Landwirtschaft:Wie die Wintergerste das Wasser aufhält

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Landwirtschaft: Mit der Gießkanne wird ein Starkregen simuliert und Landwirt Michael Pabst (links) erklärt, wie er den Boden auf seinem Kartoffelfeld in Vierkirchen vor Erosionen schützt.

Mit der Gießkanne wird ein Starkregen simuliert und Landwirt Michael Pabst (links) erklärt, wie er den Boden auf seinem Kartoffelfeld in Vierkirchen vor Erosionen schützt.

(Foto: Toni Heigl)

Kartoffelbauern fürchten Starkregen, weil Erosion und Staunässe den Erdäpfeln zusetzen. Michael Pabst aus Vierkirchen hat nun eine neue Anbauweise für seine Äcker ausprobiert - und Landwirten aus ganz Bayern das Geheimnis seiner Querdammbegrünung verraten.

Von Sofia Woditschka, Vierkirchen

Es ist ein lauer Sommerabend in Vierkirchen, an dem sich etwa 30 Landwirte aus Südbayern um Michael Pabst herum versammelt haben. Heute Abend stellen er und Max Stadler von der Gesellschaft für konservierende Bodenbearbeitung (GKB) die Anbauweise der Querdammbegrünung für Kartoffeln vor, die den Ackerboden vor Erosion schützen soll. Da Bayern nach Niedersachsen das zweitgrößte deutsche Kartoffelland ist und die Erdäpfel in fast allen Regionen angebaut werden, stößt das Thema, das auf dem Mitterwiedenhof besprochen wird, auf großes Interesse.

Tim Meier, ebenfalls von der GKB, und Martin Gruber vom Landwirtschaftsamt Ingolstadt-Pfaffenhofen eröffnen die Veranstaltung: Erosion im Kartoffelanbau sei ein Problem, mit dem die meisten Landwirte in Bayern zu kämpfen hätten, erläutert Meier. Anschließend dankt Gruber Landwirt Pabst für seine "Pionierarbeit und die Bereitstellung wertvollen Bodens". Er hoffe, dass durch diese neue Anbauweise das Problem der Erosion im Kartoffelanbau reduziert werden könne und "der Boden da bleibt, wo er hingehört". Hier ergreift Stadler das Wort und erklärt die Theorie, die hinter dieser Anbauweise steckt. Er habe sie in Österreich kennengelernt, wo Landwirte zwischen den Querdämmen zusätzlich Hafer eingesät haben, um die Dämme mit dem Wurzelwerk des Hafers zu festigen, das Wasser durch die zusätzlichen Pflanzen besser aufzuhalten und den Boden aufnahmefähiger zu machen.

Querdämme bremsen den Wasserfluss

Denn aufgrund ihrer Anbauweise sind Kartoffelfelder sehr anfällig für Schäden, die durch Starkregenfälle hervorgerufen werden, wie Erosion und Staunässe. Erst werden auf den Kartoffelfeldern Dämme angelegt, in welche die Knollen dann eingesetzt werden. Nach dem Setzen ist der Boden sehr empfindlich für Erosion durch Wasser und selbst bei schwach geneigten Flächen kann ein Starkregenereignis dazu führen, dass Wasser in den Tälern zwischen den Dämmen zusammenläuft und dabei Boden mitnimmt. Eine weitere Folge ist eine ungleichmäßige Wasserversorgung auf dem Feld. Eine Lösung sind Querdämme, die mit angelegt werden. Dadurch kann der Wasserfluss deutlich gebremst und am Ort des Niederschlags gehalten werden.

Pabst baut seine Kartoffeln exklusiv mit dieser Bauweise an, für ihn habe sich diese Art des Anbaus rentiert, da er viele Felder mit Gefälle habe. Doch die Querdämme allein seien nicht effektiv genug. Das habe er festgestellt, als er im vergangenen Jahr zum ersten Mal die Querdammbegrünung auf einer Fläche von drei Hektar ausprobiert habe. Damals setzte er Hafer und Sommergerste zwischen die Querdämme und stellte fest, dass das Wasser durch die zusätzlichen Pflanzen langsamer ablaufe, weniger Erde weggeschwemmt werde und alles "wesentlich stabiler" sei.

Wintergerste stabilisiert den Kartoffeldamm

In diesem Jahr habe er auf 30 Hektar erneut Querdämme mit Begrünung angelegt, die Restfläche bleibt wieder ohne Begrünung. Diesmal habe er statt des Hafers und der Sommergerste Wintergerste ausgesät, da diese Pflanze langsamer im Wachstum ist, wenn das Feld mit ihr im Frühjahr bepflanzt wird. So stelle diese Gerstenart im Gegensatz zur Sommergerste keine Konkurrenz für die Kartoffelpflanzen dar. Darüber hinaus habe Wintergerste den Vorteil, dass sie erst in die Breite wachse, statt wie der Hafer in die Höhe zu treiben. So halte sie das Wasser effektiver auf.

Pabst und Stadler können an diesem Abend den direkten Vergleich auf dem angrenzenden Acker zeigen und simulieren einen Starkregen mit einer Gießkanne. Die Menge an Wasser entspricht in etwa der Menge, die bei einem Starkregen auftritt. "Beim letzten Starkregen hatte ich knapp 30 Liter in 15 Minuten", erzählt Pabst. "Die Wintergerste hat das abfließende Wasser stark verlangsamt habe ich festgestellt." Für ihn sei die ausgesäte Gerste ein Erfolg gewesen.

Ohne Begrünung rauscht der Regen durch

Der Unterschied zeigt sich im Versuch mit der Gießkanne deutlich: Die Fließkraft des Wassers wird durch die eingesäte Wintergerste zwischen den Dämmen unterbrochen. Bei den Querdämmen - ohne Begrünung - rauscht das Wasser einfach und ohne Behinderung schnell hindurch. Hier kann der trockene Boden das Wasser gar nicht so schnell aufnehmen, wie es über ihn hinwegfließt. Und an den Seiten der aufgeschütteten Dämme nimmt das Wasser kleine Erdbrocken mit: "Bei so einer Wassermenge bleibt nicht viel Boden übrig", gibt Pabst während der Vorstellung zu Bedenken. "Erosion ist ein schleichender Prozess, wenn man ihn bemerkt, ist es meistens schon zu spät."

In Zukunft würden sich Starkregenfälle häufen, das sei dem Klimawandel geschuldet, meint Stadler: "Das Wetter kann man nicht ändern, die Felder schon und mit dieser Anbauweise kann man den Boden vor Erosion schützen." Für Pabst habe diese Anbauweise zu höheren Erträgen geführt und sei für ihn die einzige nachhaltige Lösung für das Erosionsproblem. Er habe den Versuch so einfach wie möglich umgesetzt, jeder landwirtschaftliche Betrieb habe die nötige Technik. "Ich kann nur jedem raten, es auszuprobieren. Alles ist besser, als zuzusehen, wie der Boden wegschwimmt", sind Pabsts abschließende Worte.

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