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Bungalows im Münchner Olympiapark:Paradies auf den zweiten Blick

Das Münchner Olympiadorf ist ein städtebauliches Ensemble von Weltrang. Nach den Spielen von 1972 wollte erst niemand einziehen, doch mittlerweile kämpfen die Bewohner hartnäckig um den besonderen Charme ihrer Idylle - nicht zuletzt mit der Landeshauptstadt.

Wenn gefragt würde, welche Olympiabauten von 1972 zum Symbol Münchens geworden sind, würden die meisten vermutlich als erstes das Olympiastadion nennen, das mit seinem kühnen Zeltdach tatsächlich eines der Wahrzeichen der Stadt ist. Und an zweiter Stelle den gesamten Olympiapark, dieses Musterbeispiel gelungener Landschaftsgestaltung. Das olympische Dorf hingegen würde kaum einer spontan zu jenen Errungenschaften der Spiele zählen, die München bis heute etwas Einzigartiges verleihen.

Bungalows im Olympiadorf in München, 2012.

Das Olympische Dorf von 1972 ist ein bedeutendes architektonisches und städtebauliches Denkmal, weswegen es seit 2001 unter Ensembleschutz steht.

(Foto: Florian Peljak)

Dabei stecken im Münchner Olympiadorf möglicherweise mehr visionäre Ideen als in den gesamten olympischen Sportstätten. Im Grunde ist das olympische Dorf sogar ein städtebauliches Denkmal von Weltrang, weswegen es seit 2001 auch unter Ensembleschutz steht. Denn mit dem olympischen Dorf wurde ein geradezu revolutionärer städtebaulicher Ansatz in die Tat umgesetzt, der erstaunlicherweise später nirgendwo auf der Welt kopiert wurde: ein ganzes Stadtquartier für mehrere tausend Bewohner zu schaffen, in dem die Autos komplett von Fußgängern und Radfahrern abgetrennt wurden. Autos fahren im olympischen Dorf in einer eigenen unterirdischen Ebene, an der Oberfläche gibt es somit keinen Verkehr, die Wege und die großzügigen Grünflächen gehören ganz und gar den Bewohnern.

Ein Paradies vor allem für Familien mit Kindern, denn kein Olympiadorf-Bewohner braucht sich Sorgen zu machen, dass sein Kind auf dem Weg zum Kindergarten oder zur Grundschule (die natürlich auch im Dorf liegen) unter ein Auto geraten könnte.

Allerdings, und das erklärt womöglich, warum das Olympiadorf so ein bisschen unter Wert gehandelt wird, ist es ein Paradies auf den zweiten Blick. Ein Paradies, das auf denjenigen, der nicht dort wohnt, erst einmal abweisend wirkt, mit den Hochhäusern am Helene-Mayer-Ring als optischem Sperrriegel. Und mit den unterirdischen Fahrstraßen, die auf Besucher wie eine riesige Tiefgarage wirken, in der man nur schwer einen Parkplatz findet.

Man muss schon zu Fuß ins Dorf hineingehen, um den Charme und den enormen Wohnwert des Entwurfs der Planer zu begreifen: Die Anlage öffnet sich wie die gespreizten Finger einer Hand nach Westen, dadurch entstehen riesige Grünflächen zwischen den Häusern. Die besonders begehrten Wohnungen in den Terrassenbauten sind hell und haben Balkone von enormer Größe. Und durch die Mischung der Terrassenhäuser mit Flachbauten und Bungalows hat das Olympiadorf nichts von der baulichen Monotonie anderer Großsiedlungen. Außerdem sind auf diese Weise Wohnungen mit ganz unterschiedlichen Grundrissen entstanden.

Doch auch für die Bewohner selbst war der zweite Blick notwendig. Denn am Anfang war das Olympiadorf eine große Betonwüste. Es brauchte schon viel Phantasie, um sich vorzustellen, wie es hier aussehen würde, wenn das üppige Grün, das die Planer vorgesehen hatten, erst einmal richtig eingewachsen sein würde. Und diese Phantasie hatten am Anfang nur ganz wenige.

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