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Achtung, Radfahrer!:Wenn Felge auf Granit trifft

Fahrrradwege

Hohe Randsteine sind ein Ärgernis vor allem für Radfahrer.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Bordsteinkanten sind ein ewiges Ärgernis für Radfahrer. Kann man die Ränder nicht weiter absenken - oder ganz weglassen?

Es ruckelt und huckelt, es stolpert und holpert. Wo immer man in Karlsfeld auf dem Rad unterwegs ist, all zu locker sollten die Bandscheiben nicht sitzen. Immer wieder bekommt die Felge einen Schlag von einer Kante, die sich kaum abgemildert auf den Rücken des Radlers überträgt. Da schweift der Blick schon mal neidisch rüber auf die Münchner Straße, wo stoßgefederte SUVs über den feinen Asphalt gleiten. Warum kann man es den Radlern nicht so bequem machen wie den Autofahrern? Appellieren die örtlichen Politiker nicht ständig, man solle das Auto in der Garage stehen lassen und lieber öfter mal aufs Rad steigen? Aber dann werden dem Radfahrer überall Randsteine und Kanten in den Weg gebaut. Was soll das? Sitzen in den Rathäusern nur lauter Ahnungslose?

Der Leiter der Karlsfelder Verkehrsbehörde, Günter Rustler, kennt natürlich die Vorzüge nivellierter Randsteine. Nicht nur Radfahrer freuen sich darüber, auch Senioren mit Rollator, Eltern mit Kinderwagen und Rollstuhlfahrer. Zu den Verkehrsteilnehmern gehören aber auch Sehbehinderte. Ohne eine klare Kante, die sie mit ihrem Blindenstock ertasten, stehen sie schnell auf der Fahrbahn. Und das kann lebensgefährlich sein. Zur sicheren Orientierung müsste die Kante eigentlich sechs Zentimeter hoch sein, erklärt Rustler. Für Rollstuhlfahrer wäre das aber ein unüberwindbares Hindernis, und für den Radfahrer zumindest ein ärgerliches Hindernis, weshalb sich bei abgesenkten Wegkanten inzwischen ein lauer Kompromiss herausgebildet hat: Die Kanten werden auf drei Zentimeter absenkt. Wirklich glücklich ist damit keiner, aber alle können damit leben.

"Die bessere Lösung sind Riffelplatten", sagt Peter Reiz vom ADFC. Die könne man gefahrlos auf das Niveau der Straße absenken, ohne dass Sehbehinderte oder Blinde gleich dem nächsten vors Auto laufen. Statt einer Kante signalisiert die geriffelte Oberflächenstruktur den Sehbehinderten schon früh Achtung, hier ist gleich der Rand des Gehwegs erreicht. "Wenn wir irgendwo neu bauen oder die Straße umbauen, greifen wir auch auf diese Platten zurück", sagt Günter Rustler. Die Lösung des Problems ist also bereits im Gange. Das ist das Erfreuliche. Weniger erfreulich: Bis alle Kanten beseitigt sind, kann noch sehr viel Zeit vergehen.

Was dürfen Radler? Was dürfen sie nicht? Worauf müssen sie achten? Und was muss getan werden, damit Radler sicherer und komfortabler ans Ziel kommen? Die SZ hat mit einer Expertenrunde eine Radtour durch Karlsfeld unternommen. Mit dabei waren Peter Reiz, Mitglied des Landesvorstands im Radclub ADFC, Richard Wacht, Verkehrsexperte der Polizei Dachau, Günter Rustler, Leiter der Verkehrsbehörde in Karlsfeld und CSU-Fraktionschef Bernd Wanka als Verkehrsreferent im Gemeinderat.