Deutsches Museum Dieses Teleskop ermöglicht Hobbyastronomen einen weiten Blick ins Universum

Ein Ort der Stille: Marco Sproviero, Josef Brandmeier und Barbara Sproviero von der Beobachtergruppe in der Sternwarte des Deutschen Museums.

(Foto: Florian Peljak)

Seit 20 Jahren trifft sich eine Beobachtergruppe in der Sternwarte am Deutschen Museum. Mit dem Teleskop aus dem Jahr 1913 suchen sie nach Sternhaufen und Galaxien.

Von Katharina Melzner

Insgesamt 210 Stufen und vier Stockwerke lang ist der Weg dorthin, "wo man runterkommt, obwohl man raufschaut". So beschreibt Marco Sproviero, Vorsitzender der Beobachtergruppe der Sternwarte des Deutschen Museums, den Blick ins All aus dem Herzen der Landeshauptstadt. Für Interessierte, die an den wöchentlich zwei Mal stattfindenden Abendführungen teilnehmen, beginnt das Abenteuer am Schiff im Innenhof des Museums, das von der Isar umgeben ist.

Bereits am Weg durch den Sockel des Oststernwarten-Turms, der Bestandteil des Bergwerks ist, wird es spannend. Die Wendeltreppe führt am Stamm eines 290 Millionen Jahre alten Schuppenbaums vorbei. "Zum wievielten Mal ich gerade hier hochlaufe, kann ich nicht sagen", gesteht Sproviero beim Aufstieg auf das Observatorium. "Bestimmt liegt die Zahl gut im dreistelligen Bereich." Im Vorraum der Sternwarte ist es deutlich kühler als im Treppenhaus. "Wenn man hier heizen würde, würden Turbulenzen in der Luft entstehen, die die Aussicht stören", erklärt Sproviero. Auch die Lichtverschmutzung und das Wetter entscheiden, ob und wie gut sich Himmelskörper durch das Teleskop beobachten lassen.

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Den plötzlichen Temperaturwechsel entschädigt ein atemberaubender Blick auf Münchens nächtliche Skyline. Betritt man den französischen Balkon mit wirklich winzigem Austritt, sieht man unter anderem die Allianz-Arena, die Ludwigskirche, den Friedensengel und das Maximilianeum. Im Süden können Gäste bei klarem Himmel sogar bis zur Zugspitze blicken.

Zwei gegenüberliegende kleine Holztreppen, die jeden Schritt mit einem leisen Knarzen erwidern, führen schließlich ins Herzstück der Münchner Sterneschauer, in die Kuppel der Warte. In dem mit Holz verkleidetem Gewölbe über den Dächern der Stadt ist es mucksmäuschenstill. Doch spätestens dann, wenn Sproviero mit einem mechanischen Rad den Spalt der Kuppel öffnet und das weiße Spiegelteleskop seine Ausrichtung anpasst, wird die Ruhe gestört. "Klingt nach alter Eisenbahn", sagt der 45-jährige Hobbyastronom.

Die Faszination für die Rätsel des Nachthimmels, die Sproviero als Keim seiner Begeisterung für die Astronomie bezeichnet, versteht man schon vor dem Blick durch das Teleskop. Durch die Abgeschiedenheit der Warte und fernab des städtischen Trubels fühlt man sich dem Himmel ganz nah. Aus dem tiefen Nachtblau, das hinter dem Kuppelspalt zum Vorschein kommt, treten zwei Sterne hervor. Ohne konkurrierende Leuchtreklame leuchten sie hell.

Die Mitglieder sind mit Herzblut dabei

Mit dem Teleskop aus dem Jahr 1913, das 2009 elektrifiziert wurde und so die Suche nach Sternhaufen oder Galaxien erleichtert, können die Hobbyastronomen Milliarden Lichtjahre weit in die Vergangenheit blicken. "Und fast bis ans Ende des Universums", erklärt Sproviero. 14 Mitglieder hat seine Beobachtergruppe, und alle sind mit Herzblut dabei.

Die Himmelsbeobachtung ist eines der Highlights des Deutschen Museums. "Natürlich haben wir auch die großen Himmelsereignisse im Blick", berichtet der Vereinsvorsitzende. Die totale Mondfinsternis Ende Juli lockten beispielsweise mehrere Tausend Besucher auf die Museumsinsel. Ohne die ehrenamtlichen Vereinsmitglieder, die regelmäßig ihre Freizeit opfern und Interessierten immer wieder fachkundig die Sterne erklären, gäbe es das Angebot vermutlich nicht. An diesem Samstag feiert die Beobachtergruppe der Sternwarte nun ihr 20-jähriges Bestehen. "Mit eigenem Personal konnte das Museum im Jahr 1998 die Sternwarte nachts nicht betreiben. Deshalb entstand der Gedanke, den Betrieb in die Hände einer Gruppe Ehrenamtlicher zu legen", erzählt Sproviero. Am 26. Oktober 1998 fand die Gründungssitzung der Beobachtergruppe statt, am 19. November folgte die Unterzeichnung des Vertrags zwischen Verein und Museum.

Das Ausmaß der Begeisterung für die Astronomie wird deutlich, wenn man Josef Brandmeier trifft. Der mit 23 Jahren jüngste Hobbyastronom in der Gruppe hat sich in der Kuppel schon Nächte um die Ohren geschlagen, um mit einer speziellen Kamera möglichst gelungene Aufnahmen vom Nachthimmel zu machen. So ist es wenig überraschend, dass Bilder von bunten Nebeln, Planeten und fernen Galaxien die Bildergalerie auf seinem Smartphone zu finden sind. Das Doppelsternsystem "Albireo" ist das erste Objekt, wonach Sproviero und Brandmeier suchen. Wo sie hinwollen, wissen sie ganz genau, doch der Weltraum ist groß. Deshalb unterstützt sie bei der Suche ein Computerprogramm, eine Art Navi für das All.

Ein rötlicher und ein bläulicher auslaufender Kreis sind beim Blick durch das Okular erkennbar. "Die Sterne scheinen aus unserem Blickwinkel dicht nebeneinander zu stehen, liegen tatsächlich aber Lichtjahre auseinander", erklärt Sproviero. Ein Kugelsternhaufen, der durch das Teleskop wie ein gräulicher, konzentrierter Kreis aus unendlich vielen Punkten aussieht, der Mars sowie ein Ringnebel, der Überrest eines Sternes, folgen. Der Friedensengel ist das letzte Motiv, das das Teleskop an diesem Abend fokussiert, bevor sich der Spalt der Kuppel quietschend schließt und die Stille zurückkehrt.

Die nächste Führung findet am 27. November um 20 Uhr statt.

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