Kunstkraftwerk Bergson:Münchens großer neuer Kulturort erwacht

Kunstkraftwerk Bergson: Noch wird gewerkelt am und im "Kunstkraftwerk Bergson", doch Mitte April zieht Leben ein in das ehemalige Aubinger Heizwerk.

Noch wird gewerkelt am und im "Kunstkraftwerk Bergson", doch Mitte April zieht Leben ein in das ehemalige Aubinger Heizwerk.

(Foto: Robert Haas)

Das lang erwartete "Kunstkraftwerk Bergson" eröffnet im April in Aubing. Was in der ehemaligen Industrieruine in den ersten Wochen geboten ist.

Von Bernhard Blöchl

Die Kulturszene hat zuletzt ungeduldig darauf gewartet, nun ist es soweit: Im Münchner Westen öffnet im April das "Kunstkraftwerk Bergson" seine Pforten. Was da in Aubing in den vergangenen Jahren aus der Ruine des ehemaligen Heizwerks erwachsen ist, ist der wohl größte und innovativste Kulturort, den Bayern derzeit zu bieten hat. Oder wie der Spiritus rector Michael Amberger auf einer Pressekonferenz sagte: "pures Abenteuer". Sein Traum sei "ein Platz, an dem Hoch- auf Subkultur trifft", wo sich Opern-Aficionados und Poetry-Slammer begegnen.

Spannung und Vorfreude sind auch deshalb so groß, weil es zuletzt kleine Verschiebungen beim Timing gab. Die Allguth-Brüder Michael und Christian Amberger hatten diesen von Techno-Raves und Partys gezeichneten Lost Place 2005 erworben und Schritt für Schritt zur großen Vision hochgejazzt. Am kühnen Plan, im Oktober 2023 zu eröffnen, hielten die Tankstellenbetreiber lange fest. Gebaut wurde seit dem Pandemiejahr 2021, Richtfest war im Sommer 2023. Der Januar-Termin 2024 konnte zwar ebenfalls nicht gehalten werden, aber immerhin gab es, sozusagen als Vorgeschmack auf das kommende Bergson-Programm, ein Pop-up-Angebot im Gebäude des Münchner Rathauses am Marienplatz.

Kunstkraftwerk Bergson: Spiritus rector und Unternehmer Michael Amberger träumt von einem "Platz, an dem Hoch- auf Subkultur trifft", wo sich Opern-Aficionados und Poetry-Slammer begegnen.

Spiritus rector und Unternehmer Michael Amberger träumt von einem "Platz, an dem Hoch- auf Subkultur trifft", wo sich Opern-Aficionados und Poetry-Slammer begegnen.

(Foto: Georg Stirnweiss)

Nun aber zieht schrittweise Leben ein in das 20 000 Quadratmeter große Areal in Aubing, auf dem sich die sensibel modernisierte und unter Denkmalschutz stehende Industrieruine aus den Zwanzigerjahren und der Bergson-Neubau befinden, beides nach Entwurf des Architektenbüros Stenger 2. Der "Elan vital", dem der Namenspatron und französische Philosoph Henri-Louis Bergson im frühen 20. Jahrhundert viele Gedanken widmete, soll für jedermann spürbar werden. Zwar wird am und im Kunstkraftwerk in diesen Tagen noch gebohrt, gehämmert und geschraubt, Restaurant-Möbel werden angeliefert. Aber die "gestaffelte Eröffnung" von April bis Oktober soll auch eine dramaturgische Wirkung haben.

Und damit beginnt der Eröffnungsreigen: Wie es sich für ein Projekt dieser Dimension gehört, wird gleich mehrmals eine "Housewarming Party" gefeiert: An fünf Abenden, 9. bis 13. April, sollen Besucher bei Electronic Dance Music und Drinks warm werden mit dem Bergson.

Die vielleicht spektakulärste Veranstaltung im April ist das immersive Party-Konzert "Bergson's Rise" (mehr als zehn Termine ab 20. April). Hier kann das "Bergsonians" genannte Team zeigen, was es damit meint, Kultur für alle permanent erlebbar zu machen. "Interaktionen und Inspiration" unter einem Dach, wie Michael Amberger sagt. Die zum Orchestra in Residence geadelte Jazzrausch Bigband mit dem Künstlerischen Leiter Roman Sladek spielt zum Teil mitten im Publikum, während das 25 Meter hohe Atrium von einer Lichtshow in Szene gesetzt wird.

Kunstkraftwerk Bergson: Roman Sladeks famose Jazzrausch Bigband ist das Orchestra in Residence im Bergson. Sladek (unten rechts) ist zudem Artistic Director im Bergson.

Roman Sladeks famose Jazzrausch Bigband ist das Orchestra in Residence im Bergson. Sladek (unten rechts) ist zudem Artistic Director im Bergson.

(Foto: Sebastian Reiter)

Sladek betont den Stellenwert von Eigenproduktionen wie dieser. Das Bergson wolle explizit "Hersteller von kulturellen Inhalten" sein; neben Gastspielen sollen deshalb vor allem auch die Künstler der Region zum Zuge kommen. Allein die regelmäßig eingebundenen "Bergson Artists" bestehen aus 100 Münchnerinnen und Münchnern.

Auch erste Tanz-, Theater- und Live-Musik-Abende sind bereits eingetütet, außerdem Familienerlebnisse wie "Peter und der Wolf" mit Mitgliedern des Bayerischen Staatsorchesters und Crossover-Events wie Kultur-und-Kulinarik-Erlebnisse.

Gastro spielt sowieso eine große Rolle. Das Restaurant Zeitlang eröffnet am 10. April, Reservierungen sind ab 13. April möglich, versprochen wird "Fine Dining mit lässiger, ungezwungener Atmosphäre". Zusätzlich locken mehrere Bars und, im Sommer, ein Biergarten. Das kulinarische Bergson-Team leitet Christopher Engel (Hotel Vier Jahreszeiten), der angeblich schon für Madonna und die Rolling Stones gekocht hat.

Insgesamt arbeiten bereits mehr als 50 Mitarbeiter und 20 Aushilfen im Bergson, weitere Dutzende Arbeitsplätze sollen entstehen. Programmdirektor ist der Ex-BR-Journalist Maximilian Maier. Er wolle "ein möglichst breites Publikum" ansprechen.

Nach und nach sollen deshalb auch der Live-Club im Keller des Altbaus ("Barbastelle", im Juni) und der moderne Konzertsaal mit Platz für bis zu 500 Personen im Neubau (Anfang Oktober) belebt werden. Am 7. Mai wird zudem die Galerie im Silo und Atrium eröffnet. Gezeigt werden zunächst Werke der Künstlerin Monira Al Qadiri aus Berlin, die bereits Einzelausstellungen in China und den USA hatte und im Haus der Kunst zu sehen war. Im Neubau, auf vier Etagen, folgt dann im Juli eine Gruppenausstellung. Mit insgesamt etwa 2000 Quadratmetern soll so die laut Bergson "größte Galeriefläche in Deutschland" bespielt werden.

Kunstkraftwerk Bergson: Alter Industriecharme trifft auf moderne Architektur: Einblick in den Altbau des Bergson, wo das Zwischengeschoss "Beletage" ebenfalls bespielt werden soll.

Alter Industriecharme trifft auf moderne Architektur: Einblick in den Altbau des Bergson, wo das Zwischengeschoss "Beletage" ebenfalls bespielt werden soll.

(Foto: Benjamin Günther/Bergson)

Eine eigene Akademie mit Vorträgen und Diskussionsrunden startet im Juni. Bereits am 18. April gibt es ein Podium über die Münchner Kulturszene, unter anderem mit Kulturreferent Anton Biebl und Serge Dorny, Intendant der Bayerischen Staatsoper.

Bei all den Verlockungen, die die Brüder Amberger mit ihrem Großprojekt fortan laufend bieten, fragen sich dennoch einige: Wird das Publikum mitziehen? Wird nicht nur das Umland nach Aubing kommen, sondern auch City-Menschen, möglichst in Massen und regelmäßig? Aubing ist der westlichste Stadtteil Münchens, vom Marienplatz fährt man mit der S-Bahn knapp 20 Minuten bis zur Station Langwied, danach sind es noch sieben Minuten zu Fuß.

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