Was läuft im Tanz?:Reflexionen über den Körper

Was läuft im Tanz?: Künstlerische Ideale im Tanz: Friedemann Vogel, Erster Solist und Kammertänzer am Stuttgarter Ballett, ist Gast bei einem Symposion im Münchner Muffatwerk.

Künstlerische Ideale im Tanz: Friedemann Vogel, Erster Solist und Kammertänzer am Stuttgarter Ballett, ist Gast bei einem Symposion im Münchner Muffatwerk.

(Foto: imago stock&people/imago/ITAR-TASS)

Welche Vorbilder hat der Tanznachwuchs heute? Eine Biennale in München möchte Perspektiven ausloten. Auch Ballett-Weltstar Friedemann Vogel wird dabei sein.

Von Jutta Czeguhn

Im Tanz sind es die Körper, die kommunizieren. Sie müssen extreme Beanspruchungen aushalten, werden gerade im klassischen Ballett durch hartes Training zu einem statuenhaft perfekten Äußeren modelliert, das den Vorstellungen der Antike vom "idealen" Männer- oder Frauenkörper schon recht nahe kommt - und der Physis von Hochleistungssportlern. Denn nur schön rumstehen wie Michelangelos "David" geht nicht. Jeder Muskel wird gebraucht, und auch der Geist.

Einer, der mit seiner vollkommenen Körperlinie seit Jahrzehnten fasziniert, ist Friedemann Vogel. Immer wieder wird der Edelbody des Stuttgarter Ballettweltstars von Fotografen inszeniert. Mittlerweile ist er 44, der Altersdurchschnitt seiner Compagnie liegt bei Mitte 20. Und doch ist Vogel besser denn je. Und Idol vieler jungen Tänzer.

Um "Vorbilder und Ideale aus ästhetischer und ethischer Sicht" geht es bei der 9. Ausgabe der Biennale Tanzausbildung, die jetzt zum ersten Mal in München stattfindet und von der Ballett-Akademie der Hochschule für Musik und Theater München (HMTM) ausgerichtet wird. Neben internen Workshops und Lectures für die Studierenden gibt es auch einen öffentlichen Teil. So kann man etwa Friedemann Vogel am 23. Februar im Münchner Muffatwerk bei einem hochkarätig besetzten, ganztägigen Symposion (10 bis 18 Uhr) erleben. Diversität, Vielfalt und Rollenbilder im professionellen Tanz und in der professionellen Tanzausbildung reflektieren dort mit ihm zusammen unter anderem auch Starchoreograf Alexei Ratmansky (New York), die Choreografin und Gründerin der senegalesischen École de Sable, Germaine Acogny (Dakar), Julie Shanahan vom Tanztheater Wuppertal Pina Bausch, Luca Giacomo Schulte (Compagnie Raimund Hoghe) oder Osiel Gouneo (Bayerisches Staatsballett).

Was läuft im Tanz?: Impression von der Biennale Tanzausbildung 2022.

Impression von der Biennale Tanzausbildung 2022.

(Foto: Sibylle Nunez Diaz)

Aber es wird natürlich auch getanzt: Vom 19. bis 21. Februar präsentieren in der Muffathalle mehr als 100 Tanzstudierende von acht staatlichen nationalen und fünf internationalen Ausbildungsinstitutionen Choreografien. Informationen zum Event und Eintrittskarten gibt es unter www.2024.biennale-tanzausbildung.de/ und www.muffatwerk.de.

Reflexionen zum Tanz gibt es auch im Pathos Theater: Chakkars nennt sich eine Plattform, die Räume schaffen will, in denen postmigrantische, dekolonisierende, kritisch intersektionale, antirassistische und kritisch weiße Perspektiven in und durch Tanz, Körper und Körperkulturen verhandelt werden können. Am 16. und 17. Februar stellen das Chakkars-Team und seine Partner im Pathos in einer Performance Tanzgeschichten rund um das Thema Identität vor.

Was läuft im Tanz?: Gruppendynamik zu stampfendem, monotonem Techno: "Strong", ein typisches Tanzstück von Sharon Eyal, hier 2019 mit dem Staatsballett Berlin. In München zeigt die israelische Choreografin im April ihre Arbeit "Autodance".

Gruppendynamik zu stampfendem, monotonem Techno: "Strong", ein typisches Tanzstück von Sharon Eyal, hier 2019 mit dem Staatsballett Berlin. In München zeigt die israelische Choreografin im April ihre Arbeit "Autodance".

(Foto: Martin Müller via www.imago-images.de/imago images/Martin Müller)

Und im Salon Luitpold steigt Serge Honegger, Dramaturg am Bayerischen Staatsballett, in der Reihe Ballett-Extra am Donnerstag, 8. Februar, 19 Uhr, tief ein in ein sehr aktuelles Thema: Im Gespräch mit Expertinnen geht es um die Auswirkungen von Gewalterfahrungen psychischer oder physischer Natur auf nachfolgende Generationen, und inwieweit sich das auch in den Körperbildern im Bereich des Tanzes abbildet. Anlass sind unter anderem die Premiere der Oper "Die Passagierin" (10. März), die auf dem Roman einer polnischen Auschwitz-Überlebenden fußt, sowie die München-Premiere der Choreografie "Autodance" der israelischen Tanzschöpferin Sharon Eyal am 12. April.

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