Kneipe Glockenbachviertel "Couch Club" Neu eröffnet - und schon durchgesessen

Die Gäste können auf alten Sofas, kleinen Sitzwürfeln oder Barhockern an der langen Theke Platz nehmen.

(Foto: Robert Haas)

Alte Sofas, Fußballer in zu kurzen Hosen und nur noch wenige Vegetarier: Der Couch Club in der Klenzestraße macht vieles anders als sein Vorgängerlokal Kopfeck, aber nicht minder gut.

Von Lisa Sonnabend

Dass im Frühjahr das Kopfeck dichtmachte, haben Münchens Vegetarier bis heute nicht verwunden - und sogar mancher Fleischfreund trauert dem veganen Lokal noch immer hinterher. Im Kopfeck in der Klenzestraße 89 konnte man in unkonventioneller Atmosphäre Bier trinken, Soja-Gyros oder Tofuschnitzel essen, während aus den Lautsprechern laut die Ramones oder Black Flag ertönten.

Nun hat in den Räumen ein neues Lokal aufgemacht: der Couch Club. Vieles ist anders als im Kopfeck, manches ähnlich. Vegetarisch schlemmen können die Gäste nun nicht mehr, lediglich ein paar Pizzen gibt es im Angebot. Statt Punk und Hardcore laufen bekannte Indie-Rocksongs, vor allem aus den neunziger Jahren: von Smashing Pumpkins über Green Day bis zu Muse.

Neues Lokal, alte Sofas

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Die Atmosphäre jedoch ist ähnlich entspannt geblieben. Der Couch Club ist gemütlich eingerichtet. Die Gäste können auf alten Sofas, kleinen Sitzwürfeln oder Barhockern an der langen Theke Platz nehmen. Das Licht ist schummrig. Die rauen, unverputzten Wände sind in einem Goldton überstrichen. In dem kleinen Raum im hinteren Bereich der Bar gibt es eine Fototapete: mit Schwarz-Weiß-Bildern von Fußballern in zu kurzen Hosen, rauchenden Rockstars oder zerquetschten Bierdosen. In diesem Raum steht auch ein Kickertisch, jeden Mittwochabend ist Stammtisch für die Tischfußballer. Am Sonntagabend wird - wie auch schon im Kopfeck - Tatort übertragen.

Alexander Schwarz und Katharina Rabus betreiben den Couch Club. Schwarz gehört auch die Bar Niederlassung in der Buttermelcherstraße, nur wenige hundert Meter entfernt von dem neuen Lokal. "Wir haben den Couch Club nicht eröffnet, um noch mehr Geld zu scheffeln", sagt der Gastronom. "Wir wollen neue Ideen umsetzen."

Deswegen der Kickertisch. Deswegen Tatort. Deswegen eine große Spirituosenauswahl. Und deswegen der Retro-Schick, der bald noch mehr Retro werden wird. Schwarz und Rabus wollen in den kommenden Wochen noch ein paar zusätzliche alte Sofas und alte Leuchten besorgen.

Eine Sorge dürften die Betreiber des Couch Clubs allerdings haben. Das Kopfeck machte unter anderem deswegen dicht, weil zu wenig Laufkundschaft sich in diesen ruhigen Teil der Klenzestraße verirrte. Hier liegen nicht wie sonst im Glockenbachviertel zahlreiche Bars gleich nebenan, keine U-Bahn hält vor der Eingangstür. Schwarz meint, das Problem sei ihnen bewusst. "Ich bin eher überrascht, dass überhaupt immer mal wieder Passanten stehen bleiben und neugierig hineinschauen."

Nicht selten sind es Vegetarier, die noch nicht mitbekommen haben, dass das Kopfeck inzwischen geschlossen hat. Sie blicken dann ein wenig verwundert, was aus ihrem Kopfeck geworden ist, setzen sich auf eines der alten Sofas und bestellen Pizza - natürlich ohne Schinken und Salami. Und manche fühlen sich trotzdem richtig wohl.