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Datendiebstahl:"Man merkt, nichts ist wirklich sicher"

Andreas Lenz; Andreas Lenz

Der CSU-Politiker aus Ebersberg, Andreas Lenz, 37, fand nach dem Leak plötzlich seine Privatadresse im Netz.

(Foto: Privat)

Auch der CSU-Bundestagsabgeordnete Andreas Lenz ist vom Cyberangriff betroffen. Nicht mal vor seinem verstorbenen Kollegen machten die Hacker Halt.

Vom deutschlandweiten Hackerangriff betroffen ist auch der CSU-Bundestagsabgeordnete aus Ebersberg, Andreas Lenz. Vergangene Woche war bekannt geworden, dass mutmaßlich ein oder mehrere Hacker bei Twitter Links zu privaten Daten Hunderter Politiker und Prominenter veröffentlicht hatten. Warum Lenz seine Handynummer trotzdem nicht ändern will und seine Konten bei Facebook und Twitter zumindest vorerst behält, erklärt er im Gespräch mit der SZ.

SZ: Herr Lenz, wann haben Sie davon erfahren, dass Sie auch vom Hackerangriff betroffen sind?

Das war auf der CSU-Klausur in Seeon am Freitagvormittag. Da habe ich es von einem Journalisten erfahren, später wurden wir von der CSU-Landesgruppe informiert.

Was genau wurde von Ihnen über den Twitteraccount @_Orbit verbreitet? Meine Handynummer und meine Privatadresse. Ich habe eine Kopie der Internetseite gesehen, die von dem Account stammt, selbst bin ich aber nicht auf diese Seite gegangen.

Wie haben Sie reagiert?

Man hat natürlich kein gutes Gefühl. Man merkt, nichts ist wirklich sicher und man weiß nie genau, welche Daten Hacker noch von einem gesammelt haben könnten. Und wie lange das wohl schon ging. Ein Indiz dafür, dass es schon sehr lange geht, ist, dass auch der SPD-Kollege aus Ebersberg, Ewald Schurer, der leider 2017 verstorben ist, im Leak auftaucht.

Haben Sie einen Verdacht, wie der mutmaßliche Hacker an Ihre Daten kam?

Ehrlich gesagt stelle ich mir diese Frage auch. Und: Welche Passwörter waren vielleicht nicht sicher? Aber meine Handynummer kann man wahrscheinlich relativ einfach im Internet finden, wenn man ein bisschen googelt, das ist keine Hexerei. Die Handynummer werde ich nicht ändern. Bei der Privatadresse ist es ähnlich. Wie die Hacker an diese Daten gekommen sind, weiß ich allerdings nicht.

Was haben Sie nach dem Leak unternommen?

Ich habe meine persönlichen Passwörter geändert, aber auch die im Bundestagsbüro. Privat macht man das aus Bequemlichkeit sicher zu selten und eigentlich weiß man ja, dass man auch Sonderzeichen und Klein- und Großschreibung verwenden soll und da achte ich auch drauf. Ich könnte mir vorstellen, jetzt eine Erinnerung in den Kalender zu schreiben, um regelmäßig das Passwort zu ändern. Aber im Moment ist ja noch nicht klar, wie die Hacker sich Zugang verschafft haben.

Auch von Ihrem Grünen-Bundestagskollegen Robert Habeck wurden private Daten geleakt. Unter anderem deswegen will er nun seine Konten bei Twitter und Facebook löschen. Halten Sie Habecks Schritt für angemessen?

Ich finde, das kommt auf die Art der Betroffenheit an. Bei Robert Habeck wurden ja auch private Nachrichten gehackt, die er über soziale Medien verschickt hat. Das ist dem Anschein nach was anderes als bei mir. Deswegen kommt das für mich im Moment nicht infrage, aber denkbar wäre es. Ich denke nur, es bringt eigentlich nichts, jetzt seine Konten zu löschen, denn die Daten sind ja nun mal im Netz. Was passiert ist, kann man jetzt auch nicht ungeschehen machen. Aber das muss letztlich jeder für sich beurteilen. Wir brauchen aber sicher noch mehr Bewusstsein für das Thema Datensicherheit. Es gibt täglich Tausende Hackerangriffe - auf die deutsche Industrie, auf Unternehmen zum Beispiel. In vielen Fällen unbemerkt. Da findet überhaupt keine Aufklärung statt.

Was muss die Politik jetzt tun?

Eigentlich haben wir gesetzliche Grundlagen, um Täter zu bestrafen. Aber jetzt sollten wir abwarten, wie die Sicherheitsbehörden und der Innenminister sich in dieser Woche zu der Ermittlung äußern und dann Maßnahmen daraus ableiten. Aber das Problem Cybersicherheit ist da. Man muss sich nur mal die Kriminalstatistik im Landkreis Ebersberg ansehen: Da steigt die Internetkriminalität am stärksten. Klar ist aber auch: Es wird immer einen Wettlauf der Datensicherheit gegen die kriminelle Energie der Hacker geben.

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