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Blumen für den Artenschutz:Nachfrage nach insektenfreundlichen Pflanzen wächst

Mit kleinen Schildern weisen die Gartenbetriebe im Landkreis auf besonders bienenfreundliche Pflanzen hin. Das kommt bei den Kunden gut an.

(Foto: Christian Endt)

In den Gärtnereien im Landkreis kaufen immer mehr Kunden gezielt solche Produkte, die Bienen und Co besonders gerne mögen.

Sebastian Weber zeigt auf eine blauviolette Pflanze, den "Frechen Michel". Vor ihr prangt das stolze Schild "Pflanze des Jahres 2019" und noch ein weiteres Schildchen ragt zwischen ihren Blüten hervor: "SCHÖN für euch, GUT für uns!" steht da, die Sprecher: eine Biene und ein bunter Schmetterling. Es ist ein Etikett, das sich auch an anderen Pflanzen in Webers Gärtnerei "1A Garten Weber" in Ebersberg wiederfindet - und das nicht ohne Grund: Insektenfreundliche Pflanzen sind bei ihm genau wie bei anderen Gärtnereien und Gartengestaltungsbetrieben im Landkreis gefragter denn je.

"Der Bienen- und Insektenpflanzenhype ist dieses Jahr extrem", sagt Weber, der sich das gestiegene Interesse seiner Kunden auch durch die mediale Aufmerksamkeit für das Thema erklärt. Seine Kunden würden direkt auf ihn zukommen und fragen: "Was ist insektenfreundlich? Was ist für Bienen als Futter geeignet?" Auch Bienen und Insektenhotels würden vermehrt gekauft, berichtet der Chef der Gärtnerei. Ob er sein Angebot der wachsenden Nachfrage nach Insektenfreundlichkeit angepasst habe? Weber wägt ab: "Insektenfreundliche Produkte hatten wir schon immer", aber sie hätten schon geschaut, dass sie besonders bienenfreundliche Pflanzen mit kleinen Schildern explizit als solche kennzeichnen.

Nicht das Angebot, sondern das Einkaufsverhalten hat sich geändert

Dass sich in erster Linie die Nachfrage und nicht das Angebot verändert habe, berichtet auch Sarah Katharina Pick, die in dem Vaterstettener Gartenbau- und Gartengestaltungsbetrieb "Kunst und Garten" ihrer Familie tätig ist: Ihr Vater habe den Fokus eigentlich schon immer auf sehr naturnahe Gärten gelegt, aber das Einkaufsverhalten der Kunden habe sich verändert: "Generell sind die Bienen viel mehr im Gespräch. Vor zehn Jahren war das komplett anders." Kommen Kunden gezielt wegen Insektenfreundlichkeit auf den Gartengestaltungsbetrieb zu, so würden sie ihnen zu Stauden und Insektenhotels raten, "dass man auch Natursteinmäuerchen macht, wo sich die Tiere zurückziehen können, und dass man nicht überall Rollrasen mit einem Roboter hat, der alles kaputt macht".

Grundsätzlich müsse man darauf achten, dass viel Diversität im Garten ist, erklärt Pick, die mit ihrem Familienbetrieb auf der diesjährigen Messe "Garten München" auch einen kleinen Bereich über Bienenfreundlichkeit im Garten ausgestellt hatte. "Daraufhin haben sich etwa zehn Prozent der Nachfragen speziell auf Bienen bezogen", erzählt die Gartenplanerin.

Besonders mehrjährige Pflanzen sind derzeit beliebt

Genau wie Pick und Weber spürt auch Nele Köstler, die Chefin der "Gärtnerei Köstler" in Grafing, dass ihre Kunden mehr insektenfreundliche Produkte kaufen. In ihrer organischen Gärtnerei, in der viele Kulturen selbst produziert werden, komme die Kundschaft sowieso aus Liebe zum Garten und zur Natur, sagt Köstler: "Aber auch hier ist seit dem letzten Jahr eine Bewusstseinsveränderung spürbar." Besonders mehrjährige Pflanzen wie Stauden seien beliebt, denn für Bienen sei es wichtig, dass sie an möglichst vielen Tagen Nahrung bekommen. Ein wichtiger Service, mit denen auch eine andere Pflanze frohlockt.

Der "freche Michel" wurde im Jahr des erfolgreichsten Volksbegehrens der bayerischen Geschichte "Rettet die Bienen!" nicht umsonst zur bayerischen Pflanze des Jahres gewählt: Er ist als Bienenschwarm ausgewiesen, denn er blüht schon ab Ende April - deutlich früher als so manch andere Sommerblume. Wird er wöchentlich gedüngt oder bei der Pflanzung mit Langzeitdüngern versorgt, so dient er Bienen bis zum ersten Frost als Anlaufstelle bei ihrer Nahrungssuche.

Und fast so als wolle sie dafür ihre Dankbarkeit demonstrieren, lässt sich just in dem Moment, als Sebastian Weber die Pflanze in seiner Ebersberger Gärtnerei vorstellt, eine Biene auf deren blauvioletten Blüten nieder.

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