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Ausschreitungen in Leipzig:Wenn Eskalation zur Routine wird

Demonstration nach Räumung von besetztem Haus

Teilnehmer einer Demonstration ziehen mit roten Pyro-Fackeln durch den Stadtteil Connewitz.

(Foto: dpa)

In Leipzig lässt sich erneut eine sinnlose Choreografie aus Gewalt, Rechtfertigung und Empörung beobachten. Es ist notwendig, über steigende Mietpreise zu debattieren: mit Nachdruck, mit kreativem Protest, aber ohne Exzess.

Kommentar von Ulrike Nimz

Dass selbst die Eskalation zur Routine werden kann, wenn sie sich nur oft genug wiederholt, das ist die ermüdende Erkenntnis dieses Leipziger Wochenendes. Drei Nächte infolge fliegen Steine, kreist der Hubschrauber, werden Polizisten verletzt. Erst im Osten, nach Räumung eines besetzten Hauses. Dann im Süden der Stadt, wo jenes Viertel liegt, das im Gegensatz zu Neustadt-Neuschönefeld fast jeder kennt: Connewitz.

Die Ereignisse der Silvesternacht sind kaum aufgearbeitet, da lässt sich erneut eine sinnlose Choreografie aus Gewalt, Rechtfertigung und Empörung beobachten, in der jede Seite zu wissen glaubt, was es nun zu tun, zu lassen oder zu sagen gilt. Da ist eine radikale Minderheit, die unter dem Deckmantel der Solidarität ihren Gewaltfetisch auslebt. Da sind Konservative und rechte Ideologen, die das dankbar zum Anlass nehmen, um einen vielfältigen Kiez zu diskreditieren. Da ist Sachsens Innenminister, der härtere Strafen für Gewalt gegen Polizisten ankündigt - statt Konzepte für deren Schutz.

Steigende Wohnkosten und soziale Verdrängung sind existenzielle Themen in der am schnellsten wachsenden Stadt Deutschlands. Über die muss debattiert werden, mit Nachdruck, mit kreativem Protest, aber ohne Exzess. Keine einzige Miete wird eingefroren, wenn Fenster eingeworfen werden.

© SZ vom 07.09.2020/hij
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