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Café Voilà:Von der Corvette zum Kinderwagen

Cafe Voilˆ, Lokale Größe

Ein bisschen wie ein Wiener Kaffeehaus: Das Voilà in der Wörthstraße in Haidhausen.

(Foto: Florian Peljak)

Einst mondänes Kaffeehaus, dann Rockerkneipe, heute gemütliches Stadtteillokal und Mütter-Treff: Das Voilà bleibt sich über all die Jahre treu.

Wer Wien liebt, kennt sicher auch den Zustand, von der schläfrigen Atmosphäre der dortigen Kaffeehäuser absorbiert zu werden. Stunden, ja Tage kann man dort an einer Melange nippend und mit Zeitungsseiten raschelnd vertändeln. Mittags gibt es eine günstige, nahrhafte Mahlzeit wie Bratkartoffeln mit Spiegelei oder Tiroler Gröstl, danach wieder Kaffee, dann ein Bier, dann ein Schnitzel. Die Zeit rennt nicht, sie plätschert.

Das Voilà an der Wörthstraße hat zwar einen französischen Namen, in seinem großen Saal fühlt man sich aber wie in einem Wiener Kaffeehaus. Im 19. Jahrhundert fand sich hier im "Franzosenviertel" wohl Haidhausens Mittelschicht unter Kronleuchtern, Stuck und Glaskuppel zum Kränzchen zusammen. Damals war Haidhausen noch nicht frisch gentrifiziertes Gebiet, sondern ein Glasscherbenviertel - ein dicht besiedeltes Gebiet vor allem für die ärmere Bevölkerung. Heute werden hier gerade die letzten Altbauten saniert. Die Attraktivität des Viertels steigt und steigt. Haidhausen zählt zu einer der begehrtesten Wohnlagen Münchens.

Und das Voilà? Es wird wohl auch diese Veränderung überleben. Schließlich hat es schon so einiges mitgemacht. Bis 1993 fuhr zum Beispiel der damalige Betreiber, der bekannte Münchner Gastronom Kurt Müller, mit Goldkettchen und Corvette vor, um im Voilà seine szenig-rockigen Gäste zu begrüßen. Seit 1994 führt die Familie Fafal die Geschäfte: drei Brüder und ihre Mama - die als Porträt an der Wand über allem wacht. Die Mama ist übrigens auch Namensgeberin von "Mamas Kebap Haus" an der Feilitzschstraße, das die Fafals bis 1996 betrieben haben.

Als wir das Voilà vor 17 Jahren übernahmen, haben wir Küche, Keller und Böden grundlegend saniert. Wir wollten aber auch den nostalgischen Charme bewahren und haben deshalb die fünf alten Kronleuchter hängen lassen", sagt Serhat Fafal, der jüngste der drei Brüder.

Cafe Voilˆ, Lokale Größe

Die lokale Größe in der Wörthstraße.

(Foto: Florian Peljak)

Heute verströmt das Voilà mit seiner Einrichtung aus dunklen Holzmöbeln, einer durch den halben Raum laufende Ledersitzbank, der Spiegelzeile an der Wand und der massiven, langen Holztheke unaufgeregte Gastlichkeit. Es ist ein Lokal mit Patina und Augustiner-Bier, in dem sich Menschen von unterschiedlichem Schlag und Alter wohl fühlen.

"1994, als wir das Voilà eröffneten, wollten meine Freunde mich hier gar nicht gerne besuchen. ,Was sollen wir denn hier? Hier ist doch nichts los', haben sie gesagt", erinnert sich Fafal. Damals habe es an der Nachbarschaft neben dem Voilà nur noch das Juleps in der Breisacher Straße gegeben. Jetzt stolpert man in der Wörthstraße und Umgebung alle paar Meter über ein Café oder Restaurant.