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Bogenhausen:Hochhauskomplex bleibt unter der 100-Meter-Marke

Die Ansicht zeigt den Gewinnerentwurf für die neue Zentrale der Bayerischen Versorgungskammer an der Richard-Strauss-Straße. Zu sehen ist nur das höhere Vorderhaus, das zweite Hochhaus steht dahinter. Simulation: David Chipperfield Architects

(Foto: David Chipperfield Architects)
  • Die Büros von David Chipperfield und der Landschaftsarchitekten vom Atelier Loidl haben den Architektenwettbewerb für die künftige Zentrale der Bayerischen Versorgungskammer (BVK) gewonnen.
  • Der Komplex soll aus zwei Türmen mit einem verbindenen Zwischenriegel bestehen. Einer der Türme soll "nah an die 100 Meter gehen".
  • Zunächst wollte die BVK höher bauen, allerdings gab es Vorbehalte im Stadtrat.

Von Sebastian Krass

Der Arabellapark ist prägend für die Silhouette Münchens, und in den nächsten Jahren gesellt sich ein weiterer Hochhauskomplex dazu. Gebaut wird er voraussichtlich nach den Entwürfen des Architekturbüros von David Chipperfield (London) und der Landschaftsarchitekten vom Atelier Loidl aus Berlin. Das ist das Ergebnis eines Architektenwettbewerbs für die künftige Zentrale der Bayerischen Versorgungskammer (BVK) an der Richard-Strauss-Straße 76, also unmittelbar südlich des Arabellaparks. Nach einer "leidenschaftlichen und langen" Debatte habe sich die Jury für die "schlichte und klare Formensprache des Entwurfs sowie dessen hochflexible Grundrisse" entschieden, heißt es in einer Pressemitteilung. Platz zwei belegte das Büro Hadi Teherani aus Hamburg, Platz drei Steidle Architekten aus München.

Der geplante Komplex besteht aus zwei Hochhäusern mit einem verbindenden Zwischenriegel. Der höhere der zwei Türme soll "nah an die 100 Meter gehen", er wird sie aber nicht überschreiten, wie eine Sprecherin der BVK erklärt. Der kleinere Turm werde "deutlich darunter liegen". Die genauen Höhen stünden noch nicht fest. Bisher sind die 1300 Mitarbeiter der Kammer noch auf Standorte an der Denninger Straße und der Arabellastraße verteilt. In dem Komplex werden sie alle Platz finden. Ein Teil bleibt dann noch frei zur Vermietung. Die BVK führt die Geschäfte von zwölf rechtlich eigenständigen Altersversorgungswerken, etwa für Ärzte, Architekten, Anwälte, aber auch für Mitarbeiter von Bühnenbetrieben und Schornsteinfegern, mit insgesamt 2,3 Millionen Versicherten. Die Fertigstellung der neuen Zentrale ist für 2024 vorgesehen. Zu den Baukosten macht die Kammer keine Angaben.

Ursprünglich wollte die BVK auf dem einstigen Siemens-Grundstück 115 Meter hoch bauen, so hieß es noch im Sommer. Es wäre das dritthöchste Bürohaus der Stadt geworden, nach dem Uptown (146 Meter) und dem höheren der beiden Highlight-Gebäude (126 Meter). Doch im Herbst war nur noch die Rede von 100 Metern, der Planer sprach von Vorbehalten im Stadtrat. Teile der Politik orientieren sich immer noch am rechtlich längst nicht mehr bindenden Bürgerentscheid von 2004, der eine Obergrenze von 99 Metern vorgab. Eine "Prüfvariante" von 115 Metern gehörte noch zur Aufgabenstellung der BVK für die Wettbewerbsteilnehmer. Doch diese Variante ist nun wohl endgültig vom Tisch.

Auch der Bauherr eines geplanten Hochhauses auf dem Gelände von Knorr-Bremse in Moosach hat wegen der politisch unklaren Lage die Überlegungen von 115 oder gar 130 Metern auf knapp 100 Meter heruntergedimmt. Sehnsüchtig erwartet wird nun eine vom Stadtrat in Auftrag gegebene und für Sommer angekündigte Hochhaus-Studie, die zur Basis für neue politische Leitlinien werden könnte.

Mit dem Sieg im Wettbewerb ist das Büro Chipperfield favorisiert, aber es hat den Auftrag noch nicht sicher. Nun sind die drei Preisträger aufgerufen, ihre Entwürfe nach Anmerkungen der Jury zu überarbeiten. Im Mai soll dann die endgültige Entscheidung fallen, nach welchem Entwurf gebaut wird. Im Wettbewerb um das Hochhaus auf dem Knorr-Gelände zum Beispiel bekam letztlich das im Wettbewerb zweitplatzierte Architektenteam den Auftrag.

Das Büro Chipperfield hat jedenfalls viel Erfahrung mit Hochhäusern, derzeit baut es unter anderem den 233 Meter hohen Elbtower in Hamburg. Aber auch in München taucht der Name Chipperfield immer wieder in ganz unterschiedlichen architektonischen Kontexten auf: So legte sein Büro einen Plan für die Sanierung des Hauses der Kunst vor, der hohe Wellen schlug, weil er vorsah, die Baumreihe vor dem Museum zu entfernen. Es entwarf auch eine neue Villa an der Kolbergerstraße in Bogenhausen. Bei dem Gebäude, das vorher dort stand, gab es lange Diskussionen, ob es denkmalwürdig sei oder nicht. Und Chipperfield hat den Bürokomplex auf dem ehemaligen Mahag-Gelände an der Karlstraße entworfen, die Grundsteinlegung ist für dieses Frühjahr vorgesehen.

© SZ vom 02.04.2019/baso
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