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Altstadt:Hier gibt es gutes Eis in der Innenstadt

Auch direkt am Marienplatz lassen sich ein paar Kugeln schlecken.

(Foto: Robert Haas)

Von den angesagten Eis-Läden in Schwabing oder im Gärtnerplatzviertel kennt man vor allem eins: die Warteschlange. Doch wo gibt es eigentlich gutes Eis in der Innenstadt? Höchste Zeit für eine Suche.

Schon klar: Wer in München ein gescheites Eis essen will, muss zum Ballabeni an der Theresienstraße, zum verrückten Eismacher an der Amalienstraße oder zum Jessas an der Klenzestraße. Und der Kollege, der ein ausgemachter Gourmet ist, radelt nach der Arbeit immer auf der Schwabinger Wilhelmstraße beim Bartu vorbei, weil es da so ein tolles Bio-Eis gibt. Was natürlich an Tagen wie diesen, wenn der Sommer endlich einmal da ist in München, besonders lohnt.

Wenn man sich selbst einmal umhört oder im Internet umschaut, welche Eisdielen so empfohlen werden, erscheint die Innenstadt - also der Bereich um den Marienplatz herum - wie ein eisiges Brachland. Außer bei Tripadvisor gibt es kaum Tipps für das Gebiet innerhalb der früheren Stadtmauern. Aber nimmt den Online-Reiseberater noch jemand ernst? Und warum ausgerechnet müssen es immer Sorten wie Weißwurst-Schoko (gibt es!) oder Dingsbumssorbet mit Basilikum sein?

Irgendwie scheinen viele Münchner etwas gegen die Innenstadt zu haben. "Im Zentrum gibt's kein gutes Eis", hört man bisweilen. Wer dies sagt, war bestimmt noch nie bei Alex Giovanazzi in seiner Gelateria Garda. Vor zehn Jahren hat der Eismacher aus Riva del Garda an der Orlandostraße 2 seinen Laden eröffnet. Hier verkauft er keine verrückten Sorten, sondern traditionelles Eis, das, wie er betont, jeden Tag mit frischen Zutaten hergestellt wird.

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Wer sich mit Giovanazzi unterhält, wird an den niederländischen Bestseller "Die Eismacher" von Ernest van der Kwast erinnert (lesenswerte Strandlektüre, auf deutsch im btb-Verlag erschienen), in dem die Widrigkeiten des Gelataio-Jobs in einem Familienbetrieb anschaulich beschrieben werden: früh aufstehen, lang im Laden bleiben. Auch Alex Giovanazzi sagt, es sei anstrengend.

Sein Bruder macht ebenfalls Eis, auch seine Tante war Gelataia. Aber die Münchner, sagt Giovanazzi, essen eben gerne Eis, und die Konkurrenz sei nicht so groß wie in Italien. "Wenn du in Sirmione eine Straße entlanggehst, kommst du an elf Eisdielen vorbei." 24 Sorten verkauft Giovanazzi an der Orlandostraße - besondere Sorten sind etwa Kinder-Bueno oder Snickers (1,30 Euro die Kugel).

Ein paar Meter weiter geht es in Schuhbecks Eissalon an der Pfisterstraße schon abgefahrener zu, wenn auch nicht unbedingt besser. Hier gibt es 35 Sorten, darunter klassische Geschmäcker, aber auch Sanddorn, Erdbeer-Kardamom, oder Litschi-Pistazie-Pfeffer, je Kugel 1,50 Euro.

Eis ohne angesagte Zutaten schmeckt auch noch gut

Es gibt kein gutes Eis in der Innenstadt? Welch Quatsch, wird sagen, wer etwa beim Café Woerner's direkt am Marienplatz eine der eher traditionellen 28 Sorten probiert, die zum Teil sehr angenehm cremig sind (1,40 Euro die Kugel). Die Schlange, die sich vor der Auslage bildet, mag vielleicht kein direkter Indikator für Qualität sein. Aber wer die paar Minuten Geduld aufbringt, wird bei Woerner's überzeugend belohnt. Hier kommt man gut ohne die bei angesagten Eismachern beliebten Kräuterzutaten wie Thymian oder Basilikum aus - und versalzen, wie es zuweilen bei den hippen Läden vorkommt und wie es etwa der Gourmet-Kollege gern hat, schmeckt es hier auch nicht.

Richtig überzeugend ist auch die Eisdiele Venchi im Feinkostkaufhaus Eataly beim Viktualienmarkt. 21 Sorten verkaufen sie derzeit hier, darunter Mascarpone mit karamellisierten Feigen oder Cremino Venchi, ein köstliches Nougateis, das wie alle anderen Sorten immer montags und freitags im Untergeschoss des Eataly hergestellt wird. Hier gibt es erfreulicherweise keine Kugeln. Stattdessen wird das Eis mit der Spatola, dem klassischen Eisspachtel auf die Waffel respektive in den Becher gestrichen. Man bestellt nach Geschmackssorten: Eine kostet 2,50 Euro, zwei Geschmäcker gibt es für 3,50 Euro, drei für 4,50 und vier für 5 Euro - letztere Portion geht vom Sättigungsgrad her auch als Mittagessen durch.

Es gibt sie noch, die klassischen Geschmacksrichtungen, auch im Eataly verzichten sie auf Experimente. Wer es abgefahrener will, muss halt in die Vorstadt fahren. Dort kann er bei einem Augustiner-Eis über all die Banausen lächeln, die ganz konventionelle Retro-Sorten bevorzugen. Das sind dann auch die Menschen, die ihr Bier lieber aus einem Krug trinken, als es aus einem Becher zu löffeln.

© SZ vom 24.06.2016/axi
Eisdiele "Eine Kugel Mango-Schweinsbraten, bitte!"
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Typologie der Eisdielen-Ansteher

"Eine Kugel Mango-Schweinsbraten, bitte!"

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