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Hirschau:Alles im grünen Bereich

Im Restaurant und Biergarten Hirschau ist es zwar nicht ganz billig. Aber das Essen wie das Ambiente sind ansprechend.

(Foto: Robert Haas)

In der Hirschau kommt klassische bayerische Kost auf den Tisch, die einen Besuch wert ist - nicht nur wegen der Lage im Englischen Garten.

Münchens größter Garten ist der Englische Garten, der populärste, gemessen an der schieren Zahl von Google-Einträgen, jedoch ein anderer: der Biergarten. Doch es wäre falsch, daraus zu schließen, es gäbe eine Art gärtlerischer Konkurrenz. Im Gegenteil: Beide gehören zusammen, seit vor 200 und ein paar zerquetschten Jahren Park wie Freiluftschank ganz offiziell per Dekret entstanden.

Weil eine frische Mass an frischer Luft bekanntlich viel gesünder ist, breiten sich im Englischen Garten vier große, geschichtsträchtige Biergärten aus. Der jüngste unter ihnen, auch schon 175 Jahre alt, ist die Hirschau. Der Name erinnert zwar an den herzoglichen Hirschanger, der sich an den Isarauen entlangzog. Die Gaststätte verdankt ihre Existenz nicht der grünen Umgebung, sondern der eher grauen Industriegeschichte Münchens. Wo heute Wiesen grünen, rauchten seit 1838 die Schlote des Maffei'schen Maschinenfabrik. Hier entstand Bayerns erste Dampflok, und es sollten in den kommenden hundert Jahren noch 5000 weitere werden.

Ein 13-Stunden-Tag ist nur mit Bier zu bewältigen

Ein Gastwirt erkannte, dass die Arbeiter ihren 13-Stunden-Tag nur mit Hilfe von reichlich nährendem Bier bewältigen würden, und öffnete, quasi als Kantine, die Schenke "Zum Hasenstall". Bald schon gesellten sich Ausflügler zu den Metallern, seither ging es dem Lokal und seinem Biergarten meist aufwärts, in neuerer Zeit auch ein wenig abwärts. Vor zwei Jahren übernahmen der Wiesnwirt Ludwig "Wiggerl" Hagn und seine Tochter den Laden und modernisierten ihn, aber dem Augenschein nach so, dass der traditionelle Biergarten ein traditioneller Biergarten bleibt.

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Also scheint die Sonne auf eine Kiesfläche, auf der stolze, allerdings nicht sehr zahlreiche Kastanien wenig Schatten spenden - sehr angenehm an Tagen, an denen Besucher die Sonnenwärme suchen, an heißen Sommertagen freilich flüchten sich viele unter die Schirme. Mitten unter den Tischen liegen die Dielen des Tanzbodens, auf der Bühne spielt regelmäßig, live und für empfindsame Ohren manchmal zu laut Dixieland, Rock und Blasmusik, in wechselnder Qualität, aber das Bier der Marke Löwenbräu ist davon nicht sauer geworden. Es wurde, wie einige familienfreundliche Fruchtsaftschorlen, als Mass und als Halbe ordentlich ausgeschenkt.

Radi und Obazda, Haxn, Schnitzel, Knödel und Pommes frites

Das war auch nötig, denn der Steckerlfisch von der Fischer-Vroni, der in Form einer Makrele (2,90 Euro für 100 Gramm) neben einer Hütte am Eingang über der Kohle dampfte, war zwar schön saftig, allerdings schon etwas arg großzügig in Salz gewendet. Das fördert bekanntlich den Bierkonsum. Die Brotzeitstände im Anbau des Haupthauses bieten das in Biergärten Übliche - und ein bisschen mehr: Radi und Obazda, ein bisschen unansehnlich, aber selbstbedienungsgerecht unter Plastikfolie gepackt, Haxn, Schnitzel, Knödel und Pommes frites, dazu ein Salatbuffet mit, um ein Beispiel zu nennen, einem knackigen, frischen Krautsalat. Das Fleischpflanzl (2,50) war ein gutes und gut gewürztes Trumm, der vorzügliche Kartoffelsalat (2,50) gewärmt, wie es sich gehört.

Im Restaurant mit seinen zwei Terrassen - eine überblickt den Biergarten, die andere, nun ja, teilweise den Parkplatz - hat die Küchencrew etwas mehr Ehrgeiz. Die Karte wechselt nach Saison und geht etwa vom Spargel über die Matjes in die Schwammerl. In den großen Mittagssalat mit Putenstreifen kamen reichlich Erdbeeren - mit der fruchtigen Soße dazu war das ein bisschen zu süß gemeint. Den Schweinsbraten (12,80) gibt es natürlich immer, zwei große Scheiben lagen auf dem Teller, saftig und zart mit krachender Kruste. Die Kartoffelknödel dazu waren angenehm locker - und deutlich kleiner als die Bälle, die auf den Tennisplätzen nebenan geschlagen werden. Die Soße freilich, einziges, aber deutliches Manko, animierte wieder zum Biergenuss.

Der Tafespitz wird zelebriert

Das Rib-eye-Steak vom Hochlandrind (je nach Größe 15 bis 24,50 Euro) hatte ein paar Flachsen zu viel, dafür aber einen schön kräftigen Eigengeschmack, das Grillgemüse dazu war angenehm al dente. Den Tafelspitz schließlich zelebrierten sie hier: Im großen Topf schwammen zwei große Teile Fleisch - in unserem Falle Kalb - in einer, wie sich herausstellen sollte, vorbildlich kräftigen Bouillon. Davon gab die überaus freundliche Kellnerin einige Kellen in ein kleineres Schälchen mit der Grießnockerlsuppe.

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Deckel wieder drauf auf den großen Topf - denn während man das Süppchen schlürfte, würde der Koch den Wirsing und die Bratkartoffeln zum Fleisch erst noch frisch zubereiten. Der Wirsing war in der Tat ganz unbayerisch knackig, ein Stück des zarten Fleisches allerdings bereits gegessen - die Beilagen hatten doch etwas lange auf sich warten lassen. Dennoch: Es war seinen gar nicht niedrigen Preis (22 Euro) durchaus wert.

Die Preise entsprechen ohnehin der Lage, der Blick ins Grüne des Englischen Gartens war nie ganz billig. Die Halbe Bier kostet an der Schänke 3,90, im Bedienbereich 20 Cent mehr.