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Au/Giesing:Unbehagen am Nockherberg

Ausgerechnet im 1880 angelegten Kronepark soll die Bayerische Hausbau fehlende Aufenthaltsflächen in ihren Neubaugebieten kompensieren. Anwohner befürchten, dass Zäune und Fußballfelder die Anlage zerstören

Es gibt ja Dinge, die will man sprichwörtlich nicht einmal geschenkt haben. Hört man den etwa 100 Giesinger und Auern zu, die zur Einwohnerversammlung am Montagabend in die Paulaner-Gaststätte am Nockherberg gekommen waren, ist die mögliche Aufwertung des Kroneparks mit Freizeitangeboten genau so ein Fall. Eigentlich stünden für eine solche Aufwertung des Kroneparks etwa zwei Millionen Euro bereit, aus dem Topf der Bayerischen Hausbau, die damit nicht geplante Aufenthaltsflächen - vor allem für Jugendliche - auf dem ehemaligen Paulaner-Gelände kompensiert. Doch die Anwohnern aus der Au und Giesing wollen nicht, dass sich in dem "Kleinod", wie ein Besucher den Park an den Bahngleisen nannte, Großes ändert. Bloß keine Eventisierung der Grünanlage, keine Fußball- oder Beachvolleyballfelder, sondern viel eher eine behutsame Verbesserung der Wege und der Bepflanzung. Kritisiert wird in der lebhaften Debatte vor allem das Vorgehen der Stadtplaner, die dieses "skandalöse Freikaufen", wie die Kompensationszahlungen an diesem Abend mehrmals genannt wurden, des Bauherrn ermöglicht.

Der städtebauliche Vertrag zwischen der Hausbau und Landeshauptstadt sieht vor, dass im Kronepark eine Verbesserung der "Freiraum- und Spielplatzversorgung im größerem Maßstab möglich" ist. Der bestehende Spielplatz könnte sich weiter nach Norden erstrecken und mit neuen Spielgeräten ergänzt werden. In der Südostecke könnte man demnach "Jugendspiel" ansiedeln. Außerdem ist darin vorgeschlagen, die Zäune zu erneuern, um Abstürze - direkt neben dem Kronepark verlaufen einige Meter in der Tiefe Bahngleise - zu verhindern.

Kronepark, München, 05.11.2018.

Nicht nur im Herbst eine Idylle: Wenn es nach den Wünschen der Bürger geht, soll der Kronepark in der Au so bleiben, wie er ist.

(Foto: Jan A. Staiger)

Um diese Pläne zu diskutieren, luden der Giesinger und der Auer Bezirksausschuss (BA) die Anwohner ein, damit nicht "über Ihre Köpfe geplant wird", wie die Haidhauser BA-Vorsitzende Adelheid Dietz-Will (SPD) sagte. Ihre Giesinger Amtskollegin Carmen Dullinger-Oßwald (Grüne) betonte, dass es darum ginge, "was gewünscht ist und was nicht gewünscht ist". Denn eine Veränderung "im größerem Maßstab" ist bei den Anwohnern nicht erwünscht. Sie befürchten, dass beispielsweise mit Fußballfeldern nicht nur Jugendliche aus der Umgebung, sondern aus ganz München angezogen werden. Und dabei der Charakter verloren geht, der den Kronepark in ihren Augen ausmacht: Er ist eine der letzten "Ruhe-Oasen" für die immer dichter bebauten angrenzenden Viertel, brachte eine Giesingerin die Meinung aller auf den Punkt. Daran solle sich nichts ändern.

Die Sorge, dass der Kronepark zur überlaufenen "Eventarena" werden könnte, machen sie auch am Beispiel der Isar fest. So schön es dort auch sei, "wir, die an der Isar wohnen, gehen an schönen Tagen gar nicht mehr hin", berichtete ein Anwohner der Eduard-Schmid-Straße. Eine ähnliche Entwicklung befürchtet er auch bei dem Kronepark. Dient die Isar gewissermaßen als abschreckendes Beispiel, wird der Bavariapark in der Schwanthalerhöhe als positives Vorbild für den Kronepark herangezogen. Dort sei mit den angrenzenden Neubauten das gelungen, was sich die Anwohner auch für den Kronpark wünschen: eine Verbesserung des Wegenetzes und der Pflege der Grünfläche. Außerdem wünschen sich die Anwohner, dass die Brücken und Treppen, die in den Park führen im Winter geräumt werden. Zudem einen barrierefreien Zugang zum Park und eine öffentliche Toilette.

Kompensationszahlungen

Weil die Bayerische Hausbau bei der Entwicklung des ehemaligen Paulaner-Geländes in der Au die vorgeschriebenen Freizeitflächen nicht in Gänze auf ihrem eigenen Grundstück nachweist, hat sich die Immobilienfirma zu sogenannten Kompensationszahlungen an die Stadt München verpflichtet. Damit werden "Ausgleichsflächen" in der Umgebung finanziert. Geregelt ist das in einem städtebaulichen Vertrag zwischen Bauherr und der Stadt, der für die Entwicklung des ehemaligen Brauerei-Geländes insgesamt zehn Orte für Kompensationsmaßnahmen identifiziert. Für das Baugebiet zwischen Reger- und Hochstraße sind von der Hausbau etwa 3,6 Millionen Euro zum Ausgleich bereitzustellen. Rechnet man noch das benachbarte Baugebiet an der Falkenstraße ein, summiert sich das auf insgesamt knapp 4,4 Millionen Euro. Diese Zahlen sind allerdings nur eine erste grobe Vereinbarung.

Gut zwei Millionen Euro sind allein für den Kronepark und seine Zugangswege vorgesehen. In den Frühlingsanlagen sollen die Spielbereiche direkt an der Reichenbachbrücke für etwa 850 000 Euro unter anderem neue Wege geschaffen werden. Auch das Wasserspiel westlich der Brücke soll dabei ersetzt werden. Für neue Spielgeräte auf dem Spielplatz am Neudeck stehen knapp 200 000 Euro bereit. Am Alpenrosenplatz könnten für 300 000 Euro die Müllcontainer unter die Erde wandern und an der Oberfläche ein Platz angelegt werden. kors

Ein mögliches Instrument, um diese behutsame Veränderung im Kronepark zu erreichen, könnte ein sogenanntes Parkpflegewerk sein. Das ist im wesentlichen eine Analyse der historischen und pflegerischen Besonderheiten einer Parkanlage, wie sie der Kronepark ist. Der Park wurde um 1880 vom Landschaftsarchitekten Carl von Effner angelegt, zunächst als Privatpark des Münchner Brauers Franz Xaver Schmederer, wie Klaus Bäumler vom Münchner Forum sagte. Erst 1957 ging der Park in das Eigentum der Stadt über, er sei daher im wesentlichen noch im Originalzustand erhalten. Wolfgang Mesenich, von der zuständigen Abteilung Gartenbau im Baureferat, versicherte, dass eine historische Analyse der Anlage bereits in Arbeit sei. Und: "Wir werden Sie beim Kronepark nicht zwangsbeglücken." Er nehme mit, dass eine sehr "bestandsorientierte Planung" gewünscht sei.