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Nachruf:Trauer um Anton Kreitmair

Kein Mann großer Worte: Anton Kreitmair.

(Foto: Toni Heigl)

Der Bauernobmann und CSU-Politiker ist mit 57 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben

Von Benjamin Emonts, Erdweg

"Ich bin ein geradliniger Mensch." Das hat Anton Kreitmair selbst einmal über sich gesagt. Seinem Gegenüber gab der Bauernobmann und ehemalige CSU-Landtagsabgeordnete stets einen kräftigen Händedruck zur Begrüßung; er blickte einem in die Augen, wenn er seine Meinung äußerte. Kreitmair war ehrlich, wobei er immer auch offen für andere Standpunkte war. Der Politik und den Landwirten in der Region wird Kreitmair fehlen. In der Nacht von Freitag auf Samstag ist er im Alter von gerade einmal 57 Jahren einer schweren Krebserkrankung erlegen, gegen die er lange gekämpft hatte.

Kreitmair war ein "Spätzünder", wie er selbst einmal gesagt hat. Umso stolzer war er auf seine steile berufliche Laufbahn. Als Jugendlicher besuchte Kreitmair die Hauptschule, er arbeitete auf dem Hof der Eltern. Später bildete er sich allerdings weiter. 1987 war Anton Kreitmair dann staatlich geprüfter Landwirtschaftsmeister. Er begann seine politische Laufbahn, erst als Kreisvorsitzender der Jungbauern, dann, von 1996 an, als Gemeinderat in seiner Heimatgemeinde Erdweg. Im Jahr 2002 folgte die Wahl in den Kreistag, drei Jahre später die zum Dachauer Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands und 2012 zum Bezirkspräsidenten. Kreitmair war zum wichtigsten Vertreter der Bauern aus Oberbayern aufgestiegen. Sein Wort hatte fortan Gewicht.

Plötzlich so in der Öffentlichkeit zu stehen, war für Kreitmair nicht immer leicht, es habe sein Leben "drastisch verändert", sagte er mal. Grundsätzlich war er kein Mann der großen Worte. Die brauchte er auch nicht: Kreitmair war sehr direkt. So betrat der Landwirt aus Kleinberghofen 2013 die große politische Bühne, auch weil ihn viele Bauern dort sehen wollten. Auf CSU-Listenplatz 129 wurde er im September 2013 in den Bayerischen Landtag gewählt. Er empfand es als große Verantwortung, den Anliegen seiner Mitbürger gerecht zu werden. Die Türe seines Bürgerbüros in Schwabhausen stand immer allen offen.

Kreitmair steckte seine ganze Kraft in seinen Beruf, jahrelang hatte er nicht mehr mit seinem Traktor geackert, weil er sich ganz den Anliegen der Bürger und Bauern verschrieb. Wenn er ein Ziel vor Augen hatte, ließ er es so schnell nicht los. Er konnte hartnäckig sein, ja manchmal auch stur und ruppig. Seine eigene Haltung kollidierte immer wieder mit der seiner Partei. Im Februar 2015 stimmte er beispielsweise für die Petition gegen den Bau einer dritten Landebahn am Flughafen München. Kreitmair setzte sich auch vehement für die Windkraft im Landkreis ein. Die 10-H-Regel empfand er als Rückschlag für die Energiewende.

Im Jahr 2018 kandidierte er nicht mehr für den Landtag, um sich wieder ganz den Landwirten widmen zu können. "Es war die schwerste Entscheidung meines Lebens", sagte er damals. Mit den Bauern kämpfte er jahrelang um höhere Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse. Er organisierte mehrfach Protestaktionen. Man sah Kreitmair dann mit einem Plakat vor einem Supermarkt stehen und gegen die Ramschpreise der Discounter demonstrieren.

Kreitmair, so sagen Menschen, die ihn besser kannten, hatte eine harte Schale und einen weichen Kern. Der "Toni", wie ihn seine Weggefährten riefen, wird "eine Lücke" hinterlassen, schreibt Landrat Stefan Löwl (CSU) auf Facebook. Kreitmairs langjähriger Weggefährte im Landtag Bernhard Seidenath sagt: "Mit Toni verlieren wir einen wundervollen Menschen, der nie sich selbst, sondern stets die Sache in den Mittelpunkt gestellt hat: die Anliegen der Landwirte, für die er gelebt und gestritten hat wie kein anderer, aber auch der Schwächeren in unserer Gesellschaft." Fehlen wird Anton Kreitmair auch seiner Familie. Er hinterlässt neben seiner Lebensgefährtin seine Ehefrau sowie drei Kinder.

© SZ vom 14.09.2020

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