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Flüchtlingsprojekt:"Bellevue di Monaco" wird Monate später fertig

"Bellevue di Monaco" plant Willkommenszentrum für Flüchtlinge in München, 2015

In der Müllerstrasse 2-6 soll das "Bellevue di Monaco", ein Willkommenszentrum für junge Flüchtlinge, entstehen - doch das Projekt steht praktisch still.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • In der Müllerstraße soll mit dem Willkommenszentrum "Bellevue di Monaco" ein Zuhause für Dutzende junge Flüchtlinge entstehen, doch das Projekt wird wohl Monate später fertig.
  • Trotz anderslautender Ankündigung hat das Kommunalreferat die europaweite Ausschreibung der drei Häuser noch immer nicht gestartet.
  • Die Bellevue-Initiatoren befürchten, dass sie ehrenamtliche Helfer und Spender nicht ewig bei der Stange halten können.

Von Bernd Kastner

Sie haben viel Geld eingesammelt, um die 150 000 Euro allein von Mitgliedern und dann noch etwa eine Million oben drauf, sie kommen von Einzelspendern und von Stiftungen. Damit ließe sich schon mal anfangen, damit wären die Häuser in der Müllerstraße ordentlich herzurichten. Es könnte ein Zuhause für mehrere Dutzend junge Flüchtlinge entstehen. Und doch steht das Projekt "Bellevue di Monaco" praktisch still. Das liegt nicht an den Initiatoren des Willkommenzentrums, die Gruppe um Till Hofmann, Matthias Weinzierl, Angela Bauer, Johannes Seiser und Alex Rühle tut, was sie kann. Es sind Formalitäten, die ihnen zu schaffen machen. "Erschreckend langsam" gehe alles voran, klagt einer.

Ende Januar hat der Stadtrat beschlossen, in den einst zum Abbruch vorgesehenen Häusern Müllerstraße 2 bis 6 ein Zentrum für junge Flüchtlinge einzurichten. Es soll dort Unterrichtsräume ebenso geben wie ein Café und Raum für Kultur, Münchner und Neu-Münchner sollen hier zusammenkommen. Ende März haben die Initiatoren eine Sozialgenossenschaft gegründet, sie heißt, natürlich, "Bellevue di Monaco" - und diesen Montag haben sie die Genossenschaft erneut gegründet.

Gericht stolpert über grammatische Details

Das Registergericht war über Details der Satzung gestolpert, etwa eine grammatische Formulierung. Ein Satz soll kein vollständiger Satz gewesen sein. Die "Bellevue"-Macher haben sich dem Genossenschaftsverband Bayern, der 1300 Genossenschaften vertritt, anvertraut. Dessen Fachleute haben die Gründung vorbereitet, haben an der Versammlung teilgenommen, auf Formalia geachtet und eine Mustersatzung vorgelegt. Die sei bisher vom Gericht immer akzeptiert worden, heißt es aus dem Verband. Bis es um "Bellevue" ging. Also alles noch mal von vorne.

Der formale Neustart mag lästig für die Führungscrew sein, ein wirkliches Problem ist es nicht. Das aber könnte das Tempo der Stadt für "Bellevue" bedeuten. Schon geht unter den Asyl-Aktivisten das Wort von der "existenziellen Bedrohung" um. Trotz anderslautender Ankündigung hat das Kommunalreferat die Ausschreibung der drei Häuser noch immer nicht gestartet. Aus April wurde Juli. Erst am Donnerstag nächster Woche soll der Stadtrat den Text der europaweiten Ausschreibung absegnen, Ende des Jahres soll das Vergabe-Procedere beendet sein, dann soll klar sein, wer das Ensemble Häuser in der Müllerstraße nutzen darf. Das Verfahren muss offen sein, doch alles andere als ein Zuschlag für Bellevue wäre eine merkwürdige Überraschung. Die drei Häuser sollen nicht verkauft, sondern für 40 Jahre in Erbpacht vergeben werden.

Warum alles so lange dauert

Warum dauert das alles so lange, gerade jetzt, da die Stadt jedes Zimmer für Flüchtlinge so dringend braucht? Details dürfe er nicht nennen, sagt Bernd Plank, Sprecher des Kommunalreferats. "Es ist ein komplexes Projekt, kein Alltagsgeschäft." Die Regierung von Oberbayern als Aufsichtsbehörde schaue genau hin, es erfordere stadtintern "großen Abstimmungsbedarf". So eine Ausschreibung müsse "wasserdicht" sein. Und nein, garantieren könne man nicht, dass zum Jahresende alles erledigt sei. Man strebe das an, gewiss, müsse aber immer mit "Unwägbarkeiten" rechnen.

Solange nichts vorangeht, hängt Bellevue in der Luft, von Woche zu Woche wachsen die Anspannung und die Sorge, ob alles klappt. "Ich verstehe es nicht ganz", sagt Till Hofmann über die Verzögerung, und man merkt, wie er sich um diplomatische Formulierungen bemüht. "Die Leute wollen, dass es losgeht." Hunderte Bürger haben Geld gegeben oder ihre ehrenamtliche Hilfe angeboten, denen sei "Bellevue" irgendwann Rechenschaft schuldig. Man werde sie "nicht ewig bei der Stange halten" können, sagt Hofmann. "Man wünscht sich, dass es schneller geht."

© SZ vom 08.07.2015/ebri

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