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Kneipe Maxvorstadt "Alter Simpl":Der Hund lässt die Korken knallen

Gaststätte "Alter Simpl" in München, 2011

Im Vordergrund ist die Bulldogge der satirischen Zeitschrift "Simplicissimus" zu sehen, quasi der Namenspatron der Kneipe.

(Foto: Stephan Rumpf)

BWL-Studenten statt Künstler, Laptops statt Gedichtbände: Der Alte Simpl ist anders als zu Bohème-Zeiten. Doch Charme hat er noch immer.

Die Walpurgisnacht im Jahr 1903 war die erste von vielen legendären Nächten im Alten Simpl. Literaten und Künstler marschierten mit Stühlen und Tischen auf das Lokal in der Türkenstraße zu. Der Schriftsteller Frank Wedekind schritt voran und spielte auf der Gitarre. Die Wirtin Kathi Kobus hatte sich mit dem Vermieter ihrer alten Kneipe zerstritten und zog nun feierlich in ihr neues Lokal ein.

Alter Simpl

Der Hund lässt die Korken knallen

Kathi Kobus taufte das Lokal Simpl - angelehnt an die Satirezeitschrift Simplicissimus. Thomas Theodor Heine zeichnete ihr ein Wirtshausschild mit dem roten Simplicissimus-Hund. Dieser sprengt allerdings nicht die Ketten der Zensur, sondern entkorkt mit seinen Zähnen eine Sektflasche.

Der Simpl wurde die bekannteste Künstlerkneipe Münchens und Treffpunkt der Bohème. Ludwig Thoma, Oskar Maria Graf, Franz Marc und Franziska von Reventlow verbrachten hier ausschweifende Abende. Joachim Ringelnatz schrieb: "Und mich zieht's mit Geisterhänden, ob ich will, ob nicht, ich muss, nach den bildgeschmückten Wänden, in den Simplicissimus."

Heute geht es im Alten Simpl anders zu als früher. Es wird nicht mehr gemeinsam gesungen, gedichtet und kaum noch diskutiert. Statt Künstlern kommen vor allem BWL-Studenten. Statt Gedichten oder Musikinstrumenten bringen die Gäste Laptops oder Vorlesungsskripte mit.

Wassili Galanopoulos ist der Wirt des Alten Simpl. Das Lokal gehört der Egger-Gruppe an, die mehrere Lokale in München betreibt. Als die Egger-Gruppe vor kurzem auch noch die etwa hundert Meter vom Simpl entfernt gelegene Studentenkneipe Atzinger übernahm, musste sie sich von Gästen kritisieren lassen: Sie trage dazu bei, dass die Münchner Kneipenlandschaft immer homogener werde. Doch der Alte Simpl hat es geschafft, einen gewissen eigenen Charme über die Jahre hinweg zu erhalten.

Die bildgeschmückten Wände, die Ringelnatz einst beschrieb, gibt es auch heute noch im Alten Simpl. Ein paar weitere, neue Bilder sind im Lauf der Zeit hinzugekommen: Fotos von Karl Valentin, Ringelnatz und anderen Künstlern sowie Hinweise auf aktuelle Veranstaltungen aus dem Kulturleben Münchens. Auch die Lampen schimmern heute noch genauso düster wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die Holzvertäfelung ist ebenso dunkel und die Theke immer noch groß. Auch auf dem Wirtshausschild ist noch der Simplicissimus-Hund mit Sektkorken zu sehen.

Ein Markenzeichen der Kneipe sind die langen Tische, die in ähnlicher Anordnung damals schon im Simpl standen. Dank ihnen kommt man schnell mit den Sitznachbarn ins Gespräch.

Klar, dass zu Beginn des 21. Jahrhunderts die legendäre Atmosphäre der Künstlerkneipe nicht wiederhergestellt werden kann. Doch dem Simpl gelingt es, Erinnerungen an damals aufrechtzuerhalten. Das macht die ehemalige Künstlerkneipe heute noch einmalig.

Alter Simpl, Türkenstraße 57, 80799 München, Telefon: 089/2723083, www.altersimpl.de

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