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Kommunalwahl in Dachau:Der Moderator

Die Christsozialen schicken sechs Jahre später Stadtrat Peter Strauch ins Rennen. Der 46-Jährige kandidiert für das Oberbürgermeisteramt.

(Foto: Toni Heigl)

Peter Strauch will für die CSU das Oberbürgermeisteramt zurückerobern. Dafür versucht er herauszufinden, was den Parteikollegen und Bürgern auf den Nägeln brennt. An seinem politischen Programm sollen alle teilhaben.

Altlandrat Hansjörg Christmann (CSU) liegt wie so oft völlig richtig mit seiner Prognose. Mit einer knappen Mehrheit, sagt er, wird es Ursula von der Leyen schaffen. Es ist 18.39 Uhr, die Abgeordneten im Brüsseler Parlament haben ihr Stimmen abgegeben - und etwa 20 Christsoziale verfolgen im Zieglerbräu auf ihren Smartphones die Wahl der Kommissionsspitze - eine Zitterpartie für die Christdemokratin. Eine Stunde später brandet Applaus auf: Von der Leyen ist mit neun Stimmen mehr als notwendig gewählt worden. Die Runde wirft anerkennende Blicke auf Christmann. Von 1977 bis 2014 war er Landrat, ein Politprofi, der auch in der Landes- oder Bundespolitik reüssiert hätte, wenn es denn so gekommen wäre.

Mit seinem Namen verbindet die CSU bessere Zeiten für sich in Dachau. Inzwischen hat die Partei arge Blessuren erlitten: In der Kommunalwahl 2014 kam sie in der Stadt auf 38 Prozent, weit unter dem Landkreisergebnis, und sie verlor den Oberbürgermeisterposten an die SPD. Eine knappe Mehrheit, die würde auch Stadtrat Peter Strauch völlig reichen. Der 46-jährige CSU-Spitzenkandidat will im März 2020 das Rathaus zurückerobern. Dazu gibt Christmann keine Prognose ab. Er sagt am Ende des Abends zu Strauch nur: "Ich wünsche Dir die Mehrheit, damit Du das alles umsetzen kannst."

"Ich will ein Programm mit konkreten Maßnahmen"

Und das ist eine ganze Menge. Auf großen Plakatwänden wurde in zweieinhalb Stunden - als Grundlage für das Wahlprogramm der CSU Dachau - festgehalten, was den 270 Mitgliedern des Ortsverbandes, und nicht nur solche sind gekommen, alles so auf den Nägeln brennt, seitdem Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) die Rathauspolitik bestimmt. Die Probleme reichen zum Teil in die Zeit vor seinem Amtsantritt zurück. Die Konversion der MD-Industriebrache am Fuße der Altstadt, die Schaffung bezahlbaren Wohnraums, die Lösung der Verkehrsprobleme, der TSV-Umzug, der Umbau des ASV, die Verzögerung und Kostensteigerung beim Baus des Hallenbads, eine bürgerfreundlichere Verwaltung - darüber wird im Stadtrat und seinen Ausschüssen immer wieder heftig debattiert.

"Was denkt Ihr darüber?" Strauch bricht mit der Gewohnheit, dass eine Partei im Hinterzimmer ihr Wahlprogramm und dessen Inhalte festschreibt - und dann abnicken lässt. "Ich will jeden teilhaben lassen und ein Programm mit konkreten Maßnahmen, die auch umsetzbar sind", sagt er. Jeder könne bezahlbare Wohnungen fordern oder weniger Verkehr - und dann sei das nach der Wahl vergessen oder scheitere an der Realität. Man dürfe etwa nicht vergessen, dass mehr Wohnraum auch mehr Verkehr bringe.

Kirchturm Renovierung

In der Kommunalwahl 2014 hat die CSU das Rathaus an die SPD verloren.

(Foto: Toni Heigl)

Deshalb wolle er von den Bürgern hören, wohin sie wollten, wohin die Reise gehen solle. Strauch vermisst ein wirklich umfassendes Entwicklungskonzept für Dachau. Zum Beispiel: Er sei schon seltsam berührt, dass die Große Kreisstadt jedes Jahr wieder davon überrascht sei, das die Zahl der Kinderbetreuungsplätze nicht ausreiche. Zurzeit fehlen ungefähr 160 Plätze. Ihm, so Strauch, gehe es darum, dass die Lebensqualität in Dachau erhalten bleibe. Dass er seine Geburtsstadt liebt, das muss er nicht erst sagen. Das merkt man ihm an. Er will ein "grünes Dachau", wie er sagt. "Das ist eine Herzensangelegenheit von mir, denn davon hängt die Lebensqualität wesentlich ab." "Meine Jungs (Quirin und Kilian) sollen in einem Dachau aufwachsen können, das genauso lebens- und liebenswert ist, wie ich es in meiner Kindheit und Jugend erlebt habe". Strauch berichtet von einer Niederlage im Stadtrat: Er wollte den Rückbau der Erasmus-Reismüller-Straße in Dachau Ost und an ihrem Ende einen Park anlegen lassen. Die Fraktionen von Bündnis und Grüne hätten dagegen gestimmt - weil der Vorschlag von einem CSU-Stadtrat kam, wie Strauch sagt. Und: Kommunalpolitik dürfe nicht entlang der Parteigrenzen, sondern müsse auf sachlicher Grundlage gemacht werden.

98 Prozent der Ortsverbandsmitglieder hatten Peter Strauch im April dieses Jahres zum OB-Kandidaten bestimmt. Nach der Wahlniederlage 2014 besannen sich die Christsozialen auf die Nähe zum Bürger, die sie ihrem eigenen Urteil zufolge verloren hatten. In dem "waschechten Dachauer" Strauch glauben sie das richtige Gesicht für den Umbruch gefunden zu haben. Der 46-Jährige sei durch sein ehrenamtliches Engagement in vielen Sportvereinen und Organisationen wie der Feuerwehr und dem BLSV nah an den Menschen. Auf der CSU-Homepage heißt es: "Der Betriebswirt, als Führungskraft im Marketing der Deutschen Post tätig, präsentiert sich als Anpacker, der Dachau gestalten und nicht verwalten will" - eine Spitze gegen den amtierenden OB.

Strauch punktet mit einem jugendlichen, fast lausbubenhaften Grinsen

Zweifel wurden schon mal geäußert. Ist Peter Strauch durchsetzungsfähig, nicht etwa zu freundlich, zu weich? Dagegen lässt sich fragen, ob die Zukunft nicht einem Politikstil gehört, den Nachdenklichkeit und Demut vor den Wählern prägen. An diesem Abend, dem einige schon vorausgingen, geht es nicht nur um Inhalte, Strauch, muss sich auch als das neue Gesicht der Partei präsentieren - und das tut er zunehmend sicherer, locker und aufgeschlossen. Einer der Besucher fragt ihn ironisch: "Was wollen Sie denn besser machen als unser bewährter Florian Hartmann?" Strauch bleibt ruhig. Als OB würde er drei, vier zentrale Projekte der Stadt zur Chefsache machen und sich dahinter klemmen, etwa den Umbau des Bahnhofsplatzes, des Stadtteils Augustenfelds oder die TSV-Aussiedlung. Doch Strauch, das weiß er, wird es schwer haben. Hartmann ist bei den Wählern sehr populär, im Umgang mit den Bürgern zeigt er ein freundliches, offenes Lächeln. Immerhin steht Strauch da nicht zurück: Er punktet mit einem jugendlichen, fast lausbubenhaften Grinsen.

Bei bisher vier Bewerbern - Grüne und "Wir" halten sich noch bedeckt - könnte es leicht zu einer Stichwahl nach dem 15. März 2020 kommen. Christmann äußert noch keine Prognose, Landrat Stefan Löwl (CSU) erklärt, "wichtig ist der Impuls aus der Stadt, dass man die Probleme gemeinsam lösen will". Der Garant dafür ist in Löwls Augen Peter Strauch. Der fragt in die Runde: "Was soll ich für Sie von 2020 bis 2026 tun?" Umgehungsstraße, Revolution im Bauamt, Busbahnhof, Mobilität für Ältere, so einige Antworten. Und eine: "Ich wünsche mir eine Kommunikation auf Augenhöhe. Das vermisse ich beim OB und der Verwaltung." Das gefällt Strauch. Er grinst fast wie ein Lausbub.

Der Herausforderer

Kommunalwahl 2020

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Die Dachauer CSU schickt den 45-jährigen Peter Strauch ins Rennen, um OB Florian Hartmann (SPD) den Chefsessel im Rathaus streitig zu machen.   Von Thomas Radlmaier