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Architektur:Ein Chipperfield-Hochhaus für Bogenhausen

Hochhaus an der Richard-Strauss-Straße

Das neue Hauptquartier, nach Plänen von David Chipperfield Architects.

(Foto: Chipperfield Visualisierung)
  • Die Büros von David Chipperfield und der Landschaftsarchitekten vom Atelier Loidl haben den Architektenwettbewerb für die künftige Zentrale der Bayerischen Versorgungskammer (BVK) gewonnen.
  • Der Komplex soll aus zwei Türmen mit einem verbindenen Zwischenriegel bestehen. Allzu spektakulär ist der Entwurf nicht.
  • Zunächst wollte die BVK einen Turm mit mehr als 100 Metern Höhe bauen, doch dagegen gab es Einwände.

Wird das ein langweiliger Kasten oder entsteht ein elegantes Meisterwerk? Ist die Chance genutzt oder vertan worden, am Mittleren Ring und in unmittelbarer Nachbarschaft des außergewöhnlichen Hypo-Hochhauses einen weiteren Architektur-Höhepunkt zu setzen? Kaum war das Ergebnis des Wettbewerbs für das Hauptquartier der Bayerischen Versorgungskammer (BVK) an der Richard-Strauss-Straße bekannt geworden, bekam die Debatte über das Erscheinungsbild von aktuellen Hochhausprojekten neue Nahrung.

Die BVK-Zentrale soll nach dem Siegerentwurf des Büros von David Chipperfield Architects mit Atelier Loidl Landschaftsarchitekt aus Berlin realisiert werden. Das Projekt besteht aus einem Ensemble von drei Baukörpern: einem 50 Meter hohen Riegelgebäude, an dessen oberem und unterem Ende jeweils ein 100 Meter und ein 60 Meter hoher Turm andocken. David Chipperfield erläuterte am vergangenen Freitag zusammen mit seinem jungen Team das Konzept.

Hochhaus an der Richard-Strauss-Straße

So soll der Durchgang zum Park aussehen, wenn es nach dem Team von Chipperfield geht.

(Foto: Visualisierung: Chipperfield)

Wesentliche Aspekte sind für ihn der neue Durchgang vom U-Bahnhof an der Richard-Strauss-Straße zur Parkanlage des Denninger Angers, die Gestaltung der Außenanlagen mit zwei attraktiven Plätzen am Ensemble und die besondere Situation der Arbeitsplätze, die sehr flexibel gestaltet werden können und die von zwei Seiten belichtet sind. Schattige Innenhöfe entstehen nicht. Trotz der großen Baumasse will das Ensemble transparent und offen wirken. Die filigrane Fassade soll diesen Eindruck verstärken.

Eine Besonderheit ist, dass der Komplex als Holz-Hybridbau ausgebildet wird. Das heißt, die Stützen sind nicht nur aus Beton, sondern teilweise auch aus Holz. Grundrisse könnten damit "maximal flexibel und durchlässig für Tageslicht" gestaltet werden. Holz sorge auch für ein gutes Raumklima. Schließlich ergebe sich eine spezielle optische Erfahrung, denn die Konstruktion von Holz und Sichtbeton bleibt unverkleidet.

Bei der Wettbewerbsjury waren diese Ideen sehr gut angekommen. Gelobt wurde, dass der Vorschlag mit nur drei Baukörpern auskommt, die das Grundstück optimal ausnutzen. Ein klares, unspektakuläres Konzept liegt nach Ansicht des Preisgerichts vor, mit einfachen, perfekt funktionierenden Grundrissformen und einer überzeugenden Bauweise. Das alles lasse eine langfristige Nutzung und Dauerhaftigkeit des Bürokomplexes erwarten.

"Wir wollen diesen Entwurf realisieren", sagte Daniel Just, der Vorstandsvorsitzende der Bayerischen Versorgungskammer. Der erste Preis sei überzeugend klar, er versiegele das Grundstück nicht vollständig und mache eine elegante städtebauliche Figur. Es war eine deutliche Feststellung: Zwar sollen Details des Chipperfield-Konzepts überarbeitet werden, aber die zweit- und drittplatzierten Teilnehmer des Wettbewerbs sind aus dem Rennen.

Dem Vernehmen nach diskutierte das Preisgericht intensiv über den zweiten Platz. Hadi Teherani Architects aus Hamburg mit Bruun und Möllers Garten- und Landschaftsarchitektur überraschten mit einem steil nach oben ragenden, pyramiden- oder kristallähnlichen Gebilde mit kreuzförmigem Grundriss und einer auffälligen Fassadenkonstruktion. Der "dominante und extrovertierte Auftritt" ist laut Jury zwar ein "spannender Beitrag". Er treffe allerdings nicht genau die Corporate Identity der Bayerischen Versorgungskammer. Zweifel äußerte das Preisgericht, ob das Konzept technisch umsetzbar ist. Außerdem sei die Fassadenkonstruktion teuer und aufwendig, was den Budgetrahmen sprenge.

Hochhaus an der Richard-Strauss-Straße

Den zweiten Platz machte der Entwurf von Hadi Teherani.

(Foto: Visualisierung: Teherani)

Auch Steidle Architekten aus München, die mit Grabner Huber Lipp Landschaftsarchitekten den dritten Platz belegt hatten, konnten mit ihren drei Solitär-Bauten nicht ganz überzeugen. Die Räume zwischen den Türmen waren der Jury zu eng, außerdem gab es Kritik am System der Wege zwischen den Hochhäusern.

Hochhaus an der Richard-Strauss-Straße

Steidle Architekten belegten den dritten Platz.

(Foto: Visualisierung: Steidle)

Die BVK sieht sich nicht als eitler Selbstdarsteller, betonte Just: "Wir sind Understatement." Als größte öffentlich-rechtliche Versorgungsgruppe Deutschlands führt die BVK die Geschäfte von zwölf berufsständischen und kommunalen Altersversorgungseinrichtungen. Nachhaltigkeit spiele bei der Kapitalanlage eine zentrale Rolle. Auch für die neue Zentrale gilt dieser Grundsatz. "Wir wollen diesen Komplex in den nächsten Jahrzehnten für uns nutzen", sagte Just.

2016 hatte die BVK das 20 000 Quadratmeter große Grundstück an der Richard-Strauss-Straße von Siemens erworben. Die Strabag Real Estate wurde mit der Projektentwicklung beauftragt. Alle Versorgungswerke, die auf drei Häuser im Arabellapark verteilt sind, sollen voraussichtlich von 2024 an im Hauptquartier vereint werden. Geplant ist ein Dachgarten auf dem Scheibenhaus und Gastronomie für alle im obersten Stockwerk des Hochhauses.

Die Entscheidung für den Chipperfield-Entwurf ist gefallen. Doch so gut konstruiert, so nachhaltig und elegant er auch sein mag - schafft er es wirklich, die Silhouette mit einem aus dem Rahmen fallenden Auftritt zu prägen? Am Rande der Präsentation war das ein Thema. Da schwang auch Bedauern darüber mit, dass spektakuläre Neuauflagen eines BMW- oder Hypo-Hochhauses noch auf sich warten lassen.

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