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KZ-Gedenkstätte Dachau:Dachauer Stellenstreit weitet sich aus

Manfred Deiler, Präsident der Europäischen Holocaustgedenkstätte Stiftung, erhebt schwere Vorwürfe gegen Karl Freller. Wie der Streit ausgeht, ist offen.

Von Thomas Radlmaier, Dachau

Der Streit um die Nachbesetzung einer wichtigen Leitungsstelle an der KZ-Gedenkstätte Dachau weitet sich immer mehr aus. Manfred Deiler wirft Karl Freller vor, in seinem Amt als Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten versagt zu haben. Deiler ist Präsident der Europäischen Holocaustgedenkstätte Stiftung, der das Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers Kaufering VII gehört. In Bezug auf den Stellenstreit in Dachau attestiert Deiler Freller "unprofessionelles und dilettantisches Verhalten". In einer Mitteilung, welche die Europäische Holocaustgedenkstätte Stiftung auf ihrer Homepage veröffentlicht hat, schreibt Deiler: "Die verfehlte Personalpolitik des Stiftungsdirektors fügt der international renommierten KZ-Gedenkstätte Dachau und der gesamten Erinnerungskultur in Bayern nachhaltig Schaden zu."

Anlass von Deilers Kritik ist die umstrittene Nachbesetzung des Leitungspostens der Bildungsabteilung an der KZ-Gedenkstätte Dachau. Die Stelle ist seit Herbst vakant und war bis November 2020 ausgeschrieben. Nachdem sämtliche Bewerber aber weder Stiftungsdirektor Freller noch Gedenkstättenleiterin Gabriele Hammermann überzeugten, will Freller nun seine Büroleiterin Erika Tesar per Umsetzungsverfügung zur neuen Chefin der Bildungsabteilung machen. Der Personalrat und ein großer Teil der Belegschaft protestieren gegen die Personalentscheidung.

Rolle des Stiftungsrates wird entscheidend sein

Anders als Freller halten einige Insider Erika Tesar für die Stelle als ungeeignet. Tesar ist promovierte Politikwissenschaftlerin, hat aber keine pädagogische Qualifikation. Freller will Tesar die Stelle auch deshalb geben, um sie als Nachkomme von NS-Opfern in der Gedenkstätte einzubinden. Er fühlt sich dabei einem Beschluss des Stiftungsrates verpflichtet. Erika Tesars jüdischer Urgroßvater und zwei seiner Brüder wurden in Konzentrationslagern ermordet. Letztlich handelt es sich beim dem Stellenstreit in Dachau um einen Machtkampf zwischen Freller und Gedenkstättenleiterin Gabriele Hammermann. Wie dieser ausgeht, ist unklar.

Mit entscheidend wird sein, welche Position der Stiftungsrat in der Frage der Nachbesetzung einnehmen wird. Das Gremium besteht aus dreizehn Mitgliedern aus verschiedenen Bereichen der Landes- und Kommunalpolitik sowie aus Kirchen- und Opfergruppenvertretungen. Vorsitzender des Stiftungsrates ist Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler). Dessen Ministerium will den Sachverhalt insgesamt und das weitere Vorgehen der Stiftung Bayerische Gedenkstätten klären. Manfred Deiler, Präsident der Europäischen Holocaustgedenkstätte Stiftung, hofft, "dass es dem Stiftungsrat und Michael Piazolo gelingt, die Situation im Sinne aller Beteiligten zu entschärfen und dass zum offiziellen Bewerbungsverfahren zurückgekehrt wird."

© SZ vom 01.03.2021
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