Kunst:Eine Welt für besondere Typen

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Kunst: Das Redaktionsteam des Grafikmagazins: Christian Meier, Christine Moosmann, Sonja Pham und Tobias Holzmann (von links).

Das Redaktionsteam des Grafikmagazins: Christian Meier, Christine Moosmann, Sonja Pham und Tobias Holzmann (von links).

(Foto: Sophie Wanninger)

Seit einem Jahr gibt es das Münchner "Grafikmagazin", das aus der Zeitschrift "Novum" hervorgegangen ist. In der aktuellen Ausgabe geht es um Informations-Design.

Von Jürgen Moises, München

Daten existieren nicht. Sie sind, wie man von Giorgia Lupi erfährt, nur "eines der Werkzeuge, die wir haben, um die Realität darzustellen, aber es ist immer ein Platzhalter für etwas anderes und geht weit über die Realität hinaus ..." Die italienische, mehrfach preisgekrönte Informationsdesignerin muss es wissen, da sie schon seit vielen Jahren mit Daten arbeitet. Sie plädiert dafür, sich nicht "auf Zahlen, Technologien und Algorithmen" zu fokussieren, sondern darauf, "was Daten aussagen". Ein Ansatz, den die in New York lebende Mitbegründerin des Forschungs- und Designunternehmens Accurat als "Daten-Humanismus" bezeichnet. Ihr Ziel: Die "Welt der Daten" wieder "mit unserem Leben, unseren Geschichten und Eingebungen" zu verbinden.

Nachlesen kann man die erhellenden Gedanken von Giorgia Lupi in der aktuellen, sechsten Ausgabe des Grafikmagazins. Informations-Design lautet diesmal der Schwerpunkt der Münchner Zeitschrift, die vor einem Jahr die Nachfolge von Novum - World of Graphic Design antrat. Novum, das war mit 96 Jahren das älteste deutsche Designmagazin. Eine Publikation mit hohem Renommee, aber aus Sicht des Münchner Stiebner Verlags zu wenigen Lesern. Weswegen dieser Ende 2020 die Veröffentlichung einstellte. Ein Ende, das zugleich ein Neuanfang war. Denn das aus Christine Moosmann, Sonja Pham, Tobias Holzmann und Christian Meier bestehende Redaktionsteam machte weiter und gibt nun seit Februar 2021 im eigenen Phoenix Verlag das Grafikmagazin heraus.

Nachhaltigkeit ist ebenfalls ein zentrales Thema

Darin und daran finden sich zahlreiche Qualitäten von Novum wieder. Dazu gehört, dass von Ausgabe zu Ausgabe das Papier, die Drucktechnik und das Veredelungsverfahren variieren. Beim aktuellen Heft kommt zudem die Besonderheit dazu, dass jedes einzelne ein anderes Cover hat und damit ein Unikat ist. Wie früher werden spannende Projekte, Bücher oder Designer vorgestellt. Das Gewicht hat sich dabei aber verstärkt in Richtung Nachwuchs, Theorie und Wissenschaft verschoben. Außerdem gibt es mit "Nachhaltigkeit" ein neues, durchgängiges Thema. Dass es "keine umweltfreundliche Printproduktion" gibt, lautet dabei eine ernüchternde Erkenntnis. Dafür lassen sich aber durch eine Optimierung der Prozessabläufe, eine intelligente Planung oder inklusives Design Ressourcen sparen.

Kunst: Sechs Ausgaben sind bisher erschienen.

Sechs Ausgaben sind bisher erschienen.

(Foto: Tobias Holzmann)

In der zentralen Rubrik "Information Design" ist die wissenschaftliche Illustration als "Premiumklasse" ein weiteres Thema. Gleiches gilt für die britische Rechercheagentur "Forensic Architecture", die mithilfe architektonischer Daten Gewaltfälle aufklärt, oder eine Bachelor-Arbeit von Svea Hansohn, die sich mit dem Thema Corona-Krise und Resilienz beschäftigt. In den vorangegangenen Ausgaben des alle zwei Monate erscheinenden Magazins waren unter anderem das "digitale Museum", Typografie und Plakatgestaltung die Schwerpunkte. Das kommende Heft (erscheint am 24. Februar) wird sich mit Illustration befassen. Danach geht es mit "Creative Paper" und "Flora & Fauna" weiter.

Das erste Jahr hatte seine Höhen und Tiefen

Das vergangene Corona-Jahr beschreibt die stellvertretende Chefredakteurin Sonja Pham als eine "ereignis- und lehrreiche" Zeit. So war das Grafikmagazin etwa für den Bayerischen Printpreis nominiert, sie konnten mehrere Vorträge sowie ein Live-Event realisieren und sind mit ihrem Interims-Büro im Ruffinihaus noch immer sehr zufrieden. Finanziell seien sie dagegen "noch nicht über den Berg". Hier hatte sicher auch der unfreiwillige Start mitten im Lockdown seinen Einfluss. Weil der eine oder andere ehemalige Novum-Leser dadurch den Neuanfang als Grafikmagazin möglicherweise gar nicht mitbekam.

Zudem konnten sie "einige der alteingesessenen Leser vielleicht auch inhaltlich nicht erreichen", vermutet Pham. "Dafür ist aber die jüngere Zielgruppe stärker auf uns aufmerksam geworden." Ihren Elan haben die Herausgeber jedenfalls nicht verloren und wollen stattdessen ihr Verlagsangebot "noch weiter ausbauen", das heißt: "Workshops abhalten, diverse Buchprojekte umsetzen oder Ansprechpartner für Hochschulen sein." Und so hofft Pham, dass ihre "Reise so erfüllend weitergeht".

Grafikmagazin 06.21, Schwerpunkt "Information Design", erhältlich via grafikmagazin.de

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