Bar Heiliggeist 1 Treffpunkt für Boazn-Stammgäste und Hipster

Sie ist nicht groß, eher eine Art Mikrokosmos: Jeder kommt schnell mit jedem ins Gespräch in der Heiliggeist 1 Bar.

(Foto: Stephan Rumpf)

Als das Heiliggeiststüberl am Viktualienmarkt dicht machte, starb eine weitere Boazn. Im Nachfolger gibt es die Rüscherl noch immer - und Frozen Joghurt nebenan.

Von Anna Günther

Jede Boazn, die in der Stadt schließt, wird besonders von den jungen Münchnern mit einem Abgesang auf die Kneipenkultur betrauert. Dabei haben sie die Wahl zwischen zahllosen Cafés, Bars und Clubs. Die Stammgäste aber verlieren einen Lieblingsort - oft für immer. Die neuen Betreiber der Heiliggeist 1 Bar wollen genau das verhindern. Wenige Monate nach der Schließung im April 2015 öffnete das Heiliggeiststüberl am Viktualienmarkt wieder, mit neuem Look und anderem Namen.

Die dunkelgrünen Markisen draußen versprechen Prosecco, Wein, Kaffee und Bier. Im Innern ist die Dekoration verschwunden und mit ihr der Staub der Jahrzehnte. Über der Bar hängen Kronleuchter. Unverputzte Backsteinwände, Tageszeitungen mit Leseschiene und grob abgeschliffene Holzbänke erinnern an Hipsterviertel in New York. Das Holz ist bayerisch, bis zu 300 Jahre alt und stammt aus einem Stadel am Staffelsee.

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Die Elektro-Pop-Musik wäre früher bei Wirtin Bobby wohl nicht gelaufen. Nach 40 Jahren musste die Wirtin des Heiliggeiststüberls schließen, der Pachtvertrag wurde nicht verlängert. Wieder verfluchten viele die Gentrifizierung und trauerten über das Ende einer urmünchnerischen Boazn, die Medien stimmten den Schwanengesang an.

Das Team des Heiliggeist 1 will nun den Spagat schaffen zwischen altem und jungem München. Die Tafeln an der Wand bieten "Coffee to stay" und verschiedene Weine (4,20 - 7,90 Euro), aber auch Rüscherl (3,50 Euro), Bier (3,80 Euro) und Jacky-Cola (7,50 Euro). Specials sind Flying Hirsch (Jägermeister-Bull, 5 Euro), Schwuler Hirsch (Jägermeister-Baileys) oder Schwuler Heiliger Geist (Eierlikör-Baileys). Nebenan gibt's Smoothies und Frozen Joghurt - Leibspeisen der Hipster-Generation. Die Bar gehört nun zum Eisladen "Binis", draußen sitzen an diesem Sommerabend Teenies neben Geschäftsleuten im Schatten der Heiliggeistkirche und essen Eis.

Aber sind die Stammgäste geblieben? Knapp ein Jahr nach der Neueröffnung ist man überrascht: Alt und neu scheint sich gut zu vertragen. Zwei einsame Seelen weit über 50 beschnuppern sich eher wortkarg, ein Gast lässt sein Weißbier auf der Theke stehen und verschwindet. Nach fünf Minuten kommt der alte Mann zurück, in der Hand eine Tüte mit Katzenfutter. Nur das Beste für seine Miezen, erzählt er, jetzt könne auch er in Ruhe trinken.

Ein Stammgast mit breiten Goldketten und barockem Körper, erzählt dem jungen Barkeeper an der Theke lehnend von früher, als Bobby noch Herrin der Zapfhähne war. Und plaudert mit den jungen Gästen über das Leben und den Sommer. Bewegen muss er sich dafür nicht. Die Bar ist so klein, jeder kann sich mit jedem unterhalten, die Theke ist das Zentrum dieses Mikrokosmos. Alle Gäste werden Teil davon, wie früher im Heiliggeiststüberl. Wer aber Rückzug sucht oder Intimes besprechen will, sollte anderswo sein Bier trinken.

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