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Landkreis Dachau:Maskenpflicht im Unterricht und Teilnehmergrenzen bei Feiern

Gericht: Attest gegen Maskenpflicht an Schulen nur mit Diagnose

Schüler ab der 5. Klasse müssen im Landkreis wieder Maske im Unterricht tragen, wenn der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann.

(Foto: dpa)

Der Krisenstab des Landkreises beschließt strengere Regeln für das öffentliche Leben. Die Corona-Zahlen nähern sich dem nächsten kritischen Wert

Von T. Balbierer, B. Emonts, Dachau

Gerade erst hat das Landratsamt neue Corona-Beschränkungen beschlossen, doch angesichts weiter steigender Zahlen stellt sich die Frage, ob da noch mehr kommt. Seit Wochenbeginn hat der Landkreis den Inzidenzwert von 35 deutlich überschritten, inzwischen bewegen sich die Neuinfektionen sogar auf den nächsten kritischen Wert zu. Am Mittwoch kam die Inzidenz, die angibt, wie viele Corona-Fälle es innerhalb von sieben Tagen pro 100 000 Einwohner gab, dem roten Bereich von 50 neuen Fällen nahe - sie lag bei 45,5. Allein zwischen Montag und Mittwoch meldete das Landratsamt 41 Neuinfektionen. Steigen die Zahlen weiter, könnten dem Landkreis bald noch schärfere Regeln drohen.

Was das heißt, zeigt sich bereits in München. Am Mittwoch traten in der Landeshauptstadt erneut Verschärfungen der Corona-Maßnahmen in Kraft: Maskenpflicht in der Altstadt, nächtliches Alkoholverbot auch in der Gastronomie sowie ein Verbot von Treffen mit mehr als fünf Personen. Auch der Nachbarlandkreis Fürstenfeldbruck hatte den Grenzwert zuletzt überschritten und das öffentliche Leben beschränkt, verzichtete aber auf ein Alkoholverbot à la München.

Das Landratsamt empfiehlt, private Feiern auf 25 Teilnehmer zu reduzieren

In Dachau traf sich am Mittwoch der Corona-Krisenstab des Landkreises, um über die Lage zu beraten und strengere Teilnehmergrenzen für Veranstaltungen zu beschließen. An diesem Donnerstag tritt eine Allgemeinverfügung in Kraft, wonach an privaten Feiern in öffentlichen und gemieteten Räumen - Hochzeiten, Beerdigungen, Geburtstagen - nur noch maximal 50 Personen teilnehmen dürfen. Gleichzeitig wird "dringend empfohlen, auch in privaten Räumen keine Feierlichkeiten mit mehr als 25 Teilnehmern durchzuführen". Außerdem müssen Schüler ab der 5. Klasse in engen Klassenräumen ab sofort wieder eine Maske im Unterricht tragen.

Die Regeln gelten zunächst bis 21. Oktober. Im Vorfeld des Krisentreffens sagte Landrat Stefan Löwl (CSU) der Dachauer SZ, dass nicht unmittelbar weitere Beschränkungen kämen, sollte der Grenzwert von 50 überschritten werden. "Wir müssen den aktuellen Maßnahmen ja erst die Chance geben, zu wirken." Sollte sich der Anstieg der Infektionen aber über das Wochenende fortsetzen, muss wohl nachjustiert werden. "Ich denke leider, dass wir schärfere Maßnahmen brauchen werden, um eine weitere Ausweitung des Coronavirus zu verhindern", teilt der Arzt Christian Günzel, Mitglied des Corona-Stabs, mit. Löwl verweist auf die Infektionsschutzverordnung, die eine Reihe von Maßnahmen vorhält: strengere Kontaktbeschränkungen, niedrigere Teilnehmergrenzen bei Feiern, Maskenpflicht auf Plätzen, nächtliches Alkoholverbot. Ob und welche Schritte den Landkreis bei einer Inzidenz von 50 treffen würden, konnte Löwl am Mittwoch nicht sagen. Erst müsse man analysieren, woher die Infektionsketten kämen. Dann könne man entscheiden, ob eine Sperrstunde oder eine neue Maskenpflicht sinnvoll seien. Diese käme theoretisch in der Dachauer Innenstadt, im Indersdorfer Zentrum, in der Karlsfelder Neuen Mitte oder an der KZ-Gedenkstätte infrage.

Die Lage im Krankenhaus ist derzeit entspannt, das kann sich aber schnell ändern

Trotz der gestiegenen Infektionszahlen habe das Gesundheitssystem - anders als im Frühjahr - laut Löwl noch viele Kapazitäten. Zum Beispiel im Klinikum Dachau. "Die steigende Inzidenz schlägt sich noch nicht in den stationären Behandlungsfällen nieder", sagt der Leitende Oberarzt der Notaufnahme, Alexander von Freyburg. Man erwarte jedoch wie bei der ersten Infektionswelle, "dass die Zahl der stationären Corona-Patienten in den nächsten zwei bis vier Wochen wieder ansteigen wird". Von den 30 Intensivbetten, die für Corona-Patienten zur Verfügung stehen, sei derzeit keines belegt, auch die 14 Betten auf der Normalstation seien frei. Die entsprechenden Kapazitäten können laut dem Oberarzt in wenigen Tagen von 30 auf 58 Intensivbetten sowie von 14 auf 104 Behandlungsplätze auf der Normalstation erhöht werden. Seit Ausbruch der Pandemie sind im Dachauer Klinikum insgesamt 23 Patienten an oder mit Sars-CoV-2 gestorben. In dem Klinikum gelten weiterhin eingeschränkte Besuchszeiten von 14 bis 20 Uhr. Die Patienten dürfen nur von einer Person für eine Stunde besucht werden.

"Zum Glück trifft es derzeit nicht die hochvulnerablen Gruppen", sagt der Landrat. Die meisten Infektionen ließen sich aktuell auf die 30- bis 50-Jährigen zurückführen. "Aber sobald es ein Altenheim erwischt, haben wir schnell wieder Intensivpatienten und Tote", so Löwl. Das habe der Corona-Ausbruch in einem Karlsfelder Pflegeheim jüngst gezeigt.

© SZ vom 15.10.2020

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