Internationale Zusammenarbeit:Ende eines Erfolgsmodells

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Wladimir Putins Angriff auf die Ukraine stellt auch die Zukunft des bisherigen Wirtschaftssystems infrage. Künftig könnte die Welt in Machtblöcke zerfallen und das Recht des Stärkeren gelten.

Kommentar von Claus Hulverscheidt, Berlin

Der Krieg in der Ukraine ist zuallererst eine menschliche Tragödie, ein himmelschreiendes Unrecht, die Bankrotterklärung eines Potentaten, der jedes Gefühl für Moral und Humanität verloren hat. In Erinnerung bleiben aber wird Wladimir Putins Überfall auf das Nachbarland womöglich noch aus einem anderen Grund: Er könnte, wie der Internationale Währungsfonds zu Recht warnt, das Ende eines Wirtschaftssystems markieren, das der Welt 75 Jahre lang alles in allem gute Dienste geleistet hat.

Dieses System basiert auf Regeln sowie dem Gedanken, dass Arbeitsteilung, Handel und internationale Zusammenarbeit nicht nur den Wohlstand mehren, sondern auch Frieden und Freiheit fördern. Zwar kamen die Segnungen nie allen Menschen gleichermaßen zugute, weil Verträge zulasten der Schwächeren gedehnt und politische Beschlüsse oft an den Interessen großer Konzerne ausgerichtet wurden. Dennoch haben die Ideen von Bretton Woods, der an diesem Ort in den USA 1944 geschaffenen weltweiten Währungsordnung, und auch die Globalisierungsschübe der vergangenen Jahrzehnte maßgeblich dabei geholfen, Hunderte Millionen Menschen vor allem in Asien und Lateinamerika aus der Armutsfalle zu befreien.

Es wäre deshalb fatal, wenn dieses Modell nun durch ein Konstrukt aus drei, vier Machtblöcken (USA, Europa, China, Russland) mit jeweils eigenen ökonomischen Regeln und Standards abgelöst und fortan allein das Recht des Stärkeren gelten würde. Damit stünden nicht nur die wirtschaftlichen Zukunftschancen aller knapp acht Milliarden Erdenbürger auf dem Spiel, sondern zudem Frieden und Freiheit. Denn auch wenn die Idee erst einmal gescheitert sein mag, wonach Staaten, die miteinander handeln, sich nicht gegenseitig bekriegen, muss man doch befürchten: Treiben zwei Staaten keinen Handel miteinander, sind Bürger und Firmen eines Landes nicht zugleich Lieferanten und Kunden des jeweils anderen, hängen Wohl und Weh aller nicht miteinander zusammen, ist die Kriegsgefahr ungleich größer.

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