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Stream-Kritik:Gebündelte Kraft

Die Augsburger Kulturszene tritt im Netz geeint auf

Frühe Initiative zahlt sich aus. Weil sich in Augsburg schon 2016 auf Anstoß des städtischen Büros für Popkultur Spielstättenbetreiber, Veranstalter und Künstler zur Stärkung der städtischen Kulturszene zu einer Club- und Kulturkommission vereint haben, können die Beteiligten jetzt schneller als die Kulturschaffenden in anderen Städten vereint agieren. Trotz Corona-Krise. Wo sich andernorts darum verschiedene Anbieter mit Live-Streams via Internet an unterschiedlichen Alternativen zum Theater- oder Konzertbesuch versuchen, bündelt der Augsburger Verein die Angebote seiner Mitglieder zu einem gemeinsamen Kulturprogramm. Gesendet wird über das eigens dazu eingerichtete Portal "Club & Kultur Stream Augsburg". Seit mehreren Wochenenden präsentiert dieses Programm auf www.clubundkultur.tv vorbildlich die Vielfalt der Augsburger Kultur aus den verschiedenen Spielstätten. Selbst der Talk aus einer Fußball-Kneipe fehlt dabei nicht, so sehr bemühen sich die Verantwortlichen um eine Gestaltung, die möglichst viele Bürger ansprechen soll. Kindertheater aus dem Abraxas trifft hier auf Konzerte aus der Ballonfabrik, Lesungen aus dem Weißen Lamm auf DJ-Sets aus der Kantine.

Vergangenen Freitag ermöglichte der "Club & Kultur Stream" sogar ein Festival aus dem Gaswerk, das nicht nur Popmusik präsentierte, sondern auch der bildenden Kunst aus Augsburg ein Podium bot. Großartige Bilder waren da zu sehen, die zur Unterstützung der heimischen Kulturszene und der Flüchtlingshilfe des Bündnis Seebrücke versteigert wurden. Kompetent und amüsant stellte dabei das Moderatorenteam - die beiden Künstler Eva Krusche und Christofer Kochs - die unterschiedlichen Werke vor. Lässig beantworteten sie auch abweichende Fragen, die Zuschauer auf einer Kommentarleiste der Web-Seite stellten. Etwa, ob sie Van Gogh oder Picasso bevorzugten oder wie man überhaupt dazu komme, Künstler zu werden. Mit Bravour bestätigten somit auch Krusche und Kochs, dass der "Club & Kultur Stream Augsburg" das bessere Fernsehprogramm ist, noch dazu mit einer Kunst-Show, wie es sie dergestalt vielleicht noch nirgends gibt.

Es ist darum nur folgerichtig, dass Stefan Schleifer vom Kulturreferat der Stadt Augsburg in einer ebenfalls aus dem Gaswerk gestreamten Talkshow festhielt, dass dieses Angebot jetzt schon weit mehr sei als nur der Ersatz für ein aktuell ausfallendes Kulturprogramm. Auch als barrierefreier Zugang zur Kultur sei solche Präsentation für ihn unabhängig vom aktuellen Versammlungsverbot eine überlegenswerte Form der Kulturvermittlung. Natürlich müsste ein solches Programm dann aber auch entsprechend finanziert werden. Denn aktuell arbeiten viele ehrenamtlich mit. Schließlich soll auf diesem Weg vor allem eine Spendenbereitschaft geschürt werden, über die die beteiligten Veranstalter und Spielstätten in der Krise unterstützt werden können. Tatsächlich wirbt das Programm aber auch nach außen für die Augsburger Szene, die allein schon mit der national bekannten Sängerin Anna Strohmayr eine der stärksten Stimmen des Landes beheimatet.

© SZ vom 28.04.2020

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