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Auswertung des Gefahren-Atlas für München:"Hier kann man für eine Karriere als NYC-Radkurier trainieren"

Schwanthalerstraße

Für viele Radler aus dem Westen gibt es zur Schwanthalerstraße kaum eine sinnvolle Alternative Richtung Innenstadt. Darüber hinaus wäre hier, zumindest theoretisch, genug Platz für einen Radweg, findet der ADFC. Dass es den aber nicht gibt, hält ein Nutzer für "unfassbar": Der Autoverkehr sei "völlig chaotisch", Radfahrer würden zwischen Pkws und Lkws "zerrieben". Sarkastisch merkt ein Leser an: "Hier kann man für eine Karriere als NYC-Radkurier trainieren." Auch die Polizei hat 2013 eine "relativ hohe Anzahl an Verkehrsunfällen" in der Schwanthalerstraße registriert. Der ADFC fordert Radfahrstreifen, die Stadt will darüber nachdenken.

Lindwurmstraße

Entlang dieser Hauptverkehrsachse sind die Probleme vielfältig. Der Radweg ist in schlechtem Zustand, ohnehin viel zu schmal und er wird von Fußgängern nicht beachtet. Außerdem gebe es starke Verschwenkungen an den U-Bahn-Aufgängen - und "äußerst verkehrsflussfeindliche Ampelschaltungen", merkt ein Nutzer an. In der Lindwurmstraße wünscht sich der ADFC einen Radweg auf der Fahrbahn. Die Verwaltung hat ein externes Gutachten mit Verbesserungsvorschlägen in einer Schublade liegen. Ob und wann die umgesetzt werden, ist unklar - und hängt laut Stadt von der "politischen Entscheidung zum Projekt Rosenheimer Straße" ab.

Unterführung Lindwurmstraße

Gut 20 Einträge, unzählige Stimmen: Die Bahn-Unterführung vor dem Kreisverwaltungsreferat (KVR) gehört zweifelsohne zu den größten Gefahrenstellen. Radfahrer nutzen die Bergabpassage, um zu beschleunigen, so dass man als Fußgänger sogar Angst haben müsse, "von hinten umgefahren zu werden", schreibt ein Nutzer. Das Problem hier: Das Bauwerk gehört der Bahn, die nach Angaben der Stadt aber mit dem Baureferat in Gesprächen steht. Der ADFC kritisiert: Solange die DB die Unterführung nicht saniert, was wiederum von der Entscheidung über die zweite Stammstrecke abhänge, "wird es keine vernünftige Lösung geben".

360° Problemstraßen in München Verlierer im Verteilungskampf
Radfahrer in München

Verlierer im Verteilungskampf

Die Grünen und der ADFC haben viele Wünsche, was die Stadt München für Fahrradfahrer tun sollte. Doch CSU und SPD sind nur dann gesprächsbereit, wenn es nicht zulasten der Autofahrer geht.   Von Dominik Hutter

Axel-von-Ambesser-Straße

Diese Kreuzung ist tückisch: Autofahrer haben auf der Thalkirchner Straße Vorfahrt, wenn sie die Axel-von-Ambesser-Straße passieren - Radfahrer aber nicht. Im Gefahren-Atlas beschweren sich viele über die "unlogische Vorfahrtsregel". Der ADFC pflichtet bei: Die Vorfahrtsregel sei "nicht nachvollziehbar", die Axel-von-Ambesser-Straße eine reine Anliegerstraße. Besser sei ein "Vorfahrt achten"- oder ein Stoppschild für Autofahrer. Das sieht die Stadt anders.

Martin-Luther-Straße

Wer aus Harlaching kommend den Giesinger Berg hinunterradeln will, hat direkt hinter dem Sechzger-Stadion ein Problem: Er muss sich durch mehrere Fahrspuren schlängeln, um von der Tegernseer Landstraße auf die Martin-Luther-Straße zu gelangen. "Hier ist ein Radweg nötig und problemlos einzurichten", findet ein Radfahrer. Die Stadt kennt das Problem, hat aber noch keine Lösung. Dafür plant sie, Haidhausen und Harlaching mit Radwegen über die Tegernseer Landstraße vernünftig miteinander zu verbinden. Eine entsprechende Vorlage will das Planungsreferat dem Stadtrat noch 2014 vorlegen.

Wittelsbacherbrücke

An der Wittelsbacherbrücke herrscht allmorgendlich Verkehrschaos, da sind sich viele Nutzer einig. Sie beschweren sich über zu wenig Platz für Radfahrer, zudem bemerkten Fußgänger nicht, wenn sie auf dem Radweg stünden. Auf der Südostseite fehle weiterhin eine Ampel, weshalb Geisterradler die Brücke auf der falschen Seite überquerten. Der ADFC findet eine Ampel auf Höhe des Isar-Radweges sinnvoll und fordert, den Radverkehr direkt am Fahrbahnrand der Brücke entlang zu führen - auch, um Konflikte mit Fußgängern zu vermeiden. Das Problem ist dem KVR bekannt. Abhilfe könnte eine Umgestaltung des Baldeplatzes schaffen.

Rosenheimer Platz - Isartor

Auf der Strecke zwischen Rosenheimer Platz und Isartor finden sich im Gefahren-Atlas die - mit Abstand - meisten Einträge. Der Radweg ist vielen Radlern bergab zu schmal, das gilt sowohl für die Stelle vor dem Müller'schen Volksbad als auch für die Zweibrückenstraße. Auch die Polizei zählt hier eine Vielzahl von Unfällen. Eine Lösung des Problems gestaltet sich schwierig: Zusätzliche Flächen für den Radverkehr ließen sich nur auf Kosten der Autos gewinnen, teilt die Stadt mit. Dafür sehe man "absehbar keine Möglichkeit". Der ADFC fordert, wenigstens die Radwegbenutzungspflicht aufzuheben.

Rosenheimer Straße

Die Einrichtung eines Radstreifens auf der Rosenheimer Straße zwischen dem Rosenheimer Platz und der Orleansstraße war ein großes Thema im Kommunalwahlkampf. Im Januar hatte der Stadtrat die Einrichtung eines solchen abgelehnt, weil dafür eine Kfz-Spur hätte wegfallen müssen. Ein Blick in den Gefahren-Atlas zeigt jedoch, wie unsicher sich viele Radfahrer dort fühlen. Eine Radspur sei hier "dringend nötig", schreibt ein Nutzer. OB Reiter kündigte in der SZ einen entsprechenden Beschluss noch in diesem Jahr an.