Explosion der Sanierungskosten Die Wiedereröffnung des Deutschen Museums steht auf der Kippe

In den Rohbau-Zustand versetzt: Auf 35 000 Quadratmetern blieb im Deutschen Museum kaum ein Stein auf dem anderen.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Die Sanierung des Deutschen Museums ist eines der größten Bauprojekte in München.
  • 450 Millionen Euro sollte sie kosten, aus diversen Gründen werden es nun wohl mindestens 600 Millionen Euro.
  • Der Freistaat Bayern verhandelt mit der Bundesregierung über die Finanzierung. Das Museum ist jedoch rechtlich eigenständig und die Sanierung deshalb keine staatliche Aufgabe.
Von Martina Scherf

Das Jahrhundertprojekt Sanierung des Deutschen Museums steht auf der Kippe. Wenn Bund und Land nicht erheblich mehr Geld investieren, dann wird aus der Geburtstagsfeier eines der größten Technikmuseen der Welt wohl eher eine Trauerveranstaltung werden. 2025 wird das denkmalgeschützte Ensemble auf der Museumsinsel 100 Jahre alt. Doch es könnte auch als Planungsdesaster in die Geschichte eingehen. Denn die Finanzierung ist aus dem Ruder gelaufen. Und entgegen aller öffentlicher Beteuerungen ist auch der Wiedereröffnungstermin gefährdet.

Noch vor wenigen Tagen machte sich Bayerns neuer Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) selbst ein Bild von der "Baustelle der Superlative". Generaldirektor Wolfgang Heckl und Dieter Lang, der den Umbau des Museums verantwortet, führten Sibler durchs Museum, das in Teilen einem Rohbau gleicht. Während vorne der Besucherbetrieb weiter läuft, sind im hinteren Bereich bis zu 400 Arbeiter gleichzeitig tätig. Auf etwa 35 000 Quadratmetern blieb kaum ein Stein auf dem anderen.

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Bei der Besichtigung mit dabei war Finanzminister Albert Füracker (CSU) - und der dürfte wohl nicht nur der Erfolgsstory gelauscht, sondern vor allem die Millionen gesehen haben, die sich im Kostenplan auftürmen. Um ein Drittel, nämlich um 150 Millionen Euro, teurer als geplant wird nach derzeitiger Schätzung die Sanierung, wie am Mittwoch bekannt wurde. Sie dürfte statt der eingeplanten 450 Millionen Euro etwa 600 Millionen kosten. Und das ist wohl noch nicht das Ende der Fahnenstange, vermuten Insider.

Aus dem dritten Quartalsbericht, den die externen Controller dem Wissenschaftsminister im Oktober 2018 vorlegten, geht die Dramatik der Entwicklung hervor. So bewilligte das Ministerium bereits Ende 2017, dass Geld, das eigentlich für den zweiten Bauabschnitt vorgesehen war, bereits jetzt verplant wird. So ging es im Jahr 2018 weiter, damit das Museum überhaupt "handlungsfähig" war. Mittlerweile seien zudem alle Risikopuffer aufgebraucht. Die Planung für Abschnitt zwei müsse jetzt überarbeitet werden, heißt es in dem Bericht, der der SZ vorliegt. Eine genaue Kalkulation sei deshalb zurzeit nicht möglich. Aber eine Budgetüberschreitung sei "unausweichlich". Und: "Es besteht dringender Handlungsbedarf."

Drei Szenarien hat die Museumsleitung demnach formuliert. Entweder man bleibt beim ursprünglichen Plan, und der Staat gibt die notwendigen zusätzlichen Mittel frei. Oder man baut, bis das Geld ausgeht, und nimmt in Kauf, dass das Museum am Ende halbfertig dasteht. Oder aber man begnügt sich damit, im Abschnitt zwei nur die dringend notwendigen technischen Maßnahmen zu realisieren. Die Varianten zwei und drei würden aber bedeuten: Die Hälfte des Museums dürfte nicht mehr betreten werden, solange der Brandschutz nicht auf dem neuesten Stand ist. Und das ist bei einem Gebäude dieses Alters und Ausmaßes eine teure Maßnahme.