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Danke-Konzert:Wie Hofmann und Co. die Politik beeinflusst haben

"Das hat uns im Wahlkampf weh getan", sagt Dieter Reiter heute über die Goldgrund-Aktionen. Er bewarb sich damals als Oberbürgermeister. Dass im Zentrum des Immobilienpreiswahnsinns die Stadt selbst Wohnungen leer stehen lässt oder viel zu teuer selber baut - diese Botschaft war extrem zugespitzt, aber sie traf und war eine unerwartete Schützenhilfe für die CSU. Gut möglich, dass die rot-grüne Koalition heute noch eine Mehrheit hätte, wenn Goldgrund sie nicht so vor sich hergetrieben hätte.

Daher gibt es bis heute Vorbehalte gegen die Aktivisten vor allem bei der SPD, denn zumindest bei der Renovierung an der Müllerstraße operierten sie teils mit falschen Behauptungen, womöglich auch mit trickreich zusammenmontierten Bildern. "Dass die Jungs kräftig übertrieben haben, das weiß man heute", sagt Reiter. Er gibt sich freilich nicht nachtragend, verbucht das als "künstlerische Freiheit" - ihn jedenfalls habe das dazu gebracht, beim Thema Leerstand "genauer hinzusehen", sagt er.

Bellevue di Monaco "Bellevue di Monaco" wird Monate später fertig
Flüchtlingsprojekt

"Bellevue di Monaco" wird Monate später fertig

"Erschreckend langsam" gehe alles voran: Das Flüchtlingsprojekt "Bellevue di Monaco" in der Müllerstraße steht praktisch still. Der Grund? Formalitäten.   Von Bernd Kastner

Der Goldgrund-Kreis hat ein Ritual: Jeden Dienstag trifft er sich morgens, kaum dass die Kinder in der Schule sind, im Café Pini an der Klenzestraße - das ist ganz praktisch, die meisten wohnen ja gleich irgendwo ums Eck.

Reiter drückte "Bellevue di Monaco" durch

Und hier entstand vergangenes Jahr auch die Idee für "Bellevue di Monaco" - ein Wohnhaus für junge Flüchtlinge samt Unterrichtsräumen, Café-Betrieb und Informationsstelle. Eine Unterkunft in der Altstadt, mitten in der Gesellschaft, in eben jenen Häusern an der Müllerstraße. Die Widerstände im Rathaus waren enorm, der Abriss längst beschlossen, und es war nicht zuletzt Reiter, der das Projekt am Ende durchdrückte.

Dann kam der 22. Dezember 2014: Binnen weniger Tage hatten die Bellevue-Leute eine Anti-Pegida-Demo organisiert. Ganz klein war sie geplant, aber plötzlich standen da 12 000, vielleicht sogar 20 000 Menschen vor der Oper - dabei war Pegida noch gar nicht in der Stadt zugange.

Ganz Deutschland nahm das wahr, und Reiter konnte sich beseelt und stolz präsentieren als OB einer Stadt, die gegen Rechts aufsteht. Geschickt nutzte er die Bühne, dabei wollte er noch Stunden zuvor gar nicht zur Demo gehen. Er suche nicht die Nähe von Bellevue, sagt der OB - gleichwohl imponiert ihm Hofmanns Netzwerk und seine Kraft. Wer kann schon binnen zwei Wochen mal eben solch ein Großkonzert auf die Beine stellen?

Pegida Wo Deutschland gegen Pegida Farbe bekennt

Demonstrationen

Wo Deutschland gegen Pegida Farbe bekennt

"Fürchtet euch nicht": Gegen die fremdenfeindliche Pegida-Bewegung formiert sich Widerstand. In diesen deutschen Städten gehen die Bürger in den Weihnachtstagen auf die Straße, um sich zum aufgeklärten Teil des Abendlandes zu bekennen.

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