermaßen aufregend: Bereits eine Woche zuvor hatten die Aufbauarbeiten begonnen. Die Bühne musste vergrößert werden und die Lichteinstellung entsprechend angepasst. Das ganze dauerte zwei Tage, dann begannen die Proben auf der Bühne. "Das Ganze ist schon aufwendiger als bei anderen Theaterinszenierungen", sagt Markus Bachmeier, Geschäftsführer des Vereins "Altes Kino Ebersberg", der auch den Alten Speicher betreibt.

Umso bedauerlicher findet es der Ebersberger Bühnenchef, dass kurzfristig alle Karten, die für den Komödienstadel im freien Verkauf waren, wegen der steigenden Infektionszahlen zurückgegeben werden mussten. Um auf Nummer sicher zu gehen, waren als Gäste dann nur mehr Familienmitglieder und Bekannte der BR-Crew eingeladen. Zudem hätte der Komödienstadel, so wie er geplant war, endlich einmal wieder Leben nach Ebersberg gebracht: Um das Theaterstück herum gebe es normalerweise Meet-&-Greet-Termine oder Interviews mit Schauspielern und dem Regisseur, so Bachmeier. Doch natürlich sei das alles weggefallen. "Es ist schon schade, dass das alles nun Corona-bedingt doch so klein ausfällt. Schließlich ist der Komödienstadel das Aushängeschild des Bayerischen Rundfunks und deshalb auch für uns etwas ganz Großes", bedauert er.

Trotzdem freut Markus Bachmeier sich sehr, dass der Komödienstadel nun erstmals im Alten Speicher gastiert. Fest steht: "Nix geht mehr" ist ein fröhlicher und gelungener Theaterabend, den alle Ebersberger demnächst ganz bequem im Fernsehen genießen können: Bereits am Sonntag, 15. November, um 20.15 Uhr strahlt der BR die Aufzeichnung aus, und dann ist die Sendung auch in der Mediathek verfügbar.

© SZ vom 26.10.2020

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