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Amateur-Derby in München:Warum der Polizeieinsatz übertrieben war

Bayern Muenchen II v TSV 1860 Muenchen II  - Regionalliga Bayern

Riesiges Polizeiaufgebot während des Regionalliga-Derbys - nicht nur in Giesing, sondern auch auf dem Rasen.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Das Amateur-Derby zwischen dem FC Bayern und den Löwen ist nicht gefährlicher als andere Großveranstaltungen. Die Polizei übertreibt es mit ihrem massiven Aufgebot - wohl auch, um Argumente zu sammeln gegen die Rückkehr der Löwen ins Grünwalder Stadion.

Ein Kommentar von Andreas Glas

138-mal musste die Polizei eingreifen, es gab 24 Fälle von Körperverletzung, zwei verletzte Polizisten, 16 Wunden mussten genäht werden und 37 Personen hatten eine Alkoholvergiftung. Diese Zahlen stammen aus der jüngsten Oktoberfest-Bilanz der Polizei und schildern einen ziemlich durchschnittlichen Tag auf der Wiesn. Was die Zahlen mit dem Amateur-Derby zu tun haben? Nichts. Aber sie helfen dabei, das Tamtam einzuordnen, das die Polizei am Montag rund ums Grünwalder Stadion veranstaltet hat. Und sie zeigen, dass das Derby bestimmt nicht gefährlicher ist als andere Großveranstaltungen.

Die Polizei weiß das natürlich. Nur weiß sie eben auch, dass viele nicht einschätzen können, ob es nun viel oder wenig ist, wenn bei einem Fußballspiel zwölf Leute festgenommen werden wie am vergangenen Montag. Vielen Münchnern dürfte es deshalb schlüssig vorgekommen sein, dass die Polizei halb Giesing zur Sicherheitszone erklärt hat, um rund ums Derby mit sagenhaften 1200 Kräften anzurücken - das waren dreimal so viele wie beim vorherigen Derby im August. Dieser übertriebene Aufmarsch sollte wohl eine Botschaft verbreiten: Es wird immer schlimmer!

Aber stimmt das? Mitnichten. Im Polizeibericht vom August-Derby ist zwar die Rede von fünf Festnahmen "wegen Landfriedensbruch", doch außer "Flaschen- und Gläserbruch" ist sonst kaum etwas vermerkt. Und die Diagnose der Polizei, das Amateur-Derby entspreche "zunehmend dem Charakter eines Bundesligaspiels", rechtfertigt den Einsatz erst recht nicht, sind doch bei Profi-Spielen in der Arena nicht halb so viele Polizisten da. Was also steckt hinter der Derby-Hysterie? Gut möglich, dass die Polizei Scheinargumente sammelt gegen die Idee, die OB Reiter zuletzt ins Spiel gebracht hat: die Rückkehr der Löwen-Profis nach Giesing. Der Montag hat gezeigt, dass es eine gute Idee ist - und das Derby kein Sicherheitsrisiko.

© SZ vom 08.04.2015/vewo
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