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Explosion der Sanierungskosten:Die Liste der Probleme ist lang

Der Ball liegt jetzt beim Wissenschaftsminister oder womöglich beim Ministerpräsidenten - sie müssen entscheiden, wie viel das Projekt dem Freistaat wert ist. Markus Söder hatte durchgesetzt, dass das Deutsche Museum während seiner heiklen Sanierungsphase auch noch eine Dependance in seiner Heimatstadt Nürnberg stemmen muss.

Da könne er das Stammhaus wohl kaum im Stich lassen, heißt es in München. "Das Wissenschaftsministerium hat ein sehr großes Interesse, das Deutsche Museum bei seinen Sanierungsmaßnahmen zu unterstützen", lässt Minister Sibler mitteilen. "Das hervorragend evaluierte Museum genießt als Forschungsmuseum weit über den Freistaat hinaus große Sichtbarkeit und weist die höchsten Besucherzahlen auf." Er verhandle mit dem Bund über die weitere Finanzierung. Allerdings betont der Minister, das Museum sei rechtlich eigenständig, die Sanierung sei keine staatliche Baumaßnahme, die Verantwortung dafür liege beim Museum.

Gründe für die Kostenexplosion gibt es viele. Alle Bauherren wissen, dass die Sanierung eines denkmalgeschützten Gebäudes Risiken beinhaltet, wie der Landtagsabgeordnete Robert Brannekämper (CSU) sagt, der selbst Architekt ist. Doch diese Baustelle ist in ihrer Komplexität einzigartig. Denn seit dem Zweiten Weltkrieg sind die denkmalgeschützten Gebäude kaum je ertüchtigt worden. Mit Überraschungen jeder Art war also zu rechnen. Dennoch ging Dieter Lang von der Museumsleitung lange davon aus, dass die eingeplanten Puffer reichen würden.

Wolfgang Heckl besichtigt Baustelle im Deutschen Museum in München, 2018

Auf der Baustelle (hier im Juli 2018) führt Museumschef Wolfgang Heckl gerne die Fortschritte vor. Die absehbare Kostenexplosion begründet er nur mit dem "freien Spiel der Märkte".

(Foto: Stephan Rumpf)

Doch dann traten eben doch kleinere oder größere Katastrophen auf: Asbest in den Wänden, maroder Stahl im Beton - obwohl man zuvor mehr als 1000 Probebohrungen gemacht hatte. Immer wieder bereiten den Planern auch Änderungen im Baurecht Ärger: "Allein die Änderung einer DIN-Norm kann uns ein paar Millionen kosten", sagte Lang bei einem Baustellenrundgang im vorigen Jahr. Und jedes Mal hängt ein Bataillon von Handwerkern von einer solchen Entscheidung ab. Überhaupt Handwerker zu finden, sei schwer geworden wie nie, sagt Lang. "Auf unsere Ausschreibungen meldet sich manchmal überhaupt keiner mehr." Oder es kämen exorbitant teure Angebote. Insgesamt seien die Baukosten seit Beginn der Sanierung explodiert.

Einige Probleme waren wohl auch hausgemacht, wie fehlende Koordination und immer wieder neue Zuständigkeiten. Inzwischen beklagen Subunternehmer, dass es zu Unstimmigkeiten bei der Bezahlung gekommen sei; manche sprechen von Chaos auf der Baustelle. Zweimal wurden bereits die externen Projektsteuerer gewechselt. Intern wurden Dutzende neuer Stellen geschaffen, die an Schnittstellen zwischen Bauleitung, Umzugsplanern, Sammlungsmanagern und Kuratoren arbeiten - das bringt beim Personal viel Unruhe und Reibungsverluste mit sich.

Trotzdem sprach Museumschef Heckl stets davon, man werde mit den 450 Millionen Euro auskommen, um zumindest das Ausstellungsgebäude zu erneuern. Seine ursprüngliche Vision, die ganze Museumsinsel zu sanieren, hatte er da schon längst aufgegeben. Immer wieder erzählte er aber die Erfolgsstory vom Baufortschritt, von den tollen, neuen Ausstellungen, die man derzeit konzipiere, von gestiegenen Besucherzahlen trotz Sanierung. Vor der Landtagswahl im vergangenen Herbst wollte er wohl nicht mit der Wahrheit herausrücken. Die jetzt veröffentlichten Fakten kommentierte er so: "Leider sind auch wir dem freien Spiel der Märkte ausgesetzt." Er hoffe, dass es bald feste Zusagen für die zusätzlich benötigten Mittel von Land und Bund gebe.

Der erste Sanierungsabschnitt sollte eigentlich 2019 fertig sein, das Datum wurde bereits um ein Jahr verschoben. Am Ende des zweiten Abschnitts sollte 2025 eine grandiose Eröffnungsfeier stattfinden. Dieser Traum ist wohl zerplatzt. Stattdessen kommen aus dem Museum immer wieder werbewirksame Ideen, um die Öffentlichkeit bei Laune zu halten. Zuletzt war dies eine transparente Kunststofffassade aus dem 3-D-Drucker. Die soll allerdings durch Spender finanziert werden, heißt es.

Deutsches Museum Kluge Köpfe, viele Knöpfe

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