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Radfahrer in München:Verlierer im Verteilungskampf

Die Grünen und der ADFC haben viele Wünsche, was die Stadt München für Fahrradfahrer tun sollte. Doch CSU und SPD sind nur dann gesprächsbereit, wenn es nicht zulasten der Autofahrer geht.

Schon das Papier ist ja bekanntlich geduldig - und geht es nach jenen vier Seiten, auf denen die Grundlagen für die schwarz-rote Zusammenarbeit im Stadtrat verzeichnet sind, sollten Münchens Radfahrer in den kommenden sechs Jahren keinen übertriebenen Ehrgeiz erwarten. Gerade einmal ein Punkt dreht sich um das Thema Fahrrad: Radwege in der Rosenheimer Straße wollen CSU und SPD bauen. Allerdings nur, wenn alle Autospuren erhalten bleiben - was in der Praxis nur funktionieren kann, wenn dafür sämtliche Parkplätze und Bäume wegkommen. Von den jährlich etwa 30 Millionen Euro für den Radverkehr, die bei den später gescheiterten Koalitionsgesprächen der SPD mit Grünen und ÖDP schon einmal im Raum standen, ist längst keine Rede mehr.

Dennoch solle es weitergehen mit der Förderung des Velo-Verkehrs, versichert CSU-Fraktionschef Hans Podiuk. Neue Radwege, etwa auf der Route Hauptbahnhof-Laim-Pasing, würden gebaut. Was Podiuk aber nicht will, ist die in manchen Kreisen so beliebte Einteilung in gute und schlechte Verkehrsteilnehmer. "Es soll nicht immer zulasten der anderen gehen." Ja zu mehr Platz für Radfahrer, soll das heißen, aber eben nur, wenn dafür nicht die Autofahrer bluten müssen.

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Dies freilich dürfte schwierig zu schaffen sein. Denn angesichts der Scharen von Radfahrern, die sich tagtäglich auf den Wegen drängen, lautet die Frage der Zukunft: Wem überlässt man welchen Anteil am knappen Straßenraum? In diesem Verteilungskampf wünscht sich Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher "mehr Mut" von CSU und SPD. Es sei in der Vergangenheit schon viel passiert. "Ich bin aber nicht allzu optimistisch für die nächsten sechs Jahre", sagt der Oppositions-Mann.

Auch Traudl Schröder vom ADFC warnt vor Illusionen, es allen Verkehrsteilnehmern recht machen zu können. Letztlich müsse die Politik an vielen Stellen Farbe bekennen: Autos oder Fahrräder. In München sei vieles in Bewegung, um das Radfahren attraktiv zu machen. "Aber es gibt noch viel Luft nach oben."