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Corona in Dachau:Bundeswehr hilft dem Gesundheitsamt

Die Corona-Zahlen im Landkreis steigen weiter und nähern sich der dunkelroten Risikokategorie. Für die Behörden wird es schwieriger, alle Infektionsketten nachzuvollziehen. Nun kommt Verstärkung.

Von Thomas Radlmaier, Dachau

Das Gesundheitsamt Dachau gerät wegen steigender Coronafallzahlen bei der Nachverfolgung von Infektionsketten zunehmend an seine Grenzen. Die Behördenmitarbeiter können nach Angaben des Landratsamtes circa ein Drittel der neuen Infektionen nicht mehr eindeutig nachvollziehen. Von diesem Montag an unterstützen deshalb sechs Bundeswehrsoldaten das Gesundheitsamt. Sie sollen unter anderem das Dachauer Contact Tracing Team (CTT) verstärken, "um die deutlich gestiegenen Fallzahlen und die damit verbundenen Kontaktermittlungen sowie die anschließende Kontaktpersonenbetreuung sicherzustellen", heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamtes. Außerdem hat die Regierung von Oberbayern dem Landratsamt vier zusätzliche Planstellen zur Verstärkung des CTT zugewiesen. Die Stellen sollen so schnell wie möglich besetzt werden.

Das Landratsamt bewertet die Corona-Lage im Landkreis insgesamt als "weiterhin sehr dynamisch und äußerst angespannt". Das Infektionsgeschehen sei "weiterhin äußerst diffus". Landrat Stefan Löwl (CSU) warb am Sonntag erneut um Verständnis für die Einschränkungen. Im Landkreis sei man zwar weit von einer Situation wie in Berlin entfernt, wo die Behörden mit der Kontaktverfolgung nicht mehr hinterherkommen. Es werde aber für das Gesundheitsamt schwieriger, die Neuinfektionen eindeutig zuzuweisen, da es mehr würden. Als Beispiel nannte Löwl einen Fall, der schon rund zwei Wochen zurückliegt. Ein infizierter Schüler sei in der Schule in zwei verschiedenen Gruppen und in der Mittagsbetreuung gewesen. Zudem sei er im Sportverein aktiv. Insgesamt habe der Schüler 96 Kontaktpersonen gehabt. Irgendwann seien die Ressourcen des Gesundheitsamts erschöpft, so Löwl. Deshalb seien die Kontaktbeschränkungen derzeit so wichtig. "Wenn wir die Ketten irgendwann nicht mehr nachvollziehen können, dann müssen wir sie brechen. Das bedeutet dann einen Lockdown."

Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt in Dachau kontinuierlich an

Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt im Landkreis kontinuierlich an und lag am Sonntagnachmittag (Stand, 16.30 Uhr) bei 91,03 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern. Damit erhöhte sich der Wert im Vergleich zum Samstag um mehr als zehn Punkte. Zum Schwellenwert von 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern ist es nicht mehr weit. Dann springt die Bayerische Corona-Ampel von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) von "Rot" auf "Dunkelrot". Söders Farbenlehrer zufolge gilt in Landkreisen, welche die 100er Marke überschreiten, bei Veranstaltungen ein maximales Limit von 50 Teilnehmern. Zudem wird die Sperrstunde in der Gastronomie auf 21 Uhr vorverlegt. Aktuell zeigt die Corona-Ampel im Landkreis Dachau "Rot". Die Sperrstunde ist nach wie vor um 22 Uhr. Private Feiern sind auf maximal fünf Personen oder zwei Haushalte begrenzt. Aufgrund der steigenden Zahlen prüfen der Landkreis und die Kommunen derzeit die Möglichkeit, per Allgemeinverfügung eine Maskenpflicht an öffentlichen Plätzen anzuordnen, beispielsweise an den Verkehrs- und Begegnungsflächen an Bahnhöfen oder in Einkaufsstraßen und rund um Einkaufszentren.

Das Landratsamt hat die bekannten Fälle der vergangenen Tage dahingehend ausgewertet, wo sich die Menschen infiziert haben. Demnach steckten sich 46 bei einer Person aus dem gleichen Haushalt an. Acht infizierten sich am Arbeitsplatz und vier in einem Sprachkurs. Vier Ansteckungen gab es durch familiäre Besuche und sechs bei drei verschiedenen privaten Feiern. Fünf Fälle gehen auf Infektionen in Schulen zurück. Dem Gesundheitsamt sind elf Fälle bei Reiserückkehrern aus Rumänien, dem Kosovo, Bosnien, Italien, USA, Spanien und Albanien bekannt. 42 Ansteckungen sind nach Angaben des Landratsamts nicht ermittelbar. 22 neue Fälle vom vergangenen Freitag waren am Wochenende in Bearbeitung.

Ein weiterer Todesfall

15 Prozent der Menschen, die sich in den zurückliegenden Tagen neu infiziert haben, sind unter 18 Jahren. Insgesamt sind nach Angaben des Landratsamtes aktuell Menschen im Alter von einem Jahr und drei Monaten bis hin zu 87 Jahren betroffen. "Der Gesundheitszustand der meisten infizierten Personen ist derzeit glücklicherweise größtenteils gut, oft sogar asymptomatisch. Es gibt allerdings auch immer wieder schwerere Verläufe, insbesondere wenn die betroffenen Personen einer der bekannten Risikogruppen angehören", so die Behörde. Im Helios Amper-Klinikum Dachau werden nach aktuellem Stand (Freitagnachmittag) sechs Patienten aufgrund einer Coronainfektion behandelt, eine Person davon auf der Intensivstation.

Insgesamt sind dem Gesundheitsamt aktuell (Stand, Sonntag um 16.30 Uhr) 1562 Fälle bekannt, davon gelten 1325 als genesen. 199 Menschen sind aktuell infiziert. Bereits am Freitag teilte das Landratsamt mit, dass ein Landkreisbürger mit einer bestätigten Covid-19-Infektion verstorben ist. Die Anzahl der im Zusammenhang mit Corona verstorbenen Menschen im Landkreis erhöht sich damit auf 38.

© SZ vom 26.10.2020

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