Zwischen Welten:Olenas Botschaft

Zwischen Welten: SZ-Kolumnistin Emiliia Dieniezhna.

SZ-Kolumnistin Emiliia Dieniezhna.

(Foto: Bernd Schifferdecker (Illustration))

Unsere Kolumnistin hat mit der ukrainischen Regisseurin Daria Onyshchenko über deren neuestes Filmprojekt gesprochen. Halb Spielfilm, halb Dokumentation erzählt sie die Geschichte einer Geflüchteten in München, um die Notwendigkeit von Waffenlieferungen an die Ukraine zu erklären.

Von Emiliia Dieniezhna

Für ein kurzfristiges Ukraine-Hilfsprojekt unterstütze ich das Deutsche Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) darin, ausgewählte ukrainische Künstlerinnen und Künstler und ihre Ideen zu fördern. In der Nacht zum Sonntag hat mir eine Künstlerin aus Odessa eine Nachricht geschickt, dass das Kunstmuseum in Odessa mit einer Rakete beschossen wurde. Das Museum ist UNESCO-Weltkulturerbe. Der Raum, in dem sie nächste Woche einen Workshop für Kinder geplant hatte, wurde zerstört. Zum Glück war ihr Team nicht in diesem Raum, auch der Wachdienst wurde nicht verletzt.

Ein paar Stunden später hat mich eine Künstlerin aus Sumy angerufen. Sie erteilt kriegstraumatisierten Kindern kostenlos Musikunterricht. Sie hat gefragt, wie man Spenden für einen Stromgenerator sammeln kann, weil Russland jetzt vor dem Winter wieder seine Angriffe auf die energieversorgende Infrastruktur verstärkt.

Ich erzähle das, um zu beschreiben, in welcher Welt wir Ukrainer leben. Nicht nur in meiner Heimat, überall dort, wohin meine Landsleute vor dem Krieg geflohen sind. Auch nach München. Es ist auch das Leben der Regisseurin Daria Onyshchenko, die unermüdlich über das Leid in der Ukraine berichtet und weltweit um Waffen zu unserer Verteidigung bittet. Jetzt dreht Daria mit engagierten Landsleuten in München einen Film über die Ukraine. Der Titel lautet "My Heavy Weapon".

Zwischen Welten: Die ukrainische Regisseurin Daria Onyshchenko lebt seit 16 Jahren in München und dreht nun einen Film, der Verständnis für die Notwendigkeit von Waffenlieferungen an die Ukraine wecken soll.

Die ukrainische Regisseurin Daria Onyshchenko lebt seit 16 Jahren in München und dreht nun einen Film, der Verständnis für die Notwendigkeit von Waffenlieferungen an die Ukraine wecken soll.

(Foto: Stephan Rumpf)

Daria lebt schon seit 16 Jahren in München. Sie hat hier studiert und war bereits an verschiedenen Filmprojekten beteiligt. Sie bezeichnet sich selbst als Regisseurin für Autorenfilme und arbeitet auch für das Fernsehen. Sie hat etwa die ZDF-Dramaserie "Himmel & Erde - Небо та Земля" gedreht, in der ukrainische Filmschaffende Geschichten von Ukrainern erzählen.

Der Film "My Heavy Weapon" ist ein einzigartiges Projekt. Ein Film ganz ohne Budget. Aber er vereint Dutzende Menschen, Schauspieler genauso wie Technikerinnen und Redakteure, die inzwischen zu der traurigen Überzeugung gekommen sind, dass die Idee einer Welt ohne Waffen nicht mehr funktioniert. So braucht die Ukraine paradoxerweise Waffen, um Tod und Zerstörung zu verhindern. Das Projekt wird von zwei deutschen Firmen, der Münchner Filmagentur Felix Meinhardt und der Medienmanufaktur Portraits.digital, unterstützt, die das technische Equipment zur Verfügung stellen.

Waffenlieferungen für die Ukraine ist kein einfaches Thema. Das versteht Daria sehr gut, und ich auch. Viele Menschen in Westeuropa hoffen darauf, dass es doch noch eine andere Möglichkeit gibt, den Krieg zu beenden.

"My Heavy Weapon" ist halb Spielfilm, halb Dokumentarfilm. Im Mittelpunkt steht die Geschichte von Olena, einer ukrainische Geflüchtete in München. Ihr Mann kämpft an der Front. Olena ist politisch aktiv und nimmt an allen Demos in München teil, um zu erklären, warum die Ukraine für ihr Überleben Waffen braucht. Es geht um einen Existenzkrieg, der schon viel zu lange dauert. Die Ukrainer waren immer friedlich und haben nie Kriege begonnen, aber sie mussten sich wieder und wieder verteidigen, so wie jetzt auch.

Die Botschaft des Films lautet, dass wir Olena und mit ihr die Ukraine verstehen und erkennen, dass in Europa nur dann Frieden herrscht, wenn mein Land den Krieg gewinnt.

Bald ist der Film fertig, aber noch ist unklar, wo man ihn sehen kann. Dafür braucht es noch Partner, die dabei helfen, den Film einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Angebote werden gerne entgegen genommen.

Emiliia Dieniezhna, 35, flüchtete mit ihrer damals vierjährigen Tochter Ewa aus Kiew nach Pullach bei München. Sie arbeitet ehrenamtlich für die Nicht-Regierungs-Organisation NAKO, deren Ziel es ist, Korruption in der Ukraine zu bekämpfen. Außerdem unterrichtet sie ukrainische Flüchtlingskinder in Deutsch. Für die SZ schreibt sie einmal wöchentlich eine Kolumne über ihren Blick von München aus auf die Ereignisse in ihrer Heimat.

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