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Dachauer Abgeordneter Bernhard Seidenath:Stratege im Kampf gegen das Virus

MdL Seidenath

Der Landtagsabgeordnete Bernhard Seidenath (CSU) leitet den Ausschuss für Gesundheit und Pflege.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Der Dachauer Landtagsabgeordnete hat unabhängig von dem Bemühungen um einen Impfstoff gegen Covid-19 mit Fraktionskollegen ein Konzept für eine möglichst umfassende Bekämpfung der Corona-Pandemie erarbeitet

Von Julia Putzger, Dachau

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie gibt es zwar einen kleinen Lichtblick, denn möglicherweise könnte es noch in diesem Jahr oder zumindest zu Beginn des Jahres 2021 einen zugelassenen Impfstoff in Deutschland geben. Trotzdem will sich vor allem Bernhard Seidenath (CSU), Dachauer Stimmkreisabgeordneter im bayerischen Landtag, nicht allein darauf verlassen. Gemeinsam mit anderen Abgeordneten hat er deshalb ein umfangreiches Konzept erarbeitet, das eine möglichst umfassende Bekämpfung der Corona-Pandemie ermöglichen soll.

Derzeit setzt der Freistaat Bayern im Umgang mit der Corona-Pandemie vor allem auf drei Säulen: Prävention durch das Vermeiden von Kontakten und allen damit verbundenen Einschränkungen, eine umfassende Teststrategie zur Nachverfolgung und Eindämmung der Ausbreitung sowie langfristig die Entwicklung eines Impfstoffes, um das Risiko einer Ansteckung zu reduzieren. Bernhard Seidenath möchte diese drei Säulen nun um eine weitere ergänzen: die bayerische Therapiestrategie. Gemeinsam mit weiteren Abgeordneten des Bayerischen Landtags - namentlich Tobias Reiß, Marcel Huber und Ilse Aigner (alle CSU) - hat Seidenath als Vorsitzender des Landtagsausschusses für Gesundheit und Pflege eine solche Therapiestrategie ausgearbeitet, die am Dienstag im Landtag vorgestellt werden soll.

In Ausführungen, die der SZ bereits im voraus vorlagen, heißt es diesbezüglich unter anderem: "Unabhängig von der Impfstoffentwicklung besteht die dauerhafte und absolute Notwendigkeit zur Entwicklung von Therapieoptionen gegen Covid-19, die insbesondere die schweren Verläufe in den Blick nehmen beziehungsweise das Auftreten der schweren Verläufe deutlich reduzieren helfen." Deshalb wünschen sich die Politiker, dass nicht nur fleißig weiter an Therapien für am Virus Erkrankte geforscht wird, sondern diese Bemühungen auch vom Freistaat finanziell gefördert werden. Ein Dringlichkeitsantrag, der dazu an diesem Mittwoch eingebracht werden soll, sieht dafür Fördermittel in Höhe von 50 Millionen Euro vor, die aus dem insgesamt 20 Milliarden Euro schweren "Sonderfonds Corona-Pandemie" des Freistaats zur Verfügung gestellt werden sollen.

"Ich halte die Therapiestrategie für enorm wichtig, um nicht nur auf Impfungen zu setzen und auch denen helfen zu können, die sich bereits infiziert haben. Wir haben hier in Bayern mehrere sehr erfolgversprechende Ansätze", äußert sich der Dachauer Landtagsabgeordnete Seidenath. Denn Bayern verfügt über eine international führende und innovative Biotechnologiebranche, die in Zusammenarbeit mit Universitäten, Universitätskliniken und Forschungsgesellschaften einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen die Pandemie leisten kann. In der bayerischen Therapiestrategie sollen nach dem Willen ihrer Ausarbeiter deshalb "die umsetzungsnächsten und erfolgversprechendsten therapeutischen Ansätze" gebündelt werden. So könne man auch dem großen Interesse nach vor Ort hergestellten Biopharmazeutika und Zelltherapeutika nachkommen und gleichzeitig eine Vorbildfunktion für ähnliche Bestrebungen auf Bundesebene einnehmen.

Einige dieser erfolgversprechenden, in Bayern entwickelten Therapieansätze werden in den Ausführungen zur bayerischen Therapiestrategie bereits beispielhaft erwähnt: So forscht das Planegger Unternehmen Ethris an einer Therapie, die mittels neutralisierender Antikörper eine sogenannte passive Immunisierung verfolgt. Andere internationale Unternehmen hätten ähnliche Ansätze, jedoch sei das Planegger Unternehmen führend, heißt es in den Unterlagen zur Therapiestrategie. Einen anderen Ansatz verfolgt wiederum der am Klinikum Großhadern tätige Transplantationsmediziner Manfred Stangl. Er möchte mittels einer genetisch programmierten Mesenchymalen Stammzelle (MSC) Alpha-1-Antitrypsin (AAT) produzieren, da in Untersuchungen festgestellt worden war, dass ein Mangel an AAT tendenziell zu einem schwereren Krankheitsverlauf bei der Infektion mit dem Coronavirus führt. Eine Finanzierung vorausgesetzt, könnten bereits in rund drei Monaten erste Ergebnisse einer klinischen Studie dazu vorliegen.

Die bayerische Therapiestrategie und ein damit verbundenes Förderprogramm der bayerischen Staatsregierung sollen laut vorliegenden Unterlagen "die ganze Stärke des bayerischen Standortes entfalten und zu mehr Sichtbarkeit führen". Denn über diese Maßnahme würden alle Akteure und deren Ansätze verstärkt in den Blick genommen und ein "Wettbewerb" um die besten Ideen ausgerufen werden. Die Entscheidung darüber, welche Therapieansätze schließlich tatsächlich gefördert werden, soll über eine Förderrichtlinie geschehen. Im Fokus steht dabei die Entwicklung von Therapien und Medikamenten, die anderweitig wegen Marktversagen oder schwieriger, langwieriger Finanzierung nicht schnell genug umgesetzt würden. Die möglichst zeitnahe Umsetzung ist den Politikern jedoch ein großes Anliegen, um die Ressourcen in den Krankenhäusern "zielgerichtet und ohne Überforderung des Gesundheitssystems für die Bekämpfung der Pandemie vorzuhalten." Die Zusammenarbeit über Sektor- und Ressortgrenzen sei deshalb sehr wichtig.

© SZ vom 01.12.2020
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